Diese Trainer kamen aus dem Nichts

von Carsten Germann02.02.2026 | 20:40 Uhr
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Foto: Imago

„Bei Anruf: Schalke-Trainer“, so titelte unser Redakteur in Akte Bundesliga (2020) über den Wechsel von Trainer Hubertus Jozef Margaretha Stevens, genannt „Huub“, im Jahr 1996 von Roda Kerkrade zum FC Schalke 04. Der Niederländer führte die „Königsblauen“ 1997 mit dem UEFA-Pokalsieg in Mailand zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Ein Erfolgstrainer, der quasi aus dem Nichts kam – Fussballdaten.de nennt eine Auswahl von Trainer-Nobodys, die seit 1996 zu Legenden wurden.

„Danke, Assi, für das, was du für mich und meine Familie getan hast“, das waren Huub Stevens‘ bewegende Abschiedsworte für seinen Freund, den 2019 verstorbenen Schalke-Macher Rudolf „Rudi“ Assauer.

Berger-Nachfolger: Als Schalke den „Knurrer von Kerkrade“ holte

Der Schalke-Manager hatte Stevens gegen jeden Ratgeber im Oktober 1996 ans Berger Feld geholt.

  • „Die Knappen“ trennten sich zuvor von Retter-Coach Jörg Berger († 2010), nach dessen Entlassung herrschte im Parkstadion gegen den Karlsruher SC (0:1) demonstratives, 90-minütiges Schweigen der Schalker Fans. Nur die mitgereisten Karlsruher Zuschauer waren zu hören.

Am 22. Mai 1997 sah das anders aus. Da fuhren die „Euro-Fighter“ mit Cabrios die Ehrenrunde durch das Gelsenkirchener Parkstadion – in einem Auto saßen die Väter des Erfolgs, Assauer und Stevens, mit dem Pokal.

„Der Knurrer von Kerkrade“ Huub Stevens, in der ersten UEFA-Cup-Runde noch mit Roda Kerkrade an Schalke gescheitert, hatte den größten Erfolg des Revierklubs gecoacht. Dass er am 19. Mai 2001 nicht der erste niederländische Meistertrainer der Bundesliga wurde, war dem größten Schluss-Drama der Liga-Geschichte geschuldet.

Huub Stevens war auch der Vorgänger eines bis dahin nur im Kraichgau bekannten Trainers. Sein Name: Julian Nagelsmann. Herzprobleme zwangen den großen Niederländer Stevens 2016 bei 1899 Hoffenheim zum Rückzug, der erst 28 Jahre alte Nagelsmann übernahm – und rettete „Hoffe“ vor dem sicheren Abstieg.

  • Der Rest ist Geschichte: Europa League und Champions League 2017 und 2018, Vizemeister mit RB Leipzig, Deutscher Meister 2022 mit dem FC Bayern München und seit 2023 ist Julian Nagelsmann Bundestrainer und Hoffnungsträger Nummer eins in Fußball-Deutschland.

Mainz 2001: Eine Notlösung namens Jürgen Klopp…

„Im Moment sind wir alle in Deutschland ein bisschen verliebt in diesen Verein“, das sagte Jürgen Klopp nach dem Double-Erfolg von Borussia Dortmund 2012. In der Tat: Hätte man den BVB-Coach in diesen Tagen zum Bundeskanzler-Kandidaten gewählt, hätte er wahrscheinlich gewonnen. Es war der Höhepunkt der „Kloppo-Mania“ um den gebürtigen Stuttgarter, der am Rosenmontag 2001 völlig überraschend von Mainz-Macher Christian Heidel („Bundesliga in Mainz ist nischt selbstverständlisch.“) zum Chefcoach gemacht wurde. Er führte den Verein aus Rheinland-Pfalz 2004 in die Bundeslia, übernahm 2008 beim BVB – und ging 2015 als Meistertrainer zum FC Liverpool, wo er nicht minder erfolgreich war.

  • „The Kaiser from the Kop“ beendete 2020 Liverpools 30 Jahre währende Titel-Durststrecke als Englischer Meister.

Nachfolger in Dortmund war Thomas Tuchel (52), der in Mainz ähnlich überraschend ins Amt gehievt wurde wie zuvor Klopp. 2009 war „TT“ noch U19-Trainer der Mainzer, ehe er den nach dem Bundesliga-Comeback zurückgetretenen Jörn Andersen beerbte. Tuchel führte Mainz bis in die Europa League – und trat am 10. Mai 2014, nach einem 3:2-Heimerfolg gegen den HSV ebenso überraschend zurück wie er angeheuert hatte.

  • Nach Stationen in Dortmund, bei PSG, Chelsea und Bayern ist Tuchel seit 2024 englischer Nationaltrainer. Well done!

Ein Jugendcoach wird zum Kult-Trainer

Diese Aufzählung wäre nicht komplett ohne ihn: Christian Streich. Der heute 60-Jährige hatte beim SC Freiburg bis 2011 und bis zur ersten, vorzeitigen Trainer-Entlassung beim Bundesligisten aus dem Kraichgau, nur Nachwuchsteams beim Sport-Club betreut.

  • Als Nachfolger von Marcus Sorg übernahm er Freiburg im Januar 2012 in fast aussichtsloser Position – und schaffte mit dem Team am 32. Spieltag vorzeitig den Liga-Erhalt. Christian Streich führte Freiburg mehrfach in die Europa League, wurde dank seiner unkonventionellen Art und seiner Sprüche („Niederlagen helfen nicht, nein.“) zum Liebling des Feuilletons und erreichte mit den Südbadenern 2022 das DFB-Pokal-Finale gegen RB Leipzig.