Spielbericht Italien - Kroatien

Italien als Opfer der eigenen, destruktiven Taktik

Machte mit dem 2:1 die Überraschung perfekt: Milan RapaicMachte mit dem 2:1 die Überraschung perfekt: Milan Rapaic

In dem Wissen, dass die Kroaten nach ihrer Auftaktniederlage gegen Mexiko unbedingt punkten mussten, verhielten sich die favorisierten Italiener in der Anfangsphase äußerst zurückhaltend und ließen den Gegner kommen. Da die Männer vom Balkan den cleveren Azzuri jedoch nicht ins Konter-Messer laufen wollten, stürmten auch diese nur in kontrollierter Form. Echte Torchancen hatten somit anfangs Seltenheitswert. Fernschüsse (Zambrotta, Vugrinec und Soldo) waren bis zur 27. Minute die einzigen Highlights dieser bis dahin spannungsarmen Begegnung. Zu diesem Zeitpunkt prüfte also Vugrinec Keeper Buffon erstmals ernsthaft und Materazzi musste den Abpraller von der Linie kratzen. Auch in der Restzeit der ersten Hälfte behielten die Kroaten die Oberhand und Buffon rettete vor der Pause noch zweimal vor Rapaic. Italien spielte viel zu destruktiv.

Etwas bemühter kamen die Italiener aus der Kabine. Das Resultat war immerhin ein Tor ohne Anerkennung in der 51. Minute. Doni hatte auf Vieri zurückgelegt und dieser eingeschoben, aber der Schiri-Assistent hatte ein Abseits gesehen - eindeutige Fehlentscheidung. Zwei Minuten später aber machten dieselben Akteure das 1:0. Doni-Flanke von rechts und Vieri stieg am höchsten, köpfte im Bogen unhaltbar ins lange Eck. Wie erwartet, zogen sich die Italiener nach der Führung sofort wieder in die Defensive zurück. Und Kroatien griff an. Erst taten sie sich noch schwer, hatten sogar noch etwas Glück, als Vieri bei einem Konter verzog, aber in der 72. Minute war es dann soweit. Jarni flankte von der linken Seite in den Fünfmeterraum an vier italienischen Abwehrspielern und Keeper Buffon vorbei und Olic spitzelte das Leder zum überraschenden 1:1 ins Netz. Und die Kroaten setzten nach. Rapaic kam halbrechts an der Strafraumgrenze zum Schuss, Cannavaro blockte ab, Niko Kovac köpfte auf Rapaic zurück, der den Ball per Seitfallzieher und leichter Bogenlampe im langen Eck unterbrachte: 2:1 für den Außenseiter. Umständlich versuchten die Italiener nun die Aufholjagd. Erst ein Totti-Freistoß an den Innenpfosten (88.) brachte echte Gefahr. Auch ein Panucci-Kopfball nach einer Doni-Ecke sauste nur knapp über das Tor. Als dann ein weiteres Tor für die Italiener kurz vor dem Abpfiff aberkannt wurde, waren Maldini & Co. vollends sauer. Aber Inzaghi hatte Simic zuvor am Trikot gezogen. Die Überraschung war perfekt.