„Stockport Iniesta“ Foden führt City zum Meister-Rekord

von Carsten Germann13:43 Uhr | 20.05.2024
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Saisonfinale in der Premier League – Am Pfingstsonntag hoffte der FC Arsenal vergeblich auf eine Wende im Schlussakt. Zum 10. Mal wurde die englische Meisterschaft am letzten Spieltag entschieden, davon 9-mal in der Premier-League-Ära. Manchester City war als Tabellenführer in den 38. Spieltag gegen West Ham United (3:1) gegangen – und wurde seiner Favoritenrolle in allen Belangen gerecht. Die 4. Meisterschaft in Folge stellte in England einen Rekord dar. Glückwunsch an Manchester City!

Es waren gerade 69 Sekunden gespielt, als die seichten Titel-Hoffnungen beim FC Arsenal, der noch nie im 2006 eingeweihten Emirates Stadium englischer Meister wurde, auf den Nullpunkt sanken.

Phil Foden, der „Stockport Iniesta“, so der Spitzname des in Stockport geborenen und bei Manchester City ausgebildeten englischen Nationalspielers, schoss die „Skyblues“ früh zur 1:0-Führung gegen West Ham.

  • Der „Spieler der Saison“ in der Premier League gab mit seinem bis dahin 18. Saison-Tor (bei 8 Vorarbeiten) die Richtung an.

19 Saison-Tore

Der FC Everton schockte Arsenal kurz vor der Pause mit dem 0:1 durch Idrissa Gueye (40.). Zu diesem Zeitpunkt hatten City und Foden (19. Saisontreffer) allerdings schon auf 2:0 gestellt (18.), bei strahlendem Sonnenschein durfte in Manchester schon vorgefeiert werden.

  • Das 44. Heimspiel in Folge ohne Niederlage war für City damit nur noch Formsache. Es wurde trotz des 2:1-Anschlusstreffers der „Hammers“ von Mohammed Kudus (43.) der 14. Heimsieg der Saison, bei nur 5 Remis. 

Rodrigo (59.) sorgte mit dem 3:1 dafür, dass die Spannung in diesem Fernduell eine halbe Stunde vor dem Ende praktisch raus war.

Vierter Titel in Folge

Das 2:1 von Nationalspieler Kai Havertz (88.) kam für Arsenal zu spät, um noch auf einen Thriller in der Schlussphase hoffen zu können. Die „Kanoniere“ warten nun seit 2004 auf die englische Meisterschaft.

Manchester City wurde am Ende einer wechselhaften Premier-League-Saison zum 4. Mal in Folge Englischer Meister. Das hat es im Mutterland des Fußballs noch nie gegeben.

  • Abwechslungsreich deshalb, weil 14-mal der Tabellenführer wechselte, so oft wie seit 1992/93 in der englischen Eliteliga nicht mehr.

Eine letzte, dramatische Wende wie etwa 2012 mit Manchester Citys zwei Toren in der Nachspielzeit gegen die Queens Park Rangers (3:2 / vgl. „Look at the frustration here!“) oder 2022 mit Citys 3:2-Aufholjagd gegen Aston Villa, die Ilkay Gündogan zum deutschen König der Premier League machte, gab es nicht.

Nur ein Mal: Wende zugunsten des Verfolgers

Nur vor der Einführung der Premier League (1992) konnte ein vor dem letzten Spieltag Zweitplatzierter den Titel noch im Saisonfinale holen – und das waren „The Gunners“ selbst. Es war beim epischen 2:0 im direkten Duell am letzten Spieltag beim FC Liverpool in Anfield, später auch herrlich literarisiert von Nick Hornby.

Seine zweite Premier-League-Meisterschaft durfte der deutsche City-Torhüter Stefan Ortega Moreno feiern. Dass die „Cityzens“ als Tabellenführer ins Finale gehen konnten, verdankten sie der Glanztat des Ex-Bielefelders gegen Heung-min Son im Nachholspiel bei Tottenham Hotspur (2:0). „Er hat uns gerettet“, sagte Pep Guardiola schon vor dem Spiel über ihn, „sonst wäre Arsenal Meister.“

  • Ex-Bayerntrainer Guardiola, seit 2016 in Manchester, wurde zum 4. Coach im englischen Fußball, der sechs oder mehr Meistertitel gewinnen konnte – nach Sir Alexander Chapman Ferguson (anfangs noch ohne Sir), der 13-mal mit Manchester United erfolgreich war, George Ramsay (Aston Villa) und Bob Paisley (FC Liverpool) mit jeweils 6 Titeln.

„Diese Meisterschaft ist für mich persönlich etwas ganz Besonderes“, sagte der belgische Mittelfeldregisseur Kevin de Bruyne (32), der seinen 6. Premier-League-Titel mit Manchester City feiern durfte, anschließend bei Sky Sports UK, „es war ein schwieriges Jahr für mich mit einem halben Jahr Verletzungspause und mit diesem Comeback.“



Wer immer noch nicht kapiert hat, dass wir eine Bereicherung für Fußball-Deutschland sind, dem wollen wir gar nicht mehr helfen.

— Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer von RB Leipzig, nach dem DFB-Pokalsieg 2022.