Streaming: Die Zukunft für Sportübertragungen?

von Günther Jakobsen09:14 Uhr | 12.08.2020
Fußball, Motorsport oder Biathlon – all dies sind sportliche Ereignisse, die nicht nur ins Stadion oder an die Rennstrecken ziehen. Noch weit mehr Sportfans schauen den Athleten am Fernseher zu. Alles bequem vom eigenen Sofa aus betrachten und dabei auch noch passende Erklärungen von den Moderatoren – das Prinzip hat lange Zeit sehr gut funktioniert. TV-Übertragungen haben in den letzten Jahren allerdings massiv Konkurrenz durch Streaming bekommen.


Sport und das Fernsehen


Das Fernsehen spielt im Alltag vieler Haushalte nach wie vor eine wichtige Rolle. Es ist auf der einen Seite Unterhaltungsmedium und dient andererseits der Information über alles, was aktuell in der Welt passiert. Nachrichtensendungen gehören genauso zum Angebot der Sender, wie der Blick in die Welt. Reisemagazine, Koch-Shows oder Hollywood-Blockbuster – das Angebot ist extrem vielfältig.

Vor 20 bis 30 Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass Spartenkanäle sich ausschließlich mit einem Thema beschäftigen. Dies gilt nicht nur für Kindersender oder Nischenkanäle, in denen ausschließlich Dokumentationen gezeigt werden. In den zurückliegenden Jahren hat die Bedeutung des Fernsehens auch für den Sport eine vollkommen neue Qualität bekommen. Diese Aussage gilt besonders für den Profi- und Leistungssport.


Sportereignisse waren lange nur jenen Zuschauern vorbehalten, die live im Stadion sein konnten. Mit dem Radio bot sich später eine weitere Möglichkeit, damit Sportbegeisterte live mitfiebern konnten. Mittlerweile kann man nahezu jede Sportart über das Internet streamen und die Lizenzvergabe der jeweiligen Sportverbände ist zum Riesengeschäft geworden.

Was kosten die Übertragungsrechte in Bundesliga und Co.?


Die Übertragungsrechte im Profisport haben sich inzwischen zu einem Millionengeschäft entwickelt. Für die Vereine bedeutet der Verkauf zusätzliche Einnahmen, die mitentscheidend für den sportlichen Erfolg sind.

Ausgaben haben sich in den letzten 30 Jahren vervielfacht







Für den deutschen Fußball hat sich der letzte Vierjahresvertrag für die TV-Rechte gelohnt. Beim Abschluss wurden die Übertragungsrechte für rund 1,1 Milliarden Euro pro Saison verkauft – nur dafür, dass Fernsehsender die Spiele der Bundesliga ausstrahlen konnten. Schwindelerregende Summen, von denen die Klubs und die DFL Mitte der 1980er Jahre nur träumen konnten.




Für die Saison 1984/1985 bezahlte der öffentlich-rechtliche Rundfunk gerade einmal 10 Millionen Deutsche Mark. Durch den Bieterwettstreit mit privaten Sendern schnellten die Preise jedoch spürbar in die Höhe. Ende der 1980er kostete eine Saison bereits 40 Millionen. Mitte der 1990er Jahre wurden bereits dreistellige Millionensummen bezahlt. Einen massiven Sprung machten die Kosten für Übertragungsrechte im Profi-Fußball jedoch ab 2010.

Für 2010/2011 kostete die Saison noch 410 Millionen Euro. 2015/2016 waren es bereits 663 Millionen. Mit der Vergabe des Vierjahrespakets kletterten die Preise für die Übertragungsrechte schließlich auf über eine Milliarde Euro. Wie kommt es zu einer solchen Entwicklung, die schwindelerregende Summen für die TV-Rechte nach sich zieht? Ein Grund ist die besondere Stellung des Fußballs als absoluter Publikumsliebling.

Laut DFB gibt es mehr als 24.000 Vereine mit über sieben Millionen Mitgliedern. Außerdem werden die Rechte in einem Bieterverfahren vergeben. In den letzten Jahren haben Pay-TV Anbieter die Nase vorn gehabt – um die Übertragung über eigene TV‑Pakete exklusiv verwerten zu können. Zuletzt boten fünf Sender um die Übertragungsrechte mit:

  • Sky
  • Eurosport
  • Sport 1
  • Amazon
  • DAZN
Streaming auf dem Vormarsch

Durch Streaming-Angebote hat das klassische Fernsehen eine gewichtige Konkurrenz bekommen. Anfangs konnte dieser Service nur vereinzelt genutzt werden und war wenigen Haushalten zugänglich. Gerade in den 2000er Jahren war Streaming noch keine echte Konkurrenz für TV-Kanäle und Sendestudios.

Inzwischen hat sich die Situation grundlegend verändert. Heute nutzen bestimmte Altersgruppen das Fernsehen mit seinem linear ausgerichteten Programm kaum noch. Stattdessen werden Medieninhalte verstärkt über Streaming-Angebote abgerufen. Ein Trend, der viele Gesichter hat. Zunächst waren Inhalte wie Filme, Serien, Dokumentationen oder Konzertmitschnitte ein wesentlicher Kernbereich der Streamingdienste. Mittlerweile sind die Dienste aber auch im Bereich der Sportübertragungen nicht mehr wegzudenken. Neben der umfangreichen Angebotspalette, ist es vor allem die technische Entwicklung und der Ausbau der notwendigen Infrastruktur, die in den letzten Jahren einen massiven Sprung nach vorn gemacht haben.

DAZN und Sky GO mit digitalen PAY-TV-Alternativen

Streaming-Dienste über das Internet werden vor allem von zwei Nutzergruppen in Anspruch genommen.

  1. Verbraucher, die Inhalte überwiegend über mobile Endgeräte konsumieren.
  2. Haushalte, die keinen klassischen TV-Anschluss mehr nutzen.
Für beide Zielgruppen sind per Stream übertragene Sportevents ein wichtiger Grund, überhaupt einzuschalten bzw. Handy oder Tablet aus der Tasche zu holen. Gerade der mobile Datenverkehr nimmt seit Jahren einen stark wachsenden Anteil am gesamten Traffic im Internet ein. Das Onlineportal der Wirtschaftswoche publizierte Ergebnisse einer Erhebung zu Zahlen und Prognosen des globalen mobilen Internet-Traffics. Aktuell fallen rund zwei Drittel des Volumens dabei auf mobile Endgeräte.

Zu den Platzhirschen gehören heute zwei Sender: Sky und DAZN. Speziell im Bereich der Fußballübertragung spielen beide eine besondere Rolle. Während Sky ein Allrounder im Bereich des VoD (Video on Demand) und Streaming von Medieninhalten ist, hat sich DAZN von der ersten Stunde als Spezialist im Bereich Sport gesehen. Obwohl erst seit 2016 auf dem deutschen Markt verfügbar, übertragt die Plattform inzwischen eine große Zahl von Spielen. Darunter mehr als zwei Dutzend Freitagsspiele, einige Sonntagsspiele sowie Montagsspiele der Bundesliga. Außerdem werden von DAZN Spiele aus anderen Ligabetrieben übertragen, darunter unter anderem die Serie A, die Premier League oder die LaLiga Santander. Über eine App sind die Streaming-Angebote auch unterwegs von registrierten Nutzern mit Abo abrufbar.

Wie sind die Übertragungsrechte im Fußball verteilt?

Aktuell sind die Rechte an den Sportübertragungen im Fußball auf mehrere Unternehmen verteilt. Rechteinhaber sind unter anderem:

  • Sky
  • DAZN
  • ARD und ZDF
  • Eurosport
  • Sport1
  • Amazon.
Big Player ist nach wie vor der Pay-TV-Anbieter Sky, bei dem ein großer Teil der Spiele aus der Bundesliga zu sehen ist. DAZN folgt für die Saison 2020/2021 auf Platz zwei. ARD und ZDF haben sich ebenfalls die Übertragungsrechte an einigen Spielen im DFB Pokal, Relegation oder Supercup sichern können.

Hier die Verteilung im Überblick:



Sender mit Übertragungsrecht
Spielpaket
Skyalle Samstagsspiele der Bundesliga
Skyalle Spiele in englischen Wochen der Bundesliga
Skyalle Spiele der 2. Bundesliga
DAZNalle Sonntagsspiele der Bundesliga
DAZNalle Freitagsspiele der Bundesliga
ARD/ZDFZusammenfassungen der Spiele in der Bundesliga
SAT.1Supercup, Erstliga-Spiele am 1., 17. Und 18. Spieltag
SAT.1Relegationsspiele
SAT.1Auftaktspiel der 2. Bundesliga
Sport1Samstag-Abendspiele der 2. Bundesliga


Sind Zuschauer auch technisch bereit für das Livestreaming als Standard?


Um Livestreams aus dem Stadion über den Internetanschluss oder das mobile Netz abzurufen, sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Zuerst ist natürlich eine entsprechende Hardware notwendig. Um Streaming-Inhalte darzustellen, wird ein internetfähiges Gerät benötigt. Eine Verbindung per Datenkabel oder WLAN ist ebenfalls Grundvoraussetzung. Dies stellt heute in den meisten Haushalten allerdings kein Problem mehr da, sind doch alle neueren Geräte, vom Smart-TV bis hin zum Tablet, dazu in der Lage.

Datenverbindung muss ausreichend schnell sein

Für hochwertige Bildsignale ist eine 10 Mbit-Leitung der Mindeststandard. Sofern es um Videos in UHD Qualität geht, sollte eine Bandbeite von 25 Mbit zur Verfügung stehen. Deutlich besser ist bereits eine Übertragungsrate ab 50 Mbit/s.

Hier zeigt sich auch die größte Herausforderung. Gerade der ländliche Raum hinkt in diesem Bereich noch immer hinterher. So ist der Netzausbau laut Breitbandatlas des BMVI in einigen Regionen für eine Rate von 50 Mbit/s noch nicht über die Marke von 50 Prozent hinausgekommen. Teils liegt die Quote des schnellen Internets sogar noch deutlich darunter.

Für den Netzausbau werden dabei unterschiedliche Technologien verfolgt: Zum einen der Ausbau der DSL-Verbindungen – hier erfolgt die Internetverbindung über das Telefonkabel. Der DSL-Anschluss ist dabei mit Abstand die häufigere Variante und bietet unterschiedliche Übertragungsraten, je nach Ausbaustufe. Das sogenannte VDSL setzt dabei auf Glasfaserleitungen und kommt auf Raten von bis zu 250 Mbit/s.  

Eine weitere Option ist der Internetzugang über das Fernsehkabel. Bei dieser Technik sind sogar Übertragungsraten von bis zu 500 Mbit/s möglich. Aber auch 4G oder 5G Router, die eine Internetverbindung über das Mobilfunknetz herstellen, sind mit einer Geschwindigkeit von bis zu 600 Mbit eine interessante Option.

VoD, Konferenzen und Live-Spielübertragungen

Mit den neuen technischen Möglichkeiten ändert sich nicht nur die Art und Weise, wie die Inhalte von Sportfans konsumiert werden. In der Praxis hat dies auch Auswirkungen darauf, wie Sport wahrgenommen wird und welche Reichweite einzelne Sportarten entwickeln. Besonders Nischensportarten können von einzelnen Übertragungsformaten profitieren.

  • VoD: VoD steht für Video on Demand. Hier rufen Nutzer den Stream bei Bedarf ab, können ihn pausieren und später weiterschauen. Der Abruf von Sportübertragungen nach dem VoD-Prinzip wird auf diese Weise vom eigentlichen Sportevent zeitlich losgelöst. Klassische Bereiche, in denen diese Methode zum Einsatz kommt, ist das Archiv der Streaming-Plattformen oder für Übertragung mit starker Zeitverschiebungskomponente.
  • Konferenzen: Hier werden verschiedene Events, die parallel stattfinden, miteinander verknüpft. Im Fußball ist dies beim Livestreaming durchaus üblich, da viele Partien im Ligabetrieb bzw. bei Großereignissen nicht zeitversetzt stattfinden. Ideal ist dieses Sendeformat aus Sicht der Fans, wenn es nicht um den einen Fußballklub geht. Konferenz-Übertragungen sind oft Bestandteil der Pay-TV-Angebote und haben sich auch bei Sportübertragungen im Rahmen von Events wie Olympia bewährt.
  • Liveübertragung: Live Sportevents am PC, Smart TV oder unterwegs mit dem Handy erleben – genau darum geht es beim Live-Streaming aus dem Stadion. Gerade bei Großveranstaltungen oder Mannschaftssportarten wie Fußball wird für die Übertragung auf MultiCam-Systeme gesetzt, die verschiedene Perspektiven des Sportevents einfangen.
Pros und Kontras der zunehmenden Bedeutung von Streaming






Mit dem Streaming-Angebot hat sich eine Art des Medienkonsums entwickelt, der für Sportübertragungen einige interessante Effekte hat. Je mehr Anbieter am Markt unterwegs sind, desto größer wird auch der Konkurrenzdruck. Ein Punkt, der sich einerseits auf die Preise auswirkt. Auf der anderen Seite treibt der Konkurrenzdruck innovative Ideen voran.

Spezielle Kameratechniken, zusätzlicher Mehrwert durch Statistiken oder Bild-in-Bild-Wiedergabe – alles Aspekte, die eine Rolle für die Entscheidung zum Sport-Streaming Abo beeinflussen. Ein zweiter Pluspunkt ist natürlich die Möglichkeit, per VoD Inhalte nur dann abzurufen, wenn der Nutzer sie konsumieren kann und will. Außerdem sind Nutzer nicht mehr an den heimischen Fernseher gebunden, sondern können über Smartphone oder Tablet einfach auf die App des Streamingdienstes zugreifen.

Als Nachteil lässt sich das Splitting des Angebots aufführen. Durch die Aufspaltung der Übertragungsrechte in Pakete kann es passieren, dass Nutzer mehrere Streamingdienste brauchen, um alle Events live verfolgen zu können. Im Fußball ist dieser Effekt bereits deutlich zu erkennen.

 

Bild 1: stock.adobe.com © terovesalanainen

Bild 2: stock.adobe.com © victor217

Bild 3: stock.adobe.com © Proxima Studio



 

Ich darf als Reporter ja nicht parteiisch sein... ich will auch nicht parteiisch sein - aber... lauft, meine kleinen schwarzen Freunde, lauft!!!

— Marcel Reif beim WM-Spiel Kamerun-Argentinien beim Stand von 1:0