Champions League 2008/2009 - Gruppenphase - Mi., 22.10.2008 - 20:45 Uhr
2:2
HZ - 1 : 1

Mit Hängen und Würgen

Eine gute Idee:
<br>Sebastian Boenisch

Eine gute Idee:
Sebastian Boenisch

Eine gute Idee:
Sebastian Boenisch

Noch bis kurz vor Schluss zeigte Werder einen typischen Auftritt, spielte unbelehrbar passiv und schien sich von mittelstarken Griechen in eine überflüssige Pleite treiben zu lassen. Ein gelungener Wechsel aber brachte schließlich Rettung. Bremen glich aus und quälte sich im dritten Spiel so zum dritten Remis, was die Chancen in der Gruppe eher verbesserte.

Während die Schaaf-Elf vor allem nicht verlieren wollte, ging es für Panathinaikos nach zwei Startniederlagen schon beinahe um alles. Entsprechend unfreundlich wurden die Gäste empfangen. Knapp drei Minuten waren vorbei, als ein Karagounis-Freistoß haarscharf am Tor von Christian Vander vorbeistrich. Der Ersatz des verletzten Wiese hatte nicht nur eine umgekrempelte Abwehr vor sich, sondern schlug sich auch mit den griechischen Fans herum, die ihn so lange mit einem Lasergerät nervten, bis Schiedsrichter Riley sich dies offiziell verbat. Das Spiel lief derweil komplett an den Hanseaten vorbei. Wie so oft auf fremden Champions-League-Plätzen liefen die Bremer mit Bleiwesten auf und fanden überhaupt kein Mittel, sich des erwartbaren Drucks zu erwehren. Die Folge: weitere Chancen durch Salpingidis (11.) und immer wieder Karagounis (17./19./26.), dem Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Griechen, der oft weit vor dem Tor auf den Feuerknopf drückte. Als sich Mitte des Durchgangs auch noch Pizarro verletzte, sank Werders Stern nur noch tiefer. Umso verblüffender stand es plötzlich 0:1, als ein Özil-Freistoß zu Mertesacker kam und dieser aus kurzer Distanz das Leder einschob. Der Treffer zählte, obwohl der Schütze den Ball mit der Hand berührt hatte. Allerdings nutzte Grün-Weiß seinen Vorteil nicht aus, sondern kassierte gleich sieben Minuten später das 1:1, indem der indisponierte Pasanen seinen Gegenspieler Gabriel nicht am Flanken hinderte und der Ex-Frankfurter Mantzios, weder von Naldo noch von Mertesacker gestört, einen scheinbar harmlosen Ball per Bogenlampe ins Tor bugsieren konnte (36.). Vor allem für den zweiten Durchgang verhieß der neue Spielstand nichts Gutes.

Dabei verkauften die Hanseaten sich zunächst noch recht teuer. Werder verengte die Räume und hielt sich die Griechen erfolgreich vom Leib, kam durch Almeida sogar zu einem Abschluss (49.). Auch als Athen bald überhaupt nichts mehr einfiel, zeigte sich jedoch das wohl größte Bremer Manko, nämlich die akute Unlust, das Spiel zu gewinnen. Nicht Frings, nicht Özil und am wenigsten der völlig blasse Diego nahmen das Heft jemals so in die Hand, wie es der bezwingbare Gegner eigentlich erfordert hätte. Die Strafe ließ nicht lang auf sich warten. Ein Alibi fand Werder dabei im schwachen Schiedsrichter Riley, der beliebig Gelbe Karten verteilte, ohne Grund insgesamt neun Minuten nachspielen ließ und auch sonst merkwürdige Entscheidungen traf. Eine Ecke, die Athen gar nicht zustand, ertrugen die Gäste nun im Zorn und verloren dabei die Konzentration: Einen ersten, messerscharfen Kopfball kratzte Özil noch artistisch heraus. Wieder vergaß Pasanen dann aber den sonst torungefährlichen Mantzios, dessen zweite Bogenlampe zum zweiten Mal unhaltbar ins Netz fiel (68.). Der Bremer Auftritt kam inzwischen bekannt vor – aus Piräus, aus Rom und nicht zuletzt auch aus Athen, wo Grün-Weiß sich immer wieder ohne Not hatte schlagen lassen. Dass Werder diesmal davonkam, verdankte es wohl nur Thomas Schaaf. Noch um Zentimeter hatte Salpangidis mit einem Lattenschuss soeben das 3:1 verpasst, als der Übungsleiter nicht mit Sanogo einen Stürmer, sondern interessanterweise Sebastian Boenisch eintauschte (80.). Und dieser dankte es ihm prompt, schlug im letzten vernünftigen Angriff eine so butterweiche wie punktgenaue Flanke, dass Almeida sie mühelos einköpfen konnte (83.). Nach hektischen Schlussminuten blieb es letztlich beim glücklichen 2:2, das Werder weniger im Kampf als im Krampf errang und das vor allem dazu diente, größeren Schaden zu verhindern. Der eigentliche Wert zeigte nun im direkt folgenden Rückspiel.

Maik Großmann

Wenn Regisseure anfangen, Gesichter zu zeigen, heißt das: Auf dem Spielfeld ist wenig los.

— Steffen Simon