EM-Qualifikation

«Au, das tut weh»: Koeman in zwei Gefühlswelten

17:32 Uhr | 25.03.2019

1:2 de Ligt (48.)
2:2 Depay (63.)
0:1 Sane (15.)
0:2 Gnabry (34.)
2:3 Schulz (90.)

90' 20:45 HZ ENDE
Bondscoach Ronald Koeman war sichtlich angefressen. Nicht so wegen der 2:3-Niederlage gegen Deutschland, vielmehr über seine geplatzte Hose beim Jubel über den mehr als verdienten Ausgleich.

Mit Blick auf die Energieleistung seiner Fußballer in der EM-Qualifikation nach einer völlig verkorksten ersten Spielhälfte heiterte sich seine Miene wieder etwas auf. «Ich bin stolz darauf, wie wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben», sagte Koeman dem TV-Sender NOS. «Wir lagen 0:2 zurück, dann kann man resignieren. Aber wir haben dann super gespielt. Dann holt man sich doch auch den einen Punkt, würd' ich sagen.»

Liverpools Georginio Wijnaldum twitterte am Tag nach dem Spiel: «Unser Team zeigte Charakter und Widerstandsfähigkeit, indem es in der zweiten Hälfte stärker wurde. Es fühlte sich an, als wären die drei Punkte für uns auf dem Tisch, was es viel schmerzlicher macht, mit leeren Händen nach Hause zu gehen.» Mittelfeldakteur Marten de Roon schrieb in den sozialen Medien: «Schade, dass wir gestern für unser Comeback nicht belohnt wurden. Wir nehmen vieles für das nächste Spiel mit.»

Nach desaströsen Beginn und einem 0:2-Rückstand kämpften sich die Niederländer zurück, nach dem 2:2-Ausgleichstreffer von Memphis Depay (63.) entlud sich die ganze negative Energie bei Koeman, der völlig losgelöst in die Höhe gesprungen war. Da platzten alle Nähte am feinen Zwirn. «Mir ist die Hose geplatzt, vom Knöchel bis zum Rücken», erklärte er seinen ungewöhnlichen Auftritt im orange-weißen Trainingsanzug vor der TV-Kamera.

Auch wenn «De Telegraaf» am Montag titelte: «Au, das tut weh» und dass die Niederlage «unnötig im Quadrat» war. Der Punkte-Verlust schmerzte auch deshalb, weil wegen der Finalrunde der Nations League im Sommer die die EM-Qualifikation erst im September weitergeht. Dennoch hatten die 51 694 Zuschauer in der Johan Cruyff Arena das Gefühl, dass Koeman der Mann ist, der Oranje wieder zu Erfolgen führen kann. Daran zweifelt trotz der Niederlage gegen Deutschland keiner. «Oranje 2019 ist eine herrliche Kampfmaschine mit Männern, die miteinander lachen, heulen und kämpfen», lobte «De Volkskrant». «Eine Mannschaft, die in die Zukunft schaut und nicht in die Vergangenheit.»

Koeman, Europameister von 1988, hatte schon vor dem Spiel den allzu großen Optimismus seiner Landsleute gedämpft. Dass die Niederländer Deutschland einfach so mit 3:0 oder 4:0 besiegen könnten, das sah er absolut nicht. Auch sei die Favoritenrolle nach einem 4:0 gegen Weißrussland «ein bisschen übertrieben». Die lange Durststrecke der stolzen Fußballnation - 2014 immerhin WM-Dritter - mit der verpassten EM 2016 und der WM 2018 ist noch längst nicht vergessen.

Aber der typisch holländische Optimismus ist auch nicht ganz unbegründet. Immerhin steht das Koeman-Team nach einem Sieg und einem Unentschieden gegen die Elf von Joachim Löw nun in der Finalrunde der UEFA Nations League und degradierte Deutschland zeitgleich in die B-Gruppe. Auch die jüngsten Erfolge des niederländischen Rekordmeisters Ajax Amsterdam, der in der Champions League Real Madrid ausschaltete, lassen hoffen.

(dpa)

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Wenn die Leute meinen, wir seien unter Druck, dann müssen wir wohl die nächsten fünf Spieltage auf dem Klo verbringen.

— Martin Pieckenhagen