Die Spiele des Halbfinales der Weltmeisterschaft 1982

Datum Heim Gast Ergebnis
Do 08.07. 17:15 Polen - Italien 0:2 (0:1) Info
Sausalito (Viña del Mar)
50.000 Zuschauer
Schiri: Cardellino de San Vicente (Uruguay)
0:1
0:2
Rossi (22.)
Rossi (72.)
Do 08.07. 21:00 Deutschland - Frankreich 8:7 n.E. Info
Ramon Sanchez Pizjuan (Sevilla)
63.000 Zuschauer
Schiri: Corver (Niederlande)
Littbarski (17.) 1:0
1:1
1:2
1:3
Rummenigge (102.) 2:3
Fischer (108.) 3:3
3:4
Kaltz 4:4
4:5
Breitner 5:5
5:6
Stielike ---
---
Littbarski 6:6
6:7
Rummenigge 7:7
---
Hrubesch 8:7

Platini (26.)
Tresor (92.)
Giresse (98.)


Giresse

Amoros

Rocheteau

Six

Platini

Bossis

Das Spiel um den 3. Platz der Weltmeisterschaft 1982

Datum Heim Gast Ergebnis
Sa 10.07. 20:00 Frankreich - Polen 2:3 (1:2) Info
Estadio La Portada ( La Serena)
28.000 Zuschauer
Schiri: Antonio José da Silva Garrido (Portugal)
Girard (13.) 1:0
1:1
1:2
1:3
Couriol (73.) 2:3

Szarmach (41.)
Majewski (44.)
Kupcewicz (46.)

Das Finale der Weltmeisterschaft 1982

Italien wusste sich zu steigern

Zu Italiens traditioneller Defensive gesellte sich seine Torgefährlichkeit: Paolo RossiZu Italiens traditioneller Defensive gesellte sich seine Torgefährlichkeit: Paolo Rossi

Erstmals hatten sich die Offiziellen, Wortführer war FIFA-Präsident Dr. Joao Havelange, sein Gegenpart DFB-Präsident Hermann Neuberger, für 24 Nationen bei der Endrunde entschieden. Das bedeutete 52 Spiele in einem Monat. Viele sprachen von einer Abwertung des Turniers, von schnell aufkommender Langeweile etc. Doch außer einem heillosen Durcheinander bei der Gruppenauslosung mit falsch gesteckten Namen auf der Anzeigetafel, auseinanderfallenden Plastikkugeln und streikenden Lostrommeln, sollte es bei diesem Turnier noch ganz andere Probleme geben.

Die Qualifikation
Deutschland qualifizierte sich in der Gruppe 1 gegen Österreich, Bulgarien, Albanien und Finnland mit acht Siegen in acht Begegnungen als amtierender Europameister von 1980 souverän. Vize-Weltmeister Niederlande dagegen belegte hinter Belgien, Frankreich und Irland nur Platz Vier in Gruppe 3 und durfte nicht mit nach Spanien. Weiterhin erreichten von den Favoriten Schweden, Uruguay und Mexiko die Ausscheidung nicht, während sich Nordirland, El Salvador und Honduras überraschend durchsetzten.

Erste Finalrunde
Von den sechs Spielen der Gruppe 1 endeten fünf Remis. Nur Polen (mit Lato) konnte Peru mit 5:1 abkanzeln. Für die WM-Dritten von 1974 bedeutete dies den Gruppensieg, während Italien dank des besseren Torverhältnisses (2:2) Zweiter vor dem überraschend starken Team von Kamerun (1:1) wurde. Italien kam somit ohne einen Sieg in die zweite Runde.

Deutschland startete in der Gruppe 2 mit einer negativen Sensation. Gegen die technisch starken Algerier gab es eine 1:2-Niederlage. Der von Bundestrainer Jupp Derwall ins Team zurückgeholte Paul Breitner und der im Vorfeld als Superstar der WM angekündigte Karl-Heinz Rummenigge enttäuschten dabei maßlos. Gegen die kaum WM-reifen Chilenen gab es ein aufbauendes 4:1 (3 Tore von Rummenigge) und das 1:0 gegen Österreich ging als Skandalspiel in die WM-Historie ein. Nach dem 1:0 waren beide Teams qualifiziert, da Algerien gegen Chile (3:2) nicht gleichzeitig stattfand, konnten die beiden Nachbarn auf Ergebnis spielen und taten das vor Millionen Zuschauern weltweit auch, indem nach der 11. Minute (1:0, Hrubesch) nur noch Ballgeschiebe stattfand. Das weltweite Rauschen im Blätterwald danach war verständlicherweise verheerend und wirkte noch lange nach.

Gruppe 3: Weltmeister Argentinien startete im Eröffnungsspiel der WM gegen Belgien mit seinem 21-jährigen Superstar Diego Maradona und vielen Vorschusslorbeeren. Die verdiente 0:1-Niederlage war die pure Ernüchterung, aber noch nicht das Aus für den Favoriten. Schon gegen Ungarn im zweiten Spiel kamen die Gauchos in Fahrt. Das 2:0 gegen den krassen Außenseiter El Salvador stimmte schon wieder bedenklicher. Doch auch die Belgier rissen keine Bäume aus. 1:0 gegen El Salvador, das den Ungarn im ersten Spiel 1:10 (!) unterlag. Gegen die Magyaren schafften Keeper Jean-Marie Pfaff & Co. ein erst spät gesichertes 1:1. Das reichte jedoch zum zweiten Gruppensieg vor Argentinien.

England und Frankreich gingen erwartungsgemäß aus der Gruppe 4 als Sieger hervor. Eine Vorentscheidung um den Gruppensieg fiel schon im ersten Spiel zwischen den beiden Favoriten (3:1 für England). Die CSSR hätte vielleicht noch eingreifen können, doch schon das 1:1 gegen die Wüstensöhne aus Kuwait, dem krassen Außenseiter dieser WM, war eine Riesenenttäuschung. Doch auch Frankreich (4:1) und England (1:0) hatten ihre Probleme mit den Kuwaitis. Frankreich reichte ein Remis (1:1) gegen die Tschechen, während die Engländer (2:0) unbedingt den Gruppensieg wollten ­ und bekamen.

Veranstalter Spanien erreichte die nächste Runde nur mit Ach und Krach. Schon das 1:1 im ersten Spiel der Gruppe 5 gegen Honduras zeigte den Fans, dass mit dieser Truppe jegliche Titelhoffnung im eigenen Land absurd war. Zum Glück schafften die Spanier danach ein 2:1 gegen Jugoslawien (zuvor 0:0 gegen Nordirland). So erreichten sie trotz des 0:1 gegen Nordirland als Gruppenzweiter die Folgerunde. Nordirland, dessen Qualifikation schon eine Überraschung war, wurden Erster. Einzig den letzten Platz, den Honduras in der Gruppe belegte, hatten viele vorausgesagt. Doch sogar die Mittelamerikaner wären fast weitergekommen, ein äußerst umstrittener Foulelfmeter gegen Jugoslawien in der 89. Minute und weitere Schiedsrichter-Entscheidungen fielen jedoch nicht zu ihren Gunsten aus. Neben der Deutschland-Österreich-Schande ein weiterer Skandal der WM. Doch Spanien musste scheinbar weiterkommen…

Brasilien ließ bei seinen drei Siegen in Gruppe 6 kaum etwas anbrennen. Gegen die UdSSR (2:1) im ersten Spiel fiel das Siegtor zwar erst eine Minute vor dem Abpfiff, doch Schottland (4:1) und Neuseeland (4:0) konnten Zico & Co. schon gar nicht stoppen. Die Entscheidung um den zweiten Platz musste per Torverhältnis entschieden werden, denn Russen und Schotten trennten sich 2:2. Somit schlug die knappere Niederlage der Russen gegen die Brasilianer durch und die Männer um Stürmerstar Oleg Blochin waren weiter, während Kenny Dalglish & Co. abreisen durften.

Zweite Finalrunde
Drei Tore von Boniek für Polen gegen Belgien (3:0) entschieden die Gruppe A, da das 1:0 der UdSSR gegen die Flamen und Wallonen nicht reichte, um die Polen vom Einzug unter die letzten Vier zurückzuhalten.

Deutschland und England trennten sich im ersten Spiel der Gruppe B torlos. Einen Sieg hatte auch keines der Teams verdient. Gegen Veranstalter Spanien bedurfte es auch keiner großen Leistung, um mit 2:1 zu gewinnen. Wenigstens trafen mit Fischer und Littbarski endlich wieder einmal zwei Angreifer der Deutschen. Trostlos war auch das 0:0 zwischen Spanien und England. Aber Deutschland war dadurch immerhin unter den letzten Vier.

Die ‚Hammer’-Gruppe C sah die besten Spiele der Finalrunde Zwei. Vor allem Italien wurde plötzlich munter. Schon der 2:1-Erfolg gegen Argentinen war überzeugend herausgespielt. Höhepunkt war allerdings der 3:2-Sieg gegen die Brasilianer, die mit ihrer offensiven Spielweise gegen Italien an den Falschen (nämlich Paolo Rossi) gerieten. Der geniale Konterstürmer machte drei Tore und Brasilien nur zwei. Gegen Argentinien hatten Falcao, Socrates und Kollegen noch mit Hurra! 3:1 gewonnen, doch gegen die Italiener war die Abwehr vom Zuckerhut einfach zu offen.

Frankreich konnte in der Gruppe D hauptsächlich aufgrund der famosen Leistung gegen Nordirland (4:1) den Gruppensieg sichern. Das 1:0 gegen Österreich zuvor war knapp, aber ohne Platini erzielt. Gegen die Überraschungsmannschaft aus Belfast und Umzu war der französische Spielmacher jedoch wieder dabei. Die jeweils zwei Tore erzielten jedoch Giresse und Rocheteau. Platini führte ‚nur’ genial die Regie.

Das Halbfinale
In Barcelona herrschten beim ersten Halbfinalspiel zwischen Italien und Polen die für die Azzuri wohl bekannten hohen Temperaturen. Das frühe 1:0 durch Torjäger Rossi, der sich gegen seinen überforderten Gegenspieler Janas durchgesetzt hatte, brachte die nötige Ruhe ins Spiel des Favoriten, der danach verstärktes Augenmerk auf die Abwehr legte, womit die ohne Boniek (Gelb-Sperre) angetretenen Polen mit ihrem geschwächten Angriff ihre Mühe und Not hatten. Da Antognoni bereits nach einer knappen halben Stunde verletzt passen musste, fehlte den Italienern, die auch Gentile (Gelb-Sperre) nicht einsetzen konnten, eine weitere wichtige Kreativkraft. Nachdem sich wieder Rossi durchgesetzt hatte und einen der wenigen zwingenden Angriffe zum 2:0 verwandelte, gelang es den Polen in der Gluthitze nicht mehr, einen effektiven Schlussspurt anzusetzen. Im defensiven Schongang konnten die Azzuri somit wichtige Kräfte für das Endspiel aufsparen.

In der zweiten Halbfinal-Partie trafen Deutschland und Frankreich in Sevilla aufeinander. Die Derwall-Elf hatte den besseren Start und Littbarski sorgte nach einer Abwehr von Torhüter Etori für das 1:0. Doch die Franzosen hielten dagegen und als Bernd Förster Rocheteau im Strafraum zu Fall brachte, gelang es Platini den fälligen Elfer sicher zu verwandeln. Bei den Deutschen lief danach kaum noch etwas zusammen. Viele Fehlpässe und Zweikampfverluste brachten die Franzosen immer wieder in aussichtsreiche Positionen, im Abschluss offenbarten Platini & Co. jedoch Schwächen. Nach einem üblen Foul von Schumacher, der im Herauslaufen den zehn Minuten vorher eingewechselten Battiston schwer foulte (eine Gehirnerschütterung und der Verlust von vier Zähnen waren die Folge), hatten die wenig überzeugenden Deutschen auch noch die Zuschauer gegen sich. Ein offener Schlagabtausch vor dem Ende der regulären Spielzeit brachte keinen Torerfolg mehr. Tresor (92.) und Giresse (98.) sorgten zu Beginn der Verlängerung für das 3:1 und die Entscheidung schien gefallen. Doch Derwall wechselte seinen noch nicht vollständig wiedergenesenen Torjäger Karl-Heinz Rummenigge ein und landete einen Volltreffer. Der Bayern-Stürmer schoss selbst das 2:3 (102.) und Klaus Fischer gelang mit einem Fallrückzieher der Ausgleich. Das Elfmeterschießen musste entscheiden. Giresse, Amoros und Rocheteau trafen für die Franzosen, während Kaltz und Breitner für die Deutschen erfolgreich waren. Stielikes Elfer landete jedoch in den Armen von Ettori. Es war Torhüter Schumacher, zuvor gnadenlos ausgepfiffen, der die Nerven behielt und den nächsten Elfer von Six hielt. Dann trafen hintereinander Littbarski, Platini und Rummenigge. Nachdem auch Bossis an Schumacher scheiterte und Hrubesch das 15. Tor des Spieles gelang, war der Fußball-Krimi beendet und die Deutschen im Finale.

Das Finale
Zwischen Polen und Frankreich kam es zu einem unterhaltsamen Spiel um den dritten Platz. Die Franzosen gingen in Führung, doch insgesamt drei Tore kurz vor und nach der Pause brachten die eiskalt konternden Polen 3:1 in Front. Couriol konnte nur noch das 2:3 im Tor der Osteuropäer unterbringen, die sich nach 1974 zum zweiten Mal den dritten Platz bei einer WM sichern konnten.

Temporeich begannen die Deutschen das Endspiel gegen die Italiener. Nach der ersten Drangphase nahmen die technisch überlegenen Azzuri den deutschen Druck jedoch durch sicheres Ballhalten aus dem Spiel. Einzig ein Elfmeter sorgte vor der Pause für einen Höhepunkt, den Cabrini am Tor vorbeischoss. Nach dem Seitenwechsel drehten die Italiener gegen das müder werdende deutsche Team auf und kamen durch Rossi (56.), Tardelli (68.) und Altobelli (80.) zum verdienten 3:0-Vorsprung. Breitners Dehschuss (82.) brachte nur noch eine Ergebniskorrektur für die im zweiten Durchgang hoffnungslos unterlegenen Derwall-Kicker. Mit Italien, das sich im Turnierverlauf gewaltig zu steigern wusste, wurde das beste Team des Turniers Weltmeister.

Mittelprächtiges Spielniveau
Eine spielerisch größtenteils enttäuschende WM brachte zwar den Deutschen die Vize-Weltmeisterschaft, doch überzeugen konnten Rummenigge & Co. nur selten. Die wesentlich stärkeren Brasilianer, Argentinier und Polen kamen unserem Team auf den Weg ins Finale glücklicherweise nicht in die Quere und auch die Franzosen gaben erst im nervenaufreibenden Elfmeterschießen den Sieg aus der Hand. Weiterhin ließen die Schiedsrichterleistungen vielfach zu wünschen übrig. Da eine ganze Reihe der Spiele nicht ausverkauft waren (z. B. das Eröffnungsspiel) dachten die Offiziellen schon kurz nach dem WM daran, das Turniersystem wieder zu ändern ­ und hielten Wort.

Das Finale der Weltmeisterschaft 1982

Datum Heim Gast Ergebnis
So 11.07. 20:00 Italien - Deutschland 3:1 (0:0) Info
Santiago Bernabeu (Madrid)
90.000 Zuschauer
Schiri: Coelho (Brasilien)
Rossi (56.) 1:0
Tardelli (68.) 2:0
Altobelli (80.) 3:0
3:1



Breitner (82.)