Heute vor 28 Jahren: Das letzte Länderspiel Jugoslawiens

von Jean-Pascal Ostermeier19:26 Uhr | 25.03.2020
Kurz vor der EM 1992 wurde Jugoslawien gesperrt
Auch das letzte Fußball-Aufgebot Jugoslawiens konnte sich sehen lassen. Dragan Stojkovic war am 25. März 1992 in Amsterdam dabei, dazu der geniale Dejan Savicevic, auch Vladimir Jugovic und Predrag Mijatovic. Und doch stimmte etwas nicht bei diesem Länderspiel gegen den amtierenden Europameister Niederlande - und es war nicht das Endergebnis von 0:2 durch die Tore von Wim Kieft und Jan Wouters.

Der Vielvölkerstaat Jugoslawien existierte an diesem Abend allenfalls noch auf dem Papier. Wirtschaftliche Krisen seit dem Tod von Staatsführer Tito 1980, dazu schwelende Konflikte zwischen den verschiedenen Ethnien und Religionen - all diese Spannungen entluden sich ab Sommer 1991 in einem beispiellosen Blutvergießen.


Robert Prosinecki, Zvonimir Boban oder Davor Suker waren nach der Unabhängigkeitserklärung Kroatiens beim letzten offiziellen Länderspiel Jugoslawiens nicht mehr dabei. Ebenso der Mazedonier Goran Pancev, Torjäger beim überraschenden Triumph von Roter Stern Belgrad im Europapokal der Landesmeister 1990/91.

Fußballromantiker stellen sich allzu gern die Frage, was Jugoslawien bei der Europameisterschaft 1992 mit dieser Ansammlung von Weltklassespielern hätte erreichen können.


Doch auch der versprengte Rest schaffte es nicht mehr nach Schweden, wenige Wochen vor Turnierbeginn wurde Jugoslawien von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ausgesperrt. Nachrücker Dänemark reiste als Kanonenfutter an - und gewann den Titel durch ein 2:0 im Finale gegen Weltmeister Deutschland.

Ob den Jugoslawen in Bestbesetzung das auch gelungen wäre? Spielmacher Boban äußerte 2017 im Interview mit dem Blick laute Zweifel: "Hätte man mit zehn Bällen gespielt, hätten wir alles gewonnen. Aber als Mannschaft? Dieses Team hatte zu viel Talent. Ich hätte vielleicht zum Ausgleich rechter Außenverteidiger spielen müssen."


Dann verletzt sich wieder einer, oder einer bekommt ein Kind. Das hat es auch schon gegeben.

— Franz Beckenbauer über die Diskussion über den besten Zeitpunkt für Bundestrainer Jürgen Klinsmann, sich auf sein WM-Aufgebot festzulegen