1. Bundesliga

Zwischenbilanz: Wie der Videoschiedsrichter das Fußballspiel verändert

16:39 Uhr | 11.01.2019

Seit der Bundesligasaison 2017/2018 kommt in Deutschland der Videoschiedsrichter zum Einsatz kommt. Damit achtet nicht mehr nur das Schiedsrichter-Team auf dem Spielfeld auf die Einhaltung der Regeln, sondern auch ein Videoschiedsrichter aus dem Video-Assist-Center (VAC) in Köln. Der DFB ist damit in einer Pionierrolle. Er nahm als einer der ersten Fußballverbände überhaupt die Herausforderung für mehr Gerechtigkeit im Fußball an und installierte den Posten des VARs (Video Assistent Referee) für die Bundesliga.

Laut Regelwerk darf der Videoschiedsrichter nur Einfluss auf das Spiel nehmen, wenn es eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters auf dem Feld gab. Das sind:

  • Situationen, die über Elfmeter entscheiden
  • Foulspiel, Abseits oder ähnliche Widrigkeiten, die unmittelbar mit dem Erzielen eines Tores im Zusammenhang stehen
  • Entscheidungen über Rote Karten
  • Die Verwechslung eines Spielers, wenn eine Verwarnung oder Rote Karte gezeigt wird
In der ersten Testphase 2016 hatte der VAR 33 von 44 Fehlentscheidungen und damit 75 Prozent der Entscheidungen korrigiert.

Im Verlauf der ersten vollständigen Spielzeit mit Videoschiedsrichter in der Saison 2017/2018 wurde das Eingreifen des VARs jedoch nicht von jedem als klare Verbesserung wahrgenommen. Auf den Tribünen gibt es seitdem wütende „Ihr macht unseren Sport kaputt“-Gesänge in Richtung des DFBs.

Nach der Hinrunde 2017/2018 erfolgte eine Anpassung der Regeln für den Videoschiedsrichter. Seitdem greift er nur noch halb so oft ein. Am deutlichsten tritt der Videobeweis bei Elfmetern in Erscheinung: 26 wurden durch den VAR gegeben, 13 wiederum aberkannt.

Wenn man alle Entscheidungen des Videoschiedsrichters aus der Tabelle der letzten Saison rausrechnen würde, hätte beispielsweise Borussia Dortmund mit acht Punkten weniger die Champions League-Plätze verpasst und Bayer Leverkusen wäre stattdessen durch acht zusätzliche Punkte in der Königsklasse vertreten. Obwohl das ein reines Gedankenexperiment bleibt, zeigt es wie stark die Videoschiedsrichters Einfluss auf Ergebnisse und somit die Tabelle haben.

In der laufenden Saison 2018/2019 kam es schon zu einigen kuriosen VAR-Momenten. Eine Infografik findet ihr dazu auch auf Betway. Direkt zum Saisonstart sorgten Videoschiedsrichter-Entscheidungen für große Aufregung. Allein am ersten Spieltag gab es gleich zehn Situationen, bei denen sich der Schiedsrichter noch einmal auf dem Monitor vergewissern wollte, ob alles den Regeln entsprach. In der aktuellen Saison kam es auch zur bislang längsten Unterbrechung durch den VAR (4:50 Minuten am 8.Spieltag). Nur einen Spieltag später gab es dann mit 6 VAR Korrekturen mehr als jemals zuvor an einem Spieltag.

In der Partie VfL Wolfsburg gegen den FC Schalke 04 schaltete sich der Videoschiedsrichter Wolfgang Stark gleich zweimal bei Entscheidungen ein, die nicht zwingend Fehlentscheidungen des Schiedsrichters auf dem Feld waren. Eine Gelbe Karte wurde zur Roten und auf der anderen Seite eine Rote zur Gelben. Nach dem Spiel wurde Stark, der mit 41 Einsätzen bisher die meisten Einsätze aller Videoschiedsrichter in Deutschland bis auf Weiteres von seiner Tätigkeit als VAR freigestellt. Damit zeigt sich, trotz der Erfahrung einer ganzen Saison mit Videoschiedsrichter, befindet sich die Bundesliga noch immer in der Findungsphase.

Die Bundesliga hat sich durch den Videoschiedsrichter verändert. Es gibt sowohl mehr, als auch längere Spielunterbrechungen und weniger Tore. Ohne den Videobeweis wären in der letzten Saison ganze 22 Tore mehr gefallen. Es zeigt aber auch: Fußball bleibt ein unberechenbarer Sport. Echte Klarheit gibt es nicht. Und so kommen immer noch Experten, Trainer, Manager, Spieler und Fans ins Philosophieren, ob eine Fehlentscheidung klar oder unklar ist. Das zeigt, Fußball bleibt bei aller technischer Unterstützung ein Sport von Menschen – und Menschen machen Fehler. Und diese beleben die Spannung und befeuern Emotionen.

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Wir im Trainerstab benoten nach "holländischen Noten". Das heißt, eine 1 ist die schlechteste Note und eine 10 die beste. Allerdings werden die 1 und 2 nie vergeben. Eine 3 erhält zum Beispiel ein Spieler, den ich einwechsle und der sich dann so anstellt, dass ich ihn eigentlich sofort wieder rausnehmen müsste. Eine 5 ist die Durchschnittsnote und eine 8 gibt es immer nur für den Trainer. Die 9 und 10 gibt’s auch nicht - die sind für die Götter.

— Hans Meyer auf die Frage, ob er seine Spieler nach den Spielen benotet