Spielbericht Portugal - Niederlande

Ein überhartes Stück Arbeit

Nur er kam an van der Sar vorbei: ManicheNur er kam an van der Sar vorbei: Maniche

Zwei der technisch beschlagensten Mannschaften in Europa lieferten sich einen erbitterten Fight. Unentschieden stand es nach 90 Minuten nur nach Platzverweisen (jeweils zwei). Das einzige Tor erzielte Maniche für Portugal, das am Ende das etwas glücklichere Team waren.

Die Ungereimtheiten zwischen van Nistelrooy und seinem Trainer Marco van Basten fanden Ausdruck in einer überraschenden Aufstellung der Oranjes, die Kuyt im Sturmzentrum aufboten. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb setzten die in ungewohnten weißen Hemden und blauen Hosen angetretenen Niederländer mit einem Distanzschuss van Bommels und dessen anschließender Gelben Karte gleich die ersten Zeichen (2.). Weitere Versuche aus der Ferne von Robben (knapp drüber, 3.) und van Bronckhorst (in die Arme von Ricardo, 5.) bildeten den Abschluss einer schwungvollen Anfangsphase der Holländer, die aber teilweise überhart zur Sache gingen. Boulahrouz holte sich mit einem rüden Einsteigen gegen Ronaldo die zweite Verwarnung für die Niederländer ab (8.). Die Stollen des HSV-Verteidigers hinterließen einen derart nachhaltigen Eindruck im Oberschenkel des jungen ManU-Stars, dass die Auswechslung nur noch eine Frage der Zeit war und in der 33. Minute auch folgte. Bis zu diesem Punkt hatten die Portugiesen das Blatt zu ihren Gunsten gewendet. Die beste Chance blieb allerdings lange ein Stockfehler von van der Sar im holländischen Kasten (13.). Der bislang stärkste Spielzug der gesamten Partie führte dann zum 1:0 für die Südeuropäer. Von der rechten Seite kam der Ball in die Zentrale zu Maniche, der mit einer Körpertäuschung noch einen Gegner ins Leere fliegen ließ und von der Strafraumkante wuchtig abschloss (23.). Maniche hatte etwas später sogar seinen Doppelpack auf dem Fuß, zielte aber um einige Zentimeter zu hoch (27.). Die Holländer fanden nach dem Rückstand nur langsam wieder zu gelungenen Kombinationen zurück, die jedoch in der Regel am portugiesischen Sechzehner ihr Ende fanden. Ausnahme war ein Solo van Persies, der im Abschluss die lange Ecke nur haarscharf verfehlte (37.). In einem bisweilen überhart geführten Spiel bewarb sich Portugals Costinha vehement um eine Ampelkarte, die er nach zwei gelbwürdigen Fouls schließlich für ein absichtliches Handspiel erhielt (45.). Kurz zuvor verpasste Pauleta aus fünf Metern einen möglicherweise vorentscheidenden Treffer, den van der Sar mit einer Fußabwehr verhinderte. Statt eines beruhigenden Zwei-Tore-Vorsprungs nahm das Team von Scolari eine Unterzahl mit in die Kabine.

Die Hereinnahme von Petit für Pauleta ließ sofort eine deutlich defensivere Ausrichtung bei den Portugiesen erkennen (46.). Die Niederländer nutzten den ihnen überlassen Spielraum zu Möglichkeiten für Kuyt, Cocu und van Bommel, deren Erfolgen der Keeper und das Torgestänge im Weg standen. Auf der anderen Seite durfte sich van der Sar bei einem Konter gegen Miguel auszeichnen. Die Begegnung fand nun auf höchstem Niveau statt, da bei eigenem Ballbesitz konsequent der Weg nach vorne gesucht wurde. Darüber hinaus boten die Abwehrreihen durchaus das Potenzial für mehr Tore. Wären da nicht die Schlussleute Ricardo und van der Sar gewesen, es hätte schon längst deutlich höher gestanden. In einer giftiger werdenden Auseinandersetzung stellte dann Boulahrouz den vorübergehenden Gleichstand bei den Gelb-Roten Karten her, als er ein weiteres Mal kräftig hinlangte (63.). Die anschließende Rudelbildung hätte durchaus Anlass für weitere Feldverweise geboten, war aber letztlich nur der Ausgangspunkt für ein verflachendes Niveau. Zwei technisch begabte Mannschaften bekämpften sich mit großer Härte, was die Diskussionen auf dem Platz anheizte, das Tempo jedoch völlig nahm. Die seltenen Dribblings der niederländischen Außenstürmer fanden weiterhin keinen Abnehmer in der Mitte. Doch im Mittelpunkt stand eine Kartenflut des unsicher wirkenden Schiedsrichters Ivanow, die in einem neuerlichen Platzverweis gipfelte - diesmal traf es Deco (78.). Die erneute Überzahl nutzten die Oranjes zur Belagerung des Strafraums der Portugiesen, die nur noch auf Konter lauerten. Die nächste Großchance hatte Kuyt auf dem Fuß, der nach einem Steilpass am herausstürzenden Ricardo scheiterte (80.). Für die Südeuropäer war das Spiel nun zu einer reinen Abwehrschlacht geworden. Doch außer bei einem Drehschuss von Kuyt (88.) lebten die letzten Minuten vor allem von der Spannung. Lediglich der Ausgleich nach Gelb-Roten Karten folgte noch (van Bronckhorst, 94.). Nach einer sechsminütigen Nachspielzeit war das unglückliche Ausscheiden der Niederlande schließlich beschlossene Sache.

Kai Endres

Die Spielstatistik Portugal - Niederlande

Portugal

-

Niederlande

1:0 (1:0)

WM 2006, Achtelfinale
25.06.2006, 21:00 Uhr
FIFA-WM-Stadion Nürnberg, 41.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Nikolai Ivanov (Russland)
Tore
1:0 Maniche 23. (Rechtsschuss, Pauleta)
Aufstellung Portugal
Ricardo (2,5)
Miguel (2,0)
Fernando Meira (3,5)
Ricardo Carvalho (3,5)
Nuno Jorge Valente (4,0)
Maniche (2,0)
Costinha (5,5)
Figo (2,5)
Deco (3,5)
Cristiano Ronaldo (3,0)
Pedro Pauleta (3,5)
Wechsel Portugal
Simao
für Cristiano Ronaldo
(3,5)
(34.)
Petit
für Pedro Pauleta
(3,5)
(46.)
Tiago
für Figo
(―)
(84.)
Karten Portugal
Gelb für Maniche
Gelb-Rot für Costinha (45.)
Gelb für Petit
Gelb für Figo
Gelb-Rot für Deco (78.)
Gelb für Ricardo
Gelb für Nuno Jorge Valente
Karten Niederlande
Gelb für Mark van Bommel
Gelb-Rot für Khalid Boulahrouz (63.)
Gelb-Rot für Giovanni van Bronckhorst (90.)
Gelb für Wesley Sneijder
Gelb für Rafael van der Vaart