Rosenmontag 2001: Das „Making of“ Bundesliga-Trainer Jürgen Klopp

Bundesliga respektive 2. Bundesliga vor 25 Jahren, denn damals spielte der FSV Mainz 05 noch in der 2. Liga – und suchte einen neuen Trainer. Mainz-Macher Christian Heidel (62) hatte am Rosenmontag 2001 eine spontane Eingebung: Er berief den bisherigen FSV-Spieler Jürgen Norbert Klopp zum neuen Cheftrainer. Eine ungewöhnliche Entscheidung für einen Mann, der in Mainz, später auch in Dortmund eine Ära in der Bundesliga prägen sollte…
Rosenmontag 2001: Das „Making of“ Bundesliga-Trainer Jürgen Klopp
28. Februar 2001, Rosenmontag in Mainz. Die meisten Fußballfans waren beim großen Umzug, um sich vom tristen Alltag im Bruchwegstadion etwas abzulenken.
- Sieben Spiele in Folge hatte Mainz 05 nicht gewonnen.
Mainz‘ ehrenamtlicher Manager, der Autohändler Christian Heidel, saß zu Hause. Nach der ARD-Übertragung des Rosenmontagsumzuges mit den ,,Schwollköpp“, der ,,Klepper-Garde“ oder den „Scheierborzelern“, stand ihm nicht der Sinn.
„Ich musste mir über einige Sachen klar werden“, erzählte er Jahre später im Kicker, „ich musste etwas ändern. Ich dachte an einen Mann aus den eigenen Reihen. Ich dachte mir, mit so einem kann es auch nicht schlechter werden als mit einem Hochkaräter vom Transfermarkt.“
- Er dachte konkret an Jürgen Klopp, der 325 Zweitliga-Spiele für den 1. FSV Mainz 05 absolviert mit fast 34 Jahren den Zenit seiner Laufbahn als Spieler schon überschritten hatte.
„Kloppo wollte doch schon immer Trainer werden“
Er überlegte nicht lange und rief Klopp an. „Du Kloppo, wir schmeißen Eckhard raus, bla bla bla, kannst Du dir vorstellen, dass du das machst?“, erzählte Klopp später das Gespräch nach, welches sein Leben und die Geschichte des FSV Mainz 05 nachhaltig verändern sollte.
„Es war etwas spooky, als Klopp Trainer wurde“, erinnerte sich der langjährige Mainzer Torhüter Dimo Wache im Mai 2019 in einem Kicker-Interview, „an dem besagten Rosenmontag saßen Manager Christian Heidel, Kloppo und ich zusammen und beratschlagten, wie es nach der Trennung von Eckhard Krautzun weitergeht. Danach kam gleich die Pressekonferenz, in der Jürgen vorgestellt wurde.“ Wache sagte aber auch: „Dass Kloppo so eine einzigartige Karriere hinlegt, konnte natürlich keiner ahnen, auch wenn er schon immer Trainer werden wollte. Seine Art und Weise als Trainer sind einmalig, dazu kommt sein großer Fußballsachverstand.“
Klopp selbst drückte das in seiner ihm eigenen Art aus: „Wir waren als nicht trainierbar verschrien, dabei waren wir nur eine Mannschaft, die viele Fragen hatte.“
Alles relativ!
- Bis Klopp übernahm, beschäftigten die Mainzer fünf Cheftrainer in vier Jahren, Krautzun René Vandereycken, Klopp -Mentor Wolfgang Frank († 2013), Dietmar Constantini († 2024) und Reinhard Saftig, der 1997 mit dem Team knapp den Sprung in die Bundesliga verpasste.
- Der bereits 2003 mit 41 Jahren verstorbene Dirk Karkuth blieb 2000 nur sieben Spiele im Amt.
- Jürgen Klopp führte Mainz 05 in seiner ersten Trainer-Saison 2000/2001 zum Liga-Erhalt, 2003/2004 im dritten Anlauf in die Bundesliga und ein Jahr später – die Fairness-Wertung der UEFA machte es möglich – bis in die Playoffs des UEFA-Pokals.
Im gleichen Jahr meldete das Autohaus, in das Heidel sich eingekauft hatte, Insolvenz an. Erst jetzt wurde der Mainzer Macher festangestellter und hauptberuflicher Manager und mit Klopp bildete er bis zu dessen Abschied zum 30. Juni 2008 ein Erfolgsduo.


