Spielbericht Tschechien - Italien

Tschechien ohne Sturm chancenlos

Hatte das Er-kam-sah-und-siegte-Erlebnis: Marco MaterazziHatte das Er-kam-sah-und-siegte-Erlebnis: Marco Materazzi

Mit nur einer Spitze (Milan Baros), die zudem unter normalen Umständen nicht aufgelaufen wäre, waren die Brückner-Mannen gegen gewohnt clever agierende Italiener nicht fähig, diese in Gefahr zu bringen. Außer Nedved, der sich ein Privatduell mit seinem Mannschaftskameraden von Juventus Turin, Gianluigi Buffon, lieferte, strahlte kein Tscheche Torgefahr aus. Das konnte nicht gut gehen.

An den ersten drei Aktionen, die für Aufsehen sorgten, war Pavel Nedved extrem beteiligt. In der 9. Minute servierte er Baros die Kugel, dem sprang sie jedoch etwas zu weit vom Fuß und Buffon klärte. Sein 25-Meter-Schuss, drei Minuten später, wurde ebenfalls von Buffon gemeistert. Auch den dritten Test von Nedved, diesmal aus 18 Metern, bestand dessen Mannschaftskamerad im Tor der Azzurri mit einer Glanzparade (16.). Eine Minute später musste Italiens Abwehrchef Nesta verletzt ausgewechselt werden, was den Tabellenführer der Gruppe E natürlich besonders schmerzte. Innerhalb der folgenden zehn Minuten aber rafften sich die Italiener ebenfalls zu ansehbaren Offensivaktionen auf und gingen durch einen Kopfball des für Nesta eingewechselten Materazzi nach einer Totti-Ecke überraschend in Front (26.). Die Tschechen rappelten sich nach diesem Schock nur langsam wieder auf, denn die Lippi-Elf richtete sich nun mit zurückgezogenem Mittelfeld tief stehend ein und ließ ihren Gegner, der handballmäßig um den 16er herum kombinierte, verzweifelt nach einer Lücke suchen. Diese Konstellation tat dem Spiel in der zweiten Hälfte des ersten Durchgangs gar nicht gut. Strafraumszenen blieben rar und viele Fouls im Mittelfeld unterbrachen den Spielfluss regelmäßig. Dabei war besonders das zweite Foul von Polak völlig unnötig und er sah Gelb-Rot, durfte somit etwas früher als der Rest der Akteure in die Kabine.

Elf Italiener kamen gegen zehn Tschechen besser aus der Halbzeit. Gefährlich wurde das vollzählige Team erstmals in der 52., als Totti Cech zu einer feinen Parade zwang. Im Gegenzug war Nedved plötzlich durch, scheiterte aber zum x-ten Mal am glänzend reagierenden Buffon. Cannavaro blieb es auf der Gegenseite vorbehalten, erneut das Tor anzuvisieren, aber auch knapp zu verfehlen (55.). Aber auch die Tschechen mischten weiter mit, wobei ein Baros-Kopfstoß einige Meter über den Balken flog (62.). Zwei Minuten später hatte Camoranesi die Vorentscheidung auf der Stirn, doch er traf das Spielgerät nicht richtig und es kullerte einige Meter neben dem Kasten ins Toraus. Italien gelang es auch danach immer wieder, die ausgedünnte Abwehrreihe der Brückner-Truppe zu überraschen (Totti, Inzaghi), doch zunächst war es wieder das Privatduell Nedved-Buffon, das Aufmerksamkeit verlangte. Sieger, wie auch zuvor: Buffon (71.). Weiterhin mussten die Tschechen zwei Tore nachlegen, denn Ghana lag zeitgleich gegen die USA auch nach 80 Spielminuten in Führung. In der 83sten hätte Inzaghi allein vor Cech alles klar machen können, doch sein Kopfball ging deutlich am rechten Pfosten vorbei. Zwei Minuten später machte es der Torjäger jedoch besser. Kurz hinter der Mittellinie angespielt, hatte er freie Bahn, umspielte Cech und lochte zum entscheidenden Treffer ein. Tschechien hatte mit einem angeschlagenen Baros im Sturm und nach dem frühen Treffer von Materazzi nicht die Mittel, den Italienern, die erneut keine sonderlich große Leistung benötigten, um die Zähler einzusacken, den Weg ins Achtelfinale zu versperren.

Ulrich Merk

Die Spielstatistik Tschechien - Italien

Tschechien

-

Italien

0:2 (0:1)

WM 2006, Vorrunde Gruppe E
22.06.2006, 16:00 Uhr
FIFA-WM-Stadion Hamburg, 50.000 Zuschauer
Schiedsrichter: Benito Archundia (Mexiko)
Tore
0:1 Marco Materazzi 26. (Kopfball, Totti)
0:2 Filippo Inzaghi 87. (Linksschuss, Perrotta)
Wechsel Tschechien
Jirí Stajner
für Karel Poborský
(5,0)
(46.)
David Jarolim
für Milan Baros
(4,0)
(64.)
Marek Heinz
für Radoslav Kovac
(―)
(78.)
Wechsel Italien
Marco Materazzi
für Alessandro Nesta
(2,0)
(17.)
Filippo Inzaghi
für Alberto Gilardino
(3,0)
(61.)
Simone Barone
für Mauro Camoranesi
(―)
(74.)
Karten Tschechien
Gelb-Rot für Jan Polak (45.)
Karten Italien
Gelb für Gennaro Gattuso