FC Bayern krönt sich gegen Leverkusen zum Doublesieger

von Marcel Breuer22:03 Uhr | 04.07.2020
Zum 20. Mal heißt der DFB-Pokalsieger Bayern München. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/Pool/dpa
Der FC Bayern hat sich zum Ende der schwierigen Corona-Saison mit dem Pokal-Triumph zum Doublesieger gekrönt. Der Münchner Geister-Express ließ sich beim 4:2 (2:0) auch von Bayer Leverkusen im Cup-Endspiel nicht stoppen.


Im leeren Berliner Olympiastadion dokumentierten David Alaba (16. Minute) mit einem Traumfreistoß, Serge Gnabry (24.) und Final-Rekordtorschütze Robert Lewandowski (59. und 89.) die Überlegenheit des deutschen Fußball-Rekordchampions beim 13. Double aus Meisterschaft und Pokal.

Und das Triple, das bislang nur Jupp Heynckes mit den Bayern im Jahr 2013 gefeiert hatte, ist nach dem insgesamt 20. Pokalerfolg weiter möglich. Im August geht es für die Mannschaft von Erfolgstrainer Hansi Flick in der Champions League weiter - das Finale am 23. August in Lissabon ist das Ziel.



Für Leverkusen, das nach dem 1:3 durch Sven Bender (64.) gegen dann etwas unkonzentrierte Münchner Hoffnung schöpfte, bedeutet die Finalniederlage den neunten zweiten Platz seit dem letzten Titelgewinn beim Pokalsieg im Jahr 1993 - das «Vizekusen»-Image verfolgt die Werkself weiter. Das Tor von Kai Havertz per Handelfmeter (90.+4) kam zu spät. Die nächste Chance, dieses abzulegen, bietet sich beim Europa-League-Finalturnier in Nordrhein-Westfalen.



Für beide Vereine endete in Berlin eine in jeder Hinsicht außergewöhnliche Pokal-Saison: Wegen der Zwangspause dauerte es 330 Tage, ehe der Sieger gekürt werden konnte. Und nicht im ausverkauften Olympiastadion vor Tausenden Fans - sondern vor trotz Dekoration in Vereinsfarben sehr trister Corona-Kulisse. Dabei sein durften am Samstagabend letztlich nur 691 Menschen, darunter auch Bundestrainer Joachim Löw.


Der 60-Jährige, der mit schwarzem Mund-Nasen-Schutz und im modischen Hemd auf der Tribüne saß, sah zu Beginn zumindest für ein paar Minuten mutige Leverkusener. Die Werkself agierte mit dem umworbenen Nationalspieler Kai Havertz als einziger Spitze und versuchte es mit hohem Pressing gegen den spielstarken Meister. «Eine Spielweise», hatte Trainer Peter Bosz vor dem Anpfiff gesagt, «mit der wir die Bayern schlagen können». Bei Leverkusens letztem Titelgewinn im Pokal vor 27 Jahren waren viele heutige Bayer-Profis noch nicht geboren.

Die Münchner Rekordsieger ließen sich davon aber nicht beeindrucken. Mit schnellem, direkten Spiel bewiesen die Bayern im Gegenteil früh ihre Torgefahr. Ein Kopfball von Lewandowski (3.), ein Schuss von Kingsley Coman (10.), dazu starke Körpersprache - die Meister-Bayern waren nach knapp zehn Minuten endgültig im Finale angekommen, was Alaba mit seinem traumhaften Freistoß in den Winkel direkt belohnte. Lewandowski war zuvor von Edmond Tapsoba nahe an der Strafraumgrenze gefoult worden.

Die Taktik der Leverkusener kam durch das frühe Gegentor an ihre Grenzen. Vorne fehlten die echten Stürmer, und die Münchner zeigten immer deutlicher die gefürchtete Dominanz der Bundesliga-Schlussphase. Bayer-Torwart Lukas Hradecky konnte gegen Thomas Müller, der sein achtes Pokalfinale spielte und damit den Rekord des Ex-Münchners Franck Ribéry einstellte, noch parieren (21.). Gegen Gnabry, der einen starken Pass in die Tiefe von Joshua Kimmich perfekt verwertete, war der Finne aber machtlos.

Bayern-Trainer Flick sah zufrieden ein bis zur Halbzeit nur noch sehr einseitiges Spiel. «Es sieht zumindest jetzt danach aus», dass das Spiel entschieden sei, sagte Löw in der Halbzeit bei Sky, «weil die Bayern sehr kompakt, stabil und selbstbewusst wirken. Dass die Führung verdient ist, ist denke ich klar.» Die Corona-Atmosphäre sei allerdings weiterhin «irgendwie eigenartig. Die Fans fehlen, gerade in so einem Finale ist das schon sehr, sehr schade.»

Zur hören waren im weiten Rund nur die Anfeuerungsrufe der Delegationen, die Bayer in der zweiten Halbzeit bitter nötig hatte. Bosz brachte die Offensivspieler Kevin Volland und Kerem Demirbay, Havertz rückte auf die Position des Spielmachers. Doch es blieb zunächst beim altbekannten Kräfteverhältnis. Immer, wenn die Bayern vor allem über die Außen das Tempo anzogen, wurde es gefährlich für Bayer. Lewandowski vergab in der 55. Minute aus aussichtsreicher Position.

Zudem häuften sich die Leverkusener Fehler. Auf der Gegenseite ließ Volland fast kläglich eine Riesenchance zum Anschlusstreffer liegen, als er nach einer scharfen Hereingabe von Moussa Diaby über den Ball trat (57.). Kurz darauf wurde Lewandowski von der Bayer-Abwehr allein gelassen, der Pole zog aus gut 20 Meter ab und profitierte bei seinem insgesamt siebten Pokalfinal-Tor auch noch von einem Hradecky-Patzer. Das achte legte der Bundesliga-Torschützenkönig kurz vor Schluss nach.

Bei Benders Kopfballtor nach einer Ecke zeigten allerdings auch die Münchner Abwehrschwäche, durch die sich Leverkusen sichtlich bestärkt fühlte. Der Bundesliga-Fünfte spielte wieder zielstrebiger. Oftmals fehlte aber das letzte gute Zuspiel, um Nationaltorwart Manuel Neuer, der Oliver Kahns Bestmarke von 33 Pokalspielen ohne Gegentor verpasste, im Bayern-Tor in Bedrängnis zu bringen.

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(dpa)

Man kennt das doch: Der Trainer kann noch so viel warnen, aber im Kopf jedes Spielers sind zehn Prozent weniger vorhanden, und bei elf Mann sind das schon 110 Prozent.

— Werner Hansch