Nations League

«Zehner» seit Geburt: Hoffenheims Grifo darf für Italien ran

11:56 Uhr | 16.11.2018




Vincenzo chi? Vincenzo wer? Bei der Länderspiel-Nominierung von Nationaltrainer Roberto Mancini rieben sich in Italien selbst so manche Fußball-Experten verwundert die Augen.

Vincenzo Grifo, geboren in Pforzheim als Sohn eines Sizilianers und einer Apulierin und Mittelfeldspieler bei der TSG 1899 Hoffenheim, steht im Aufgebot der Squadra Azzurra. «Einer der Besten Italiens zu sein, ist unglaublich. Ich habe immer davon geträumt und ihnen am Fernseher die Daumen gedrückt», sagte der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler. Der Karrieresprung kommt vor allem deshalb überraschend, weil Grifo unter Coach Julian Nagelsmann lange kaum berücksichtigt wurde.

Taucht Grifo in Berichten italienischer Medien auf, wird erst einmal mantrahaft klargestellt: Trotz seiner Geburt und seines Lebens in Deutschland sei er zu 100 Prozent Italiener. Dabei sind Spieler, die im Ausland geboren sind, aber italienisches Blut oder zumindest den Pass haben, für die Nationalmannschaft überhaupt nichts Neues. «Für (Grifo) war die Nazionale offensichtlich immer eine fixe Idee», schreibt Sky Sport online.

Grifo darf jedenfalls am Samstag (20.45 Uhr) in der Nations League im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion gegen Portugal und am Dienstag im Testspiel im belgischen Genk gegen die USA auf sein Debüt hoffen. Er zählt dabei neben Stefano Sensi von Sassuolo Calcio und Sandro Tonali von Brescia Calcio zu den drei Neulingen beim viermaligen Weltmeister, der das Turnier in Russland verpasst hatte.

Mancini erinnerte daran, dass Grifo schon in Nachwuchsteams der Italiener gespielt hat und deutete an, dass Profis, die im Ausland aktiv sind, daheim in Italien oft übersehen werden. «Er kann als Flügelspieler rechts oder links spielen, und jetzt wollten wir ihn uns einfach selbst mal anschauen», sagte der Coach.

Dabei bringt der Hoffenheimer als Empfehlung gerade mal zwei Bundesliga-Partien von Anfang an in dieser Saison mit. Beim Champions- League-Spiel der Kraichgauer bei Olympique Lyon vergangene Woche flog er zwar mit nach Frankreich, kam aber nicht zum Einsatz. Wieder einmal.

Als Nagelsmann bei der TSG die Rotation ankurbelte, saß Grifo oft beschäftigungslos auf der Bank oder gar auf der Tribüne. Doch beim 4:1-Sieg in Leverkusen glänzte «Vince» erstmals in der Startelf, schoss ein Tor und bereitete zwei vor. «Es gibt immer wieder Spätzünder», meinte TSG-Sportchef Alexander Rosen.

Bereits im August hatte Grifo im «Kicker» gesagt: «Mein Herz schlägt für Italien. Ich kämpfe darum, dass Mancini mich anruft, definitiv. Wenn Joachim Löw anrufen würde, wüsste ich nicht, was ich sagen soll.» Der Freistoßspezialist hatte 2013/2014 schon viermal in der U20 Italiens gespielt und die Squadra Azzurra nie aus den Augen verloren.

Zuletzt hatte Grifo allerdings ganz andere Sorgen: Für 5,5 Millionen Euro kam er nach einer schwierigen Spielzeit von Borussia Mönchengladbach nach Hoffenheim zurück, wo er schon zwischen 2012 und 2015 unter Vertrag stand. «Es fühlt sich ein bisschen wie nach Hause kommen an», sagte er im Sommer.

Sein Durchbruch war ihm nach einer Leihe zum FSV Frankfurt erst beim SC Freiburg (2015 bis 2017) gelungen: «Ich habe mich mega dort entwickelt, sportlich wie menschlich.» Jetzt gehe «ein Lebenstraum» in Erfüllung für den Profi, der Roberto Baggio als Vorbild hat und von sich sagt: «Ich bin ein Zehner von Geburt an.»

(dpa)

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