Frauen Bundesliga

Auf Erfolgskurs: Der Traditionsverein 1. FFC Turbine Potsdam

11:33 Uhr | 30.04.2009

Der 1. FFC Turbine Potsdam zählt zweifelsohne zu den traditionsreichen Klubs im Frauenfußball. Seine Geschichte begann 1971 als DDR-Betriebssportgemeinschaft. Ein Mann, der damals wie heute das Gesicht des Vereins prägt, ist Bernd Schröder. Inzwischen denkt der 66-jährige Trainer schon mal öffentlich darüber nach, in den nächsten Jahren seine Nachfolge zu regeln. Gut möglich, dass er bis dahin ein letztes Mal die großen Erfolge feiern darf: Sein junges Team knüpft an erfolgreiche Zeiten an, steht im DFB-Pokalfinale und spielt um die Meisterschaft mit.

Mit einem kleinen Zettel an einer Pinnwand des volkseigenen Betriebs (VEB) Energieversorgung Potsdam soll alles angefangen haben. „Gründen Frauen Fußball Mannschaft. Bitte melden. 3. März 1971. 18 Uhr. Klubhaus Walter Junker. BSG Turbine Potsdam, Sektion Fußball“ habe darauf gestanden, schreiben Birgit und Heiko Klasen in ihrem Buch „Elf Freundinnen – die Turbinen aus Potsdam“. Bernd Schröder war damals VEB-Angestellter, las den Zettel und ließ sich als Trainer auf das Abenteuer ein. 38 Jahre sind seither vergangen. Schröder war nicht durchgängig Trainer, aber lange Jahre. In den Achtzigern wurde Potsdam sechs Mal DDR-Meister. Mitte der Neunziger kam der Einstieg in die Bundesliga, 1999 die Gründung des eigenständigen Frauenfußballklubs, 2004 der Double-Gewinn, 2005 der Gewinn von Uefa-Cup und DFB-Pokal, 2006 erneut das Double aus Meisterschaft und Pokal-Gewinn.

Der FFC ist heute vor allem für seine fundierte Talentförderung bekannt – und kann Strukturen vorweisen, auf die die meisten Bundesligisten noch hinarbeiten. Die Zusammenarbeit mit dem Sportinternat Potsdam und dem Olympiastützpunkt ist eingespielt, die Nachwuchsförderung konsequent erfolgreich. Bianca Schmidt (19) und Babett Peter (20) haben derzeit beste Chancen, sich in den Stammkader der A-Nationalmannschaft zu spielen. Anja Mittag (23) und Jennifer Zietz (25) waren jüngst beim Länderspiel gegen Brasilien ebenfalls im Aufgebot – Mittag schoss den einzigen deutschen Treffer des Tages. In Potsdam zählen Mittag und Spielführerin Zietz zu den „alten Hasen“, denn der Altersdurchschnitt des Bundesligakaders liegt beachtlich darunter. Zu den Stammspielerinnen gehören etwa die U17-Europameisterinnen Tabea Kemme und Marie-Louise Bagehorn.

In dieser Saison läuft die Turbine wieder auf Hochtouren. Allein zwei Spiele hat man verloren geben müssen – beide gegen den FC Bayern München, der jüngst mit dem Nachholspiel gegen den SC Bad Neuenahr die Führung wieder übernahm. Auf die Frage, warum sein Team derzeit einen so guten Lauf habe, antwortete Schröder jüngst in einem Interview mit dfb.de: „Die Stärke unserer jungen Mannschaft ist die Moral und die Physis. Unsere Tugend ist Powerfußball. Wir spielen schnell nach vorne, und dabei schont sich keine unserer Spielerinnen. Wir haben mit einer Dreierkette, die eigentlich heutzutage keiner mehr spielt, die wenigsten Gegentore.“ Der Erfolg dürfte ihm eine gewisse Genugtuung bereiten; in der Vergangenheit waren sein Führungsstil und seine Spielphilosophie immer wieder kritisiert worden. Gestandene Spielerinnen hatten Potsdam verlassen, darunter Petra Wimbersky, Karolin Thomas und Conny Pohlers, die alle zum Erzrivalen Frankfurt wechselten.

Deutscher Meister will Schröder, das hat er schon gesagt, in der nächsten Saison werden. In dieser Spielzeit sei der DFB-Pokal-Gewinn das vorrangige Ziel. Gegen den FCR Duisburg spielt Turbine das Finale, das letzte Mal in Berlin. Für Potsdam ist es eine Art Heimspiel.

Astrid Labbert
Spiel auf ein Tor

vor 9 Jahren


Seine Härte war gefürchtet. Wenn mich mal ein Gegenspieler nervte, drohte ich ihm mit Werner. Nach dem Motto: Ich hetz' den Lorant auf dich. Schon war Ruhe.

— Bernd Hölzenbein über seinen früheren Mitspieler Werner Lorant