Die Spiele des Viertelfinales der Weltmeisterschaft 1970

Datum Heim Gast Ergebnis
So 14.06. 12:00 UdSSR - Uruguay 0:1 n.V. Info
Azteca (Mexico City)
46.000 Zuschauer
Schiri: van Ravens (Niederlande)
0:1
Esparrago (117.)
So 14.06. 12:00 Italien - Mexiko 4:1 (1:1) Info
Luis Dosal (Toluca)
26.900 Zuschauer
Schiri: Rudolf Scheurer (Schweiz)
0:1
Domenghini (25.) 1:1
Riva (64.) 2:1
Rivera (69.) 3:1
Riva (76.) 4:1
Gonzalez (13.)




So 14.06. 12:00 Brasilien - Peru 4:2 (2:1) Info
Jalisco (Guadalajara )
54.200 Zuschauer
Schiri: Vital G.G. Loraux (Belgien)
Rivelino (11.) 1:0
Tostao (15.) 2:0
2:1
Tostao (52.) 3:1
3:2
Jairzinho (76.) 4:2


Gallardo (28.)

Cubillas (69.)

So 14.06. 12:00 England - Deutschland 2:3 n.V. Info
Guanajuato (Leon/Mex.)
23.400 Zuschauer
Schiri: Angel Norberto Coerezza (Argentinien)
Mullery (31.) 1:0
Peters (49.) 2:0
2:1
2:2
2:3


Beckenbauer (69.)
Seeler (82.)
Müller (108.)

Die Spiele des Halbfinales der Weltmeisterschaft 1970

Datum Heim Gast Ergebnis
Mi 17.06. 16:00 Brasilien - Uruguay 3:1 (1:1) Info
Jalisco (Guadalajara )
51.300 Zuschauer
Schiri: de Mendibil (Spanien)
0:1
Clodoaldo (45.) 1:1
Jairzinho (76.) 2:1
Rivelino (90.) 3:1
Cubilla (19.)



Mi 17.06. 16:00 Italien - Deutschland 4:3 n.V. Info
Azteca (Mexico City)
102.400 Zuschauer
Schiri: Yamasaki (Peru)
Boninsegna (7.) 1:0
1:1
1:2
Burgnich (98.) 2:2
Riva (103.) 3:2
3:3
Rivera (112.) 4:3

Schnellinger (90.)
Müller (95.)


Müller (110.)

Das Spiel um den 3. Platz der Weltmeisterschaft 1970

Datum Heim Gast Ergebnis
Sa 20.06. 16:00 Deutschland - Uruguay 1:0 (1:0) Info
Azteca (Mexico City)
104.000 Zuschauer
Schiri: Sbardella (Italien)
Overath (23.) 1:0

Das Finale der Weltmeisterschaft 1970

WM 1970 in Mexiko

Einer der herausragenden Akteure bei Weltmeister Brasilien: JairzinhoEiner der herausragenden Akteure bei Weltmeister Brasilien: Jairzinho

Ähnlich wie aus geographischen Gründen die WM von 1962 in Chile, war die Vergabe an Mexiko als Austragungsort der WM äußerst umstritten. Höhenlage, hygienische Bedingungen und ‚Montezumas Rache’ (eine hinterlistige Darmerkrankung) waren nur drei Stichworte, die den Offiziellen Sorgen machten. Doch die Befürchtungen, ausgelöst durch die Olympischen Spiele zwei Jahre zuvor, bewahrheiteten sich größtenteils nicht. Wieder meldeten sich 70 Verbände für die Qualifikation an, wobei Afrika erstmals ein eigener Endrundenplatz zugesprochen wurde.

Die Qualifikation
Keine WM-Qualifikation lief ohne Überraschungen ab, so auch diese. In Europa schieden der Dritte von 1966, Portugal als Gruppendritter (!) hinter Rumänien und Griechenland aus. Auch Ungarn, Jugoslawien und Frankreich setzten sich als Favoriten in ihren Gruppen nicht durch. Sensationell war das Ausscheiden Argentiniens in Südamerika gegen Peru. In Asien schaffte es erstmals Israel und in Afrika konnte sich Marokko nach einer besonders umfangreichen Ausscheidung durchsetzen. In der Nord- und Mittelamerika-Entscheidung kam es nach dem 3:2 El Salvadors über Honduras zu dem ersten ‚Fußballkrieg’ der Geschichte. In der einwöchigen Auseinandersetzung zwischen den beiden schon länger verfeindeten Mittelamerika-Staaten starben 200 Menschen und es gab über 1000 Verwundete.
Deutschland hatte in seiner Gruppe die Hürden Schottland, Österreich und Zypern zu überwinden. Zwar gelang mit drei Punkten Vorsprung vor den Schotten ‚auf dem Papier’ ein sicherer Gruppensieg, doch in der Realität wurde die Qualifikation doch enger als erwartet. Während die Deutschen in Glasgow beim Hinspiel ein wichtiges 1:1 erreichten (Torschütze Gerd Müller), gab es gegen Zypern in Nikosia (1:0 durch Müller in der 92. Minute!) und im Heimspiel gegen Österreich (1:0 durch Müller in der 88. Minute!) fast unerwartete Ausrutscher. Das entscheidende Spiel stieg am 22. Oktober 1969 in Hamburg gegen Schottland. Flügelflitzer Johnstone hatte die Gastgeber schon in der 3. Minute mit dem 0:1 geschockt. Fichtel und Müller sorgten zwar für das 2:1, doch Gilzean glich noch einmal aus. Der vielumjubelte Siegtreffer durch Libuda fiel 11 Minuten vor dem Abpfiff. Die nach dieser Niederlage chancenlosen Schotten verloren dann auch das letzte Spiel in Österreich.

Die Vorrunde
Das Eröffnungsspiel im Aztekenstadion von Mexiko-City vor über 100.000 Zuschauern bestritten die Favoriten der Gruppe 1, Mexiko und die UdSSR. Die enttäuschende Begegnung endete torlos, sollte erfreulicherweise aber kein Gradmesser für das WM-Turnier werden. Die Gastgeber konnten danach jedoch El Salvador (4:0) und Belgien (1:0) auf Distanz halten und wurden Gruppenzweiter. Die UdSSR siegte ebenfalls gegen die beiden weiteren Gegner und hatte aufgrund der mehr geschossenen Tore in der Endabrechnung der Gruppe knapp die Nase vorn.
Die Italiener sparten ihre Kräfte in der Gruppe 2 wohl für die weiteren Spiele auf, denn zwei torlose Remis gegen Uruguay und Israel, sowie ein magerer 1:0-Erfolg über Schweden reichten zum Gruppensieg. Uruguay belegte aufgrund des um ein Tor besseren Torverhältnisses gegenüber Schweden Platz Zwei. Ganze sechs Tore fielen in dieser durch ökonomischen Defensivfußball geprägten Gruppe.
So torarm ging es in Gruppe 3 glücklicherweise nicht zu. Zwar setzten sich auch hier die Favoriten Brasilien und England durch, doch dazu mussten die beiden Teams wesentlich mehr Treffer erzielen. Während Pelé & Co. die CSSR (4:1) deutlich, England (1:0) und Rumänien (3:2) knapp bezwangen, wurde es für den Weltmeister von 1966 recht eng. Rumänien und die sieglose CSSR konnten jeweils mit 1:0 besiegt werden ­ das reichte für Platz Zwei.
Deutschlands erster Gegner in der Gruppe 4 war das unbequeme Team aus Afrika, Marokko. Der mühsame 2:1-Erfolg konnte nach dem 0:1-Rückstand durch Jarir erst im zweiten Durchgang von Müller und Seeler gesichert werden, die Schön nach langen Diskussionen in den Medien gemeinsam spielen ließ. Doch der Zittersieg brachte für den weiteren WM-Verlauf der Deutschen keine hoffnungsvollen Erkenntnisse. Zuvor hatten sich die Peruaner gegen Bulgarien in einer spannenden Partie mit 3:2 durchgesetzt. Bulgarien war auch der zweite Gegner der Deutschen. Für die enttäuschenden Haller und Held nahm Schön Libuda und Löhr ins Team. Vor allem der Einsatz von ‚Stan’ Libuda zahlte sich aus. Trotz des frühen 0:1-Rückstandes ließen sich die Deutschen nicht aus dem Konzept bringen, denn Libuda spielte als Rechtsaußen das Spiel seines Lebens, sorgte selbst für den Ausgleich und bediente seine Mitangreifer, nachdem er seine bulgarischen Gegenspieler schwindelig gespielt hatte laufend mit Flanken. Drei Mal schlug Gerd Müller, ein Mal Uwe Seeler zu, bevor eine Unsicherheit in der Abwehr noch den zweiten Treffer der Bulgaren zuließ. Im letzten Vorrundenspiel galt es nun die Peruaner zu bezwingen, die Marokko, dank ihres Torjägers Cubillas 3:0 besiegt hatten. Aufgrund einer großartigen ersten Halbzeit, in der Gerd Müller mit einem ‚Dreierpack’ überzeugte, während Cubillas kurz vor der Pause ein Mal traf führte Deutschland verdient 3:1. Nach dem Seitenwechsel steigerten sich die Peruaner und brachten die Deutschen immer wieder in Schwierigkeiten. Doch dank einer aufopferungsvollen Abwehrschlacht in erbarmungsloser Hitze hielt die Helmut Schön-Elf das Ergebnis und durfte auch im Viertelfinale in Leon spielen, wo sich das deutsche Quartier befand.

Das Viertelfinale
England war nun also der deutsche Gegner im Viertelfinale. Natürlich wurde die Auseinandersetzung von vielen als Revanche des WM-Finales 1966 angesehen. Zwölf Uhr mittags in schier unglaublicher Hitze wurde das Spiel in Leon angepfiffen. England stand äußerst kompakt und ließ den deutschen Angriff nicht zur Entfaltung kommen. Im Mittelfeld regierte Bobby Charlton und die Tore für den amtierenden Weltmeister fielen nahezu zwangsläufig. Zuerst nahm Mullery eine Newton-Flanke zum 1:0 auf und verwandelte. Das 2:0, fünf Minuten nach der Pause, war ein trockener Schuss von Peters ins kurze Ecke. Glücklich, aber bis dahin verdient. England dominierte auch weiterhin, doch die bis dahin schwachen Deutschen übernahmen langsam die Oberhand. Für Libuda war der dribbelstarke und den Ball fordernde Grabowski im Spiel, während Bobby Charlton zwecks Schonung für das Halbfinale ausgewechselt wurde. Nahezu gleichzeitig gelang Beckenbauer mit einem platzierten Schuss aus halbrechter Position der Anschluss. Die Engländer waren nun stehend K.o. und reduzierten ihre Tätigkeit auf das Halten des knappen Vorsprungs. Die nun einseitige Begegnung erlebte in der Schlussphase viele Strafraumszenen vor dem Gehäuse von Keeper Bonetti. Uwe Seeler war es in der 82. Minute vergönnt, mit einem artistischen Kopfball nach einem weiten Schnellinger-Pass, den Ausgleich zu erzielen. In der ersten Viertelstunde der Verlängerung berannten Beckenbauer & Co. weiterhin das englische Tor, doch das vielumjubelte 3:2 fiel erst nach drei Minuten in der 2. Verlängerungshälfte. Eine Overath-Flanke hatte Vereinskamerad Hennes Löhr vor das Tor geköpft, wo ­ natürlich ­ Gerd Müller lauerte und einschoss. Ein letztes Aufbäumen des Weltmeisters verpuffte in der Hitze von Leon und Deutschland war unter den letzten Vier.

Im Aztekenstadion trafen Uruguay und die UdSSR aufeinander. Die zumeist mexikanischen Zuschauer hingen an den Transistorradios, da gleichzeitig Mexiko gegen Italien antrat und Urus wie Russen schwach spielten und hauptsächlich damit beschäftigt waren, gegenseitig den Spielfluss per Foul zu unterbrechen. Dieser ermüdende Kick wurde erst durch das Tor von Victor Esparrago Minuten vor dem Ende der Verlängerung entschieden. Wieder hatte es das 2,4-Millionen-Volk geschafft, in die Fußball-Weltspitze vorzudringen ­ gegen die Mannschaft einer 200 Millionen Köpfe zählenden Gesellschaft.

Währenddessen bewährte sich das italienische Team souverän gegen den Veranstalter Mexiko in Toluca. Die Azteken-Nachfolger hatten zwar schon nach 13 Minuten Keeper Albertosi überwunden, doch das störte die cleveren Italiener überhaupt nicht. Fast wäre vier Minuten später das 2:0 gefallen, doch diesmal war Albertosi auf dem Posten. Der Ausgleich in der 26. Minute wurde Domenghini zugerechnet, obwohl es eigentlich ein Guzman-Eigentor war, der den Ball unglücklich abfälschte. Mit einem frischen Gianni Rivera für einen müden Sandro Mazzola kam Italien aus der Kabine und übernahm vermehrt das Ruder. Drei Tore zwischen der 64. und 76 Spielminute entschieden das Match für die Italiener. Riva, Rivera und wieder Riva zeigten, dass die Italiener nicht nur die Defensive beherrschten. Eine Warnung an den nächsten Gegner: die Deutschen.
Die rein südamerikanische Partie zwischen Brasilien und Peru geriet zu einem Fest des Offensivfußballs. Dabei war der 4:2-Erfolg für die Brasilianer eigentlich nie gefährdet, bei denen Tostao, Torschütze des 2:0 und 3:1, der überragende Mann auf dem Platz war. Die Beobachter waren sich abschließend einig, den neuen Weltmeister gesehen zu haben.

Das Halbfinale
Als vielleicht dramatischstes Spiel der WM-Geschichte wird noch heute die Begegnung zwischen Italien und Deutschland bezeichnet. Der 120-Minuten-Krimi in der Hitze des Aztekenstadions begann im Prinzip mit dem frühen 1:0 durch Boninsegna (7.). Der Rest der regulären Spielzeit bestand aus einem Anrennen der immer stärker werdenden Deutschen gegen das italienische Tor, die kaum mehr zu Entlastungsangriffen kamen. Unzählige, fragwürdige Entscheidungen des Schiedsrichters Yamasaki und das penetrant zeitschindende Spiel der Italiener sorgten für deutschen Unmut, der sich allerdings auflöste, als der ‚Italiener’ im deutschen Team, Karl-Heinz Schnellinger, in der 92. Minute den Ausgleich schoss. Schon fünf Minuten nach Beginn der Verlängerung kullerte Gerd Müllers Ball über die Linie, als sich die Italiener nicht einig waren. Doch ein Fehler von Held, der ungewollt auf Burgnich ablegte, brachte das 2:2. Luigi Riva nahm fünf Minuten später an der linken Strafraumgrenze den Ball auf, umspielte Willi Schulz und traf ins lange Eck: 3:2 für Italien. Wieder antwortete Müller, diesmal per Kopf zum 3:3. Doch kaum war das Spiel wieder angepfiffen und ein deutscher Angriff abgefangen, bekam Rivera über die linke Seite freistehend im Strafraum aufgelegt und vollendete gegen die Laufrichtung Sepp Maiers zum 4:3, der Entscheidung. Das ‚Spiel des Jahrhunderts’ hatte keinen Sieger verdient, musste aber einen haben und das war das glückliche Team von Italien.

Bei 31 Grad im Schatten und 45 Grad auf dem Spielfeld trafen Uruguay und Brasilien im zweiten Halbfinalspiel in Guadalajara aufeinander. Überraschend gingen die Urus gegen die bis dahin spielbestimmenden Brasilianer durch Cubilla in Führung. Erst kurz vor dem Halbzeitpfiff gelang Clodoaldo aus spitzem Winkel der Ausgleich gegen eine harte, unbequeme Abwehr aus Uruguay. Enttäuschend war im zweiten Durchgang die Schiedsrichterleistung. Mehrere Fouls der Urus gegen die weit überlegenen Brasilianer wurde entweder gar nicht abgepfiffen, oder außerhalb des Strafraums verlegt. Doch Jairzinho und Rivelino bezwangen verdientermaßen den großartigen Schlussmann der Urus, Mazurkiewicz, in der Schlussphase. Der Favorit hatte sich doch noch durchgesetzt.

Das Finale
Im Spiel um dritten Platz waren die Deutschen gegen Uruguay körperlich nicht mehr zu großen Taten fähig, gewannen aber durch ein Tor von Wolfgang Overath und einem stark ersatzgeschwächten Team gegen die eindeutig überlegenen Urus glücklich mit 1:0.

Italien und Brasilien hatten den Coupe Jules Rimet vor dem Endspiel bereits je zwei Mal gewonnen. Der Sieger durfte den Pokal also mit nach Hause nehmen. Während die Italiener nach dem Halbfinale nicht wiederzuerkennen waren, vor allem im Angriff glänzte die Harmlosigkeit, hängten sich die Brasilianer voll rein. Pelés Kopfball zum 1:0 wurde zwar nach einem Abwehrfehler durch Boninsegna ausgeglichen, doch im zweiten Durchgang spielten nur noch die Brasilianer. Gerson (65.), Jairzinho (70.) und Carlos Alberto (86.) schraubten den Sieg auf ein auch in dieser Höhe verdientes 4:1. Die eindeutig beste Mannschaft des Turniers hatte den Titel errungen und nahm den Coupe Jules Rimet für immer mit an den Zuckerhut.

Der Offensivfußball war zurück
Die Weltmeisterschaft in Mexiko war nicht nur dank der Brasilianer ein noch wesentlich offensiver geführtes Turnier, als es sich in England 1966 bereits andeutete. Und die Italiener, Peruaner und Deutschen halfen bei diesem Eindruck mit. Zudem war das Fußballspiel, gerade in den letzten Begegnungen dieser WM, wesentlich temporeicher, aber auch zweckmäßiger geworden. Gerade die Brasilianer zeigten eine geradezu europäische Disziplin in der Abwehr und im Spielaufbau, wo immer mehr auf die sogenannte „brotlose Kunst“, die technischen Kabinettstückchen verzichtet wurde. Eine Entwicklung, die pradoxerweise gerade unter der besonders heißen Sonne Mexikos stattfand.

Das Finale der Weltmeisterschaft 1970

Datum Heim Gast Ergebnis
So 21.06. 12:00 Brasilien - Italien 4:1 (1:1) Info
Azteca (Mexico City)
107.400 Zuschauer
Schiri: Rudolf Glöckner (DDR)
Pelé (19.) 1:0
1:1
Gerson (65.) 2:1
Jairzinho (70.) 3:1
Torres (86.) 4:1

Boninsegna (37.)