Spielbericht Deutschland - Polen

Starke DFB-Elf mit spätem Siegtreffer

Fütterte die Stürmer immer wieder mit hervorragenden Flanken: Philipp LahmFütterte die Stürmer immer wieder mit hervorragenden Flanken: Philipp Lahm

Enorm viel Dramatik schon in der Gruppenphase - die deutsche Elf rang eine stark verbesserte polnische Mannschaft in der letzten Minute nieder und kam dem Achtelfinale damit schon sehr nahe. Deutschland überzeugte in der Abwehr, erspielte ein Dutzend bester Tormöglichkeiten und ließ nur in deren Verwertung zu wünschen übrig.

Das mediale Getöse um die polnischen Wurzeln der DFB-Stürmer Klose und Podolski, sowie der WM-Eintritt von Kapitän Michael Ballack waren vergessen, als der Anpfiff ertönte. Begleitet vom lautstarken Dortmunder Publikum ging es gleich rustikal zu Werke. Es sollte allerdings zehn Minuten dauern, bis die deutsche Elf eine erste gute Strafraumszene erspielte. Ballack hatte das Leder über links zu Klose in den Sechzehner geschoben, dessen Linksschuss aber von Boruc pariert wurde. Das polnische Team agierte um Klassen besser, als während seiner schlaffen Auftaktpartie gegen Ecuador und erkämpfte sich eine leichte Feldüberlegenheit. Eine hervorragende Torgelegenheit war jedoch seitens der DFB-Auswahl zu verzeichnen. Lahm, selbstverständlich über die linke Seite kommend, legte eine butterweiche Flanke ins Zentrum, wo Klose lauerte. Sein Kopfball strich etwa 30 Zentimeter am rechten Pfosten vorbei (16.). Auch die engagierten Polen kamen zu Chancen. Gut für die deutsche Elf, dass Metzelder einen Schuss des sehr agilen Jelen im Strafraum noch abblocken konnte (22.) und Lehmann bei einem schnellen Gegenstoß der Polen über rechts den allerdings nur mäßig scharfen Schuss Jelens sicher fangen konnte. Und in der 43. Minute war es der andere deutsche Innenverteidiger, Per Mertesacker, der Smolarek im Strafraum den Ball vom Fuß spitzelte. Doch die Torchancen der Deutschen waren weitaus klarer. Podolski, vom kaum zu bremsenden Lahm in Szene gesetzt, scheiterte mit einem Drehschuss zunächst an Boruc (35.). In der Nachspielzeit aber scheiterte er an seinen Nerven. Von Lahm (logisch) exquisit eingesetzt, platzierte er das Leder aus kurzer Distanz an Boruc und dem langen Pfosten vorbei. Auch Schweinsteiger hatte ein Tor auf dem Fuß, geriet jedoch an der Strafraumkante in Rücklage und verzog deshalb (41.).

Im zweiten Abschnitt nahm die DFB-Elf das Spiel sofort in die Hand, wollte die Überlegenheit endlich ummünzen. Die erste klare Torgelegenheit hatte jedoch Polen: Jelen zog die Pille aus zentraler Position von der Strafraumkante allerdings genau auf Lehmann (57.). Riesenglück für Polen in der 65. Minute. Im Anschluss an einen Freistoß erwischte Klose den Abpraller, ballerte jedoch zu zentral auf den Kasten, so dass Boruc noch die Fäuste dran bekam. Stärkung der Offensive kennzeichneten Klinsmanns Wechseltaktik: Odonkor kam für Friedrich (64.), kurz darauf ersetzte Neuville den glücklosen Podolski. Und Deutschland blieb dominant. Ein einziger, allerdings gefährlicher, Konter der Polen über Smolarek wurde durch Mertesacker unterbunden (74.). Ein dummes Foul von Sobolewski an Klose brachte dem polnischen Mittelfeldspieler die Gelb-Rote Karte und seine Elf in noch größere Nöte. Denn nun produzierten die Angriffe der Deutschen über den schwächer werdenden Gegner Chancen fast im Minutentakt. Schlussmann Artur Boruc erwuchs zum überragenden Spieler seines Teams, als er grandiose Möglichkeiten von Lahm und Neuville vereitelte (80.). Der Kasten schien für die enorm drückenden Deutschen endgültig vernagelt, als in der 90. Minute nacheinander Klose und Ballack nur die Latte trafen. Zwei Einwechselspieler sollten jedoch in der Nachspielzeit den Bock doch noch umstoßen. Odonkor entwischte seinen Gegenspielern, passte von rechts scharf in die Mitte - und Neuville überwand aus kurzer Distanz den hervorragenden Schlussmann der Polen zum hoch verdienten 1:0.

André Schulin

Die Spielstatistik Deutschland - Polen

Deutschland

-

Polen

1:0 (0:0)

WM 2006, Vorrunde Gruppe A
14.06.2006, 21:00 Uhr
FIFA-WM-Stadion Dortmund, 65.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Luis Medina Cantalejo (Spanien)
Tore
1:0 Oliver Neuville 90. (Rechtsschuss, Odonkor)
Wechsel Polen
Mariusz Lewandowski
für Jacek Krzynowek
(―)
(77.)
Dariusz Dudka
für Michal Zewlakow
(―)
(83.)
Pawel Brozek
für Ireneusz Jelen
(―)
(90.)
Karten Deutschland
Gelb für Michael Ballack
Gelb für David Odonkor
Gelb für Christoph Metzelder
Karten Polen
Gelb für Jacek Krzynowek
Gelb für Artur Boruc
Gelb-Rot für Radoslaw Sobolewski (75.)