Die Außendarstellung des Trainerteams und der Erfolg des Fußballvereins

von Günther Jakobsen09:30 Uhr | 14.08.2020
Egal ob Trainer eines Profivereins der oberen Ligen oder Trainer eines Amateurvereins in der Kreisliga. Als Übungsleiter hat man stets eine Vorbildfunktion zu wahren und repräsentiert seinen Verein auch außerhalb des Spielfeldes. Jedoch ist selbst im Profibereich das Verhalten der Verantwortlichen auf der Trainerbank nicht immer ganz vorbildlich. Andere Coaches brillieren hingegen durch äußerst respektvolles und faires Verhalten.


Eine professionelle äußere Erscheinung




Damit ein Trainerstab seinen Club optimal repräsentiert, gehört ein gepflegter und angemessener Kleidungsstil zum Job. Jogi Löw schafft in seiner Funktion als deutscher Bundestrainer zum Beispiel hervorragend den Spagat zwischen einer gewissen Sportlichkeit und einer Art Business-Look. Über die Jahre entwickelte sich sein modisches Gespür quasi zum Markenzeichen an der Seitenlinie und schindet nicht nur bei Pressevertretern, sondern auch bei gegnerischen Clubs Eindruck.



Nicht vom Äußeren auf das Verhalten schließen


Wenn sich ein Fußballtrainer gut zu kleiden weiß, bedeutet das jedoch im Umkehrschluss keinesfalls, dass er sich am Spielfeldrand gut und fair verhält. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist hier wohl Pep Guardiola. Wenn er nicht gerade auf dem Platz steht, dann gibt sich der Trainer von Manchester City immer höflich und auch modisch macht sein Auftreten etwas her. Allerdings kam es in der Vergangenheit auch bei ihm zu dem ein oder anderen Zwischenfall.


Im Jahr 2018 wurde er beispielsweise wegen eines regelwidrigen Verhaltens bei einem Spiel des Europapokals auf die Zuschauertribüne verbannt. Der Grund: beim Champions-League-Viertelfinale von Manchester City gegen Liverpool attackierte er einen Schiedsrichter verbal. Seine Strafe wurde für ein Jahr auf Bewährung ausgesetzt. Erst einige Monate zuvor gab es beim Spiel von Manchester City gegen den Drittligisten Wigan eine Auseinandersetzung, bei der es sogar zu einer kurzen Rangelei zwischen beiden Trainern im Spielertunnel kam.


Neue Strafenkatalog für Bundesliga-Trainer


Dass es auf der Trainerbank bisweilen hitzig zugehen kann, und das Trainerteam einem enormen Druck ausgesetzt ist, steht außer Frage. Jedoch müssen sich auch entsprechenden Regeln unterwerfen. Erst im vergangenen Jahr hat die DFL in diesem Zusammenhang eine Neuregelung verabschiedet. Seit dieser Saison können Trainer der ersten und der zweiten Bundesliga gelbe und rote Karten sowie Gelbsperren bekommen. Demnach können Teamoffizielle nach vier gelben Karten von einem Pflichtspiel ausgeschlossen werden. Im Vergleich: Spieler dürfen fünf Verwarnungen bekommen, bevor sie ausgeschlossen werden.

Ist man für ein Spiel gesperrt, dann bedeutet das für den Coach, dass er sich nicht einmal im Innenraum der Sportstätte oder des Stadions aufhalten darf. Es droht also ein kompletter Ausschluss vom Spiel. Die gesammelten Karten werden allerdings nicht auf die folgende Saison übertragen.

Ferner hat die DFL auch die Bedingungen für einen solchen Verstoß festgelegt. Diese findet man im offiziellen Regelwerk für die aktuelle Saison unter dem Punkt „Fouls und unsportliches Betragen“.

Trainer stehen enorm unter Druck


­Ausraster von Trainern sind so alt wie der Fußball selbst. Man erinnere sich nur an Giovanni Trapattonis legendären Ausbruch bei einer Pressekonferenz im Jahr 1998, nachdem der FC Bayern München die dritte Niederlage in Folge verkraften musste. Der Clip dieser Pressekonferenz, in der der Trainer der versammelten Zuhörerschaft die Worte "Was erlaube Strunz?!" entgegenschmetterte, geistert auch mehr als 20 Jahre danach noch durch das Internet.

Ebenso legendär: Rudi Völlers "Weizenbier-Ausraster" bei der Live-Schalte am 6. September 2003. Der Teamchef der DFB-Elf schaukelte sich nach einem Remis gegen Island im Austausch mit Moderator Waldemar Hartmann immer weiter hoch und ließ sich schließlich zu der Aussage hinreißen: „Du sitzt hier locker und bequem und hast dir drei Weizenbier getrunken…!“ worauf Hartman nur noch darauf versucht war, die hochkochenden Emotionen herunterzufahren.


Auch Bruno Labbadia, ein eigentlich stets sehr professionell auftretender Teamchef, verlor schon seine Nerven und redete sich 2012 auf einer Pressekonferenz des VfB Stuttgart in Rage. Labbadias Worte, Trainer seien keine „menschlichen Mülleimer“ lassen erahnen, mit wie viel Druck ein Trainer im Profibereich zu kämpfen hat.

Aggressionen kontrolliert einsetzen


Das es auch anders geht zeigt etwa Erfolgstrainer Jürgen Klopp, der im Anschluss an einige Fehltritte an einem Aggressionstraining teilnahm. Inzwischen ist er in der Lage, seine Emotionen zu kanalisieren und zum Wohle des Clubs einzusetzen. Natürlich hat auch „Kloppo“ spontane Emotionsausbrüche und war nicht umsonst dafür bekannt, Schiedsrichter oder auch Gegner aus nächster Nähe verbal anzugehen. Jedoch verliert er inzwischen nicht mehr die Kontrolle und hat gelernt, sich im entscheidenden Moment zurückzunehmen. Steht die Mannschaft unter massivem Druck, weiß er intuitiv, dass er seine Spieler durch eine gezielte, emotionale Ansprache motivieren kann. Gegenüber Pressevertretern stellt er sich dafür stets schützend vor seine Schützlinge und weiß mit seiner charismatischen Art zu begeistern.

Ich glaube, die Mannschaft hat sich im Trainingsplan in der Spalte geirrt. Tag der offenen Tür ist erst am Sonntag.

— Stuttgart-Trainer Ralf Rangnick zu einem 0:4 gegen Freiburg