Die Spiele des Viertelfinales der Weltmeisterschaft 1954

Datum Heim Gast Ergebnis
Sa 26.06. 17:00 Uruguay - England 4:2 (2:1) Info
Sankt-Jacob-Park (Basel)
35.000 Zuschauer
Schiri: Carl Erich Steiner (Österreich)
Borges (5.) 1:0
1:1
Varela (39.) 2:1
Schiaffino (46.) 3:1
3:2
Ambrois (78.) 4:2

Lofthouse (16.)


Finney (67.)

Sa 26.06. 17:00 Österreich - Schweiz 7:5 (5:4) Info
Olympique de la Pontaise (Lausanne)
35.000 Zuschauer
Schiri: Charlie Faultless (Schottland)
0:1
0:2
0:3
Wagner (25.) 1:3
Körner (26.) 2:3
Wagner (27.) 3:3
Ocwirk (32.) 4:3
Körner (34.) 5:3
5:4
Wagner (53.) 6:4
6:5
Probst (76.) 7:5
Ballaman (16.)
Hügi (17.)
Hügi (19.)





Ballaman (39.)

Hügi (58.)

So 27.06. 17:00 Deutschland - Jugoslawien 2:0 (1:0) Info
Stade des Charmilles (Genf)
20.000 Zuschauer
Schiri: Istvan Zsolt (Ungarn)
1:0
Rahn (85.) 2:0
Horvat (9.)

So 27.06. 17:00 Ungarn - Brasilien 4:2 (2:1) Info
Stade de Suisse Wankdorf (Bern)
40.000 Zuschauer
Schiri: Arthur Ellis (England)
Hidegkuti (4.) 1:0
Kocsis (7.) 2:0
2:1
Lantos (60.) 3:1
3:2
Kocsis (88.) 4:2


dos Santos (18.)

Julinho (65.)

Die Spiele des Halbfinales der Weltmeisterschaft 1954

Datum Heim Gast Ergebnis
Mi 30.06. 18:00 Deutschland - Österreich 6:1 (1:0) Info
Sankt-Jacob-Park (Basel)
58.000 Zuschauer
Schiri: Vincenzo Orlandini (Italien)
Schäfer (31.) 1:0
Morlock (47.) 2:0
2:1
Walter (54.) 3:1
Walter (61.) 4:1
Walter (64.) 5:1
Walter (89.) 6:1


Probst (51.)




Mi 30.06. 18:00 Ungarn - Uruguay 4:2 n.V. Info
Olympique de la Pontaise (Lausanne)
37.000 Zuschauer
Schiri: Benjamin Griffiths (Wales)
Czibor (13.) 1:0
Hidegkuti (46.) 2:0
2:1
2:2
Kocsis (111.) 3:2
Kocsis (116.) 4:2


Hohberg (75.)
Hohberg (86.)


Das Spiel um den 3. Platz der Weltmeisterschaft 1954

Datum Heim Gast Ergebnis
Sa 03.07. 17:00 Österreich - Uruguay 3:1 (1:1) Info
Hardturm (Zürich)
35.000 Zuschauer
Schiri: Raymon Wyssling (Schweiz)
Stojaspal (16.) 1:0
1:1
2:1
Ocwirk (89.) 3:1

Hohberg (22.)
Cruz (59.)

Das Finale der Weltmeisterschaft 1954

Das Wunder von Bern

Sein Treffer gegen Ungarn veränderte Deutschland: Helmut RahnSein Treffer gegen Ungarn veränderte Deutschland: Helmut Rahn

Die FIFA war mittlerweile auf 85 Mitglieder angewachsen, wovon 44 ihre Meldung abgaben, aber nur 37 berücksichtigt werden konnten. Mit der Ausnahme von Argentinien waren alle wichtigen Nationen vertreten, um sich für die WM im Austragungsland der Endrunde, in der Schweiz, zu qualifizieren. Der Veranstalter und Uruguay als Weltmeister waren automatisch qualifiziert. Erneut hatte man sich auf einen neuen, allerdings absurden Modus geeinigt. Eine Mischung aus Punktewertung und K.o.-System sollte diesmal praktiziert werden. Da den Teams allerdings nicht so viele Spiele zugemutet werden sollte, wurden zwei Nationen je Gruppe gesetzt, die nicht gegeneinander spielen brauchten. Die Absurdität dieses Modus wurde spätestens klar, als das nicht gesetzte Team von Deutschland Weltmeister wurde.

Die Qualifikation
In der Gruppe I musste sich Deutschland gegen Norwegen und das Saarland (=' 1. FC Saarbrücken) durchsetzen. Es waren die erwartet schwer zu spielenden Rivalen, doch das Team von Sepp Herberger, der vor allem auf einen Block des 1. FC Kaiserslautern setzte, holte bei den Spielen in Norwegen ein glückliches 1:1 und gewann das zweite Treffen mit 5:1. Das Saarland hatte in Norwegen 3:2 gewonnen, wurde aber von den Deutschen in Stuttgart mit 3:0 und in Saarbrücken mit 3:1 bezwungen. Schon in diesen Begegnungen kamen die meisten Spieler des späteren Weltmeisters zum Einsatz.

In den anderen Qualifikationsgruppen gab es einige Überraschungen. Der WM-Dritte von Brasilien 1950, Schweden, scheiterte an Belgien und der letztmalige WM-Vierte, Spanien, musste sich der Türkei (durch Losentscheid) beugen. In der Amerika-Gruppe gab es eine Überraschung, da sich Mexiko gegen den England-Bezwinger von 1950, die USA, durchsetzte. Unerwartet war ebenso, dass sich in Asien Südkorea gegenüber Japan behauptete.

Die Vorrunde
Das Eröffnungsspiel in Lausanne bestritten mit Jugoslawien und Frankreich zwei Teams aus der Gruppe I. Bereits in der 15. Minute schoss Milutinovic das Tor des Tages zum 1:0-Erfolg für die Jugos. Danach musste sich Brasilien gegen den Außenseiter aus Mexiko durchsetzen, was mit einem 5:0-Sieg überzeugend gelang. Eine spannende Partie wurde die Auseinandersetzung zwischen den beiden Siegern des 1. Spieltages, Brasilien und Jugoslawien. Nach 120 Minuten stand es 1:1 durch die Tore des späteren, zweifachen Weltmeisters Didi und durch den späteren Bundesliga-Trainer Branco Zebec. Damit waren beide Mannschaften qualifiziert, denn der gleichzeitige 3:2-Erfolg Frankreichs über Mexiko half den Franzosen nicht zum Weiterkommen.

In der Gruppe II starteten die favorisierten Ungarn mit einem 9:0-Kantersieg gegen den mutmaßlichen Punktelieferanten Südkorea. Deutschland hatte in seinem ersten Spiel die gesetzten Türken als Gegner. Obwohl die Herberger-Elf nach drei Minuten in Rückstand geriet, ließen sich die Akteure um Spielmacher Fritz Walter nicht von ihrem Weg abbringen. Schäfer glich bereits nach einer knappen Viertelstunde aus. Trotz eindeutiger Überlegenheit dauerte es bis zur 50. Minute, ehe Klodt das 2:1 besorgte. Danach stellten Ottmar Walter und Max Morlock noch das standesgemäße Endergebnis von 4:1 her. Gegen die Ungarn im Folgespiel stellte Sepp Herberger ein besseres Reserveteam auf und überraschte damit Freund, Feind und Fachleute. Gegen die furios zaubernden Magyaren gab es ein legendäres 3:8. Da die Türkei Südkorea 7:0 überfahren hatte, mussten die Deutschen ein zweites Mal gegen die Männer vom Bosporus antreten. Wieder mit der vermeintlich besten Aufstellung angetreten, wurde auch die zweite Auseinandersetzung zwischen den beiden Kontrahenten ein Siegeszug für die Deutschen. 7:2 hieß das eindeutige Endergebnis, wobei Max Morlock mit drei Treffern besonders auffiel.

Der amtierende Weltmeister Uruguay konnte sich erwartungsgemäß in der Gruppe III behaupten. 2:0 gegen die Tschechoslowaken und ein 7:0 gegen die überforderten Schotten reichten für den Gruppensieg. Auch die starken Österreicher ließen nichts anbrennen. Schottland wurde 1:0 und die Tschechoslowakei 5:0 besiegt. Österreich war als Zweiter also ebenso im Viertelfinale.

Spannender ging es in der Gruppe IV zu. England reichte ein 4:4 n.V. gegen Belgien und das 2:0 über die Schweiz, die wiederum Italien mit 2:1 besiegte. Da Italien aber die Belgier mit 4:1 ausschaltete, mussten die Eidgenossen und die Azzuris ins Entscheidungsspiel. Die Gastgeber siegten in Basel überzeugend mit 4:1 über die südlichen Nachbarn.

Das Viertelfinale
Das torreichste Spiel der WM-Geschichte stieg in Lausanne zwischen den Gastgebern und Österreich. In dem verrückten Match führten die Schweizer nach 23 Minuten bereits 3:0. Zwölf Minuten später lag Österreich jedoch mit 5:3 vorn! Mit 5:4 kamen die Mannschaften aus den Kabinen. 6:4, 6:5 und 7:5 war die weitere Treffer-Folge und Österreich hatte überraschend die Schweiz aus dem Turnier geworfen.

Weltmeister Uruguay traf im nächsten Spiel auf England, das mit seiner altbackenen Spielweise den technisch versierten Urus mit 2:4 unterlag. Trotz Spielern wie Matthews, Wright und Lofthouse zeigte es sich, dass das Mutterland des Fußballs nicht auf dem neuesten Stand der Dinge war.

Als ruppigste Begegnung des Turniers blieb der 4:2-Sieg von Ungarn über Vize-Weltmeister Brasilien in Erinnerung. Die Brasilianer verloren Nilton Santos und Humberto, die Ungarn Boszik durch Platzverweis. Nach der Partie prügelten sich die Beteiligten in den Kabinengängen weiter. Doch wieder hatten die Ungarn das bessere Team gestellt und ihre Favoritenrolle auf den Titel untermauert.

Deutschland musste sich mit den starken Jugoslawen messen und galt als Außenseiter. Durch ein unglückliches Eigentor von Horvath gingen die Deutschen nach neun Minuten in Führung. Dann begann eine Abwehrschlacht gegen die unaufhörlich angreifenden Jugos. Doch Glück und Können in Person des fantastischen Toni Turek im Tor der Deutschen halfen, den immensen Druck des Gegners zu überwinden. Ein Konter in der 85. Minute brachte gar noch das 2:0 durch Helmut Rahn und die Überraschung war perfekt.

Das Halbfinale
Auch Österreich ging gegen die Deutschen als Favorit in die Semifinalbegegnung. Nach beidseitig schwachem Beginn gelang Schäfer das 1:0 für Deutschland. Nach der Pause kamen die Österreicher stark auf, doch Turek erwies sich wieder als unüberwindlich. Ein Eckstoß von Fritz Walter war der Ausgang für das wichtige 2:0 durch Max Morlock, mitten in der Drangperiode der Alpenkicker. Zwar fiel kurz danach das 1:2, doch als Schäfer aussichtsreich im Strafraum gefoult wurde und Fritz Walter per Elfmeter das 3:1 markierte, war das Spiel entschieden. Gegen die nun nahezu wehrlosen Österreicher schossen Fritz und zweimal Ottmar Walter noch einen 6:1-Sieg und die sensationelle Finalteilnahme heraus.

Wie erwartet lief die vermeintliche Wachablösung des amtierenden Weltmeisters Uruguay durch Ungarn im zweiten Halbfinalspiel ab. Zwar führten die Ungarn schon 2:0, doch sie mussten noch in der regulären Spielzeit das 2:2 hinnehmen. In der Verlängerung setzte sich jedoch die Spielkunst der Ungarn durch. Torjäger Kocsis war nicht mehr zu halten und schoss die Favoriten mit zwei Treffern zum 4:2-Erfolg ins Endspiel.

Die Finalspiele
Im Spiel um Platz drei musste Uruguay dem 120-Minuten-Match gegen Ungarn seinen Tribut zollen. Die nur mittelmäßige Begegnung konnte Österreich mit 3:1 für sich entscheiden.

Das Finale in Bern hatte nur einen Sieger erwartet: Ungarn. Nach acht Minuten führte der haushohe Favorit durch Tore von Puskas und Czibor auch schon 2:0 und keiner setzte mehr einen Pfifferling auf die Deutschen. Mit dem Mut der Verzweiflung setzte sich jedoch in der 10. Spielminute Helmut Rahn auf der linken Seite durch und Max Morlock grätschte in seinen von Lorant abgefälschten Pass mit langem Bein hinein: 1:2. Die etwas verdutzten Ungarn brauchten etwas Zeit zur Besinnung. In dieser Phase trat Fritz Walter zum Eckball an. Der Ball kam auf den langen Pfosten, wo die Ungarn Helmut Rahn nicht eng genug markierten und es stand 2:2. Dann folgte eine über eine Stunde andauernde Abwehrschlacht der nun wütend angreifenden Ungarn. Doch immer wieder konterten die Deutschen über Fritz Walter und sorgten für Entlastung. Im Tor stand mit Toni Turek der beste Keeper des Turniers, der wiederholt über sich hinauswuchs. Zudem wurden die Kreise des Torjägers Kocsis vom Linken Läufer Karl Mai eingeschränkt. Auch Liebrich und Kohlmeyer leisteten sagenumwobene Abwehrarbeit. 20 Minuten vor dem Abpfiff konnten sich die Deutschen immer öfter von der ungarischen Umklammerung befreien und tauchten vermehrt vor des Gegners Tor auf. Als sechs Minuten vor Schluss Schäfer von der linken Seite flankte und ein Ungar das Leder auf die rechte Seite köpfte, nahm Helmut Rahn den Ball auf. Der Rechtsaußen rannte mit dem Leder am Fuß auf zwei Abwehrspieler zu, täuschte einen Schuss mit Rechts an, machte aber einen Haken nach Links und trat mit dem linken Fuß in Richtung Tor. Der Ball wurde immer länger und schlug im unteren Eck, unhaltbar für Torhüter Grosics, ein. Unbeschreiblicher Jubel. In den letzten Minuten hatte Puskas noch eine große Chance, erzielte gar ein Tor, das aber wegen Abseits keine Anerkennung fand. Auch ein Czibor-Geschoss landete nicht mehr im Netz der Deutschen, da Toni Turek das Leder erwischte. Dann war Schluss und die Sensation perfekt: Deutschland war Weltmeister 1954.

Werbung für den Fußballsport
Dank der weltweiten Fernsehübertragungen und dank der hohen Torquote von 5,384 Treffern pro Spiel war das Turnier ein großes Spektakel in allen Medien. Auch der sportliche Verlauf faszinierte nicht nur die deutschen Fans. Im Fußball schien alles möglich und das 54er Turnier hatte die Popularität des Sports um ein Vielfaches gesteigert.

Das Finale der Weltmeisterschaft 1954

Datum Heim Gast Ergebnis
So 04.07. 17:00 Deutschland - Ungarn 3:2 (2:2) Info
Stade de Suisse Wankdorf (Bern)
60.000 Zuschauer
Schiri: William Ling (England)
0:1
0:2
Morlock (10.) 1:2
Rahn (18.) 2:2
Rahn (84.) 3:2
Puskas (6.)
Czibor (8.)