WM

Spielbericht & Statistiken

FIFA-WM-Stadion München (München) · Zuschauer: 66.000 · Schiedsrichter: Carlos Simon

1:0 Podolski (4., Rechtsschuss)
Vorlage:Klose
2:0 Podolski (12., Linksschuss)
Vorlage:Klose
2:0
(2:0)
Besondere Vorkomnisse:
Larsson verschießt Foulelfmeter (54.) - über das Tor (Metzelder an Larsson)

Beeindruckend sicher im Viertelfinale

Jetzt ist sein Stern aufgegangen: Lukas Podolski
Nach einer Blitzführung durch zweimal Podolski ließ die deutsche Elf keinen Zweifel mehr am Weiterkommen zu. Fast über die komplette Distanz hatte Deutschland die Schweden sicher in der Zange und war nur einmal im Glück, als Larsson einen Foulelfmeter in die Wolken jagte. Sonst waren die Skandinavier nur ein billiges Spielzeug.

Nach je einem Freistoß aus dem Halbfeld war die Abtastphase auch schon beendet und Deutschland spielte stramm nach vorn. Was die Schweden um jeden Preis vermeiden wollten, geschah nach drei Minuten. Ein hoher und weiter Ball sprang von Ballacks Kopf auf Klose, der an der Strafraumlinie zwei Schweden vernaschte und zum Schuss kam. Isaksson wehrte ab, aber der Abpraller landete genau vor Podolskis Fuß und daraufhin im Tor – Deutschland führte früh mit 1:0. Nicht nur des Publikums wegen war gleich mächtig Musik in der Begegnung. Kein Ball wurde lange gehalten, taktische Zwänge gab es nicht. Wieder Podolski schoss von Ballack bedient aus der Distanz drüber (7.), im Gegenzug wurde Larsson schön freigespielt und traf den Außenpfosten. Die Leistung der Skandinavier war schwer einzuschätzen, weil die deutsche Mannschaft so entschlossen und zielsicher in ihren Aktionen war, dass man schon früh von einem Rausch sprechen konnte. Erst recht nach der nächsten Aktion. Über wenige Stationen kam der Ball zu Klose, der drei Mann auf sich zog und im besten Moment auf Podolski ablegte. Mit dem linken Fuß schlenzte der Noch-Kölner die Kugel zum 2:0 ins lange Eck (12.). Nicht mal eine Viertelstunde war gespielt, da wurde auf den Rängen schon „Oh, wie ist das schön!“ angestimmt. Weiter ging es nur in eine Richtung; Ballack und Schneider schnupperten aus der Distanz schon am 3:0. Erst als Schweden mit härterer Gangart die Angriffsmaschine zur stören begann, ließ das Tempo etwas nach. Doch das mussten die Gelben früh bereuen, als Lucic einen Deutschen umriss, obwohl er bereits verwarnt war. Schon Mitte der ersten Halbzeit waren die Skandinavier nur noch zu zehnt und mussten froh sein, nicht höher zurückzuliegen; Frings und Schweinsteiger hatten nur knapp vorbei geschossen. Dann aber waren die Deutschen im Glück, als Ibrahimovic sich gegen Metzelder durchsetzte und Lehmann seinen Schuss vom Fünfmeterraum noch so eben aus dem Eck schaufelte. Wenig später patzte der deutsche Schlussmann bei einem Pass in die Mitte, aber Lahm bekam den frei liegenden Ball zuerst erlaufen (42.). Im Gegenzug bewies Klose seine große Klasse, erkämpfte einen schon verlorenen Ball beherzt zurück und wuchtete ihn aus 18 Metern aufs Tor, Isaksson konnte jedoch parieren. Es war das Ende einer fulminanten ersten Halbzeit, die nicht eine Sekunde langweilig war.

Genau so ging es auch weiter, aber zunächst in anderer Form. Sekunden nach Wiederbeginn tauchte Johnson vor Lehmann auf und scheiterte nur knapp am deutschen Schlussmann. Wenig später eine Schrecksekunde für Deutschland. Metzelder versperrte Larsson den Weg zu einem flachen Zuspiel vom linken Flügel, was der brasilianische Schiedsrichter als Foulspiel wertete: Elfmeter für Schweden. Der Gefoulte trat selbst an und legte ein passendes Zeugnis für Schwedens Nervenkostüm ab – der Ball flog weit übers Tor (54.). Ein Schuss von Ballack war Deutschlands Antwort, aber das Tempo lahmte nun etwas, was wiederum nichts daran änderte, dass die Klinsmann-Elf ballgewandter, konzentrierter und ungebrochen entschlossen war. Als wieder Ballack gemeinsam mit Klose einen Torschuss wagte, wurde schon die 81. Minute geschrieben, doch das tat der Ekstase und dem ohrenbetäubenden Lärm von den Rängen keinen Abbruch. Bernd Schneider hätte fast noch einen drauf gesetzt, aber sein abgefälschter Schuss aus 14 Metern landete nur am Außenpfosten (85.). Neuville (86.) und Klose (87.) hatten ebenfalls noch Aussicht auf das 3:0, das dem gefahrlosen Sieg auch korrekten Glanz verliehen hätte. Aber auch die Routine, mit der Deutschland das Spiel nach Hause schaukelte, sprach Bände. Mit einer beeindruckenden Leistung schob Deutschland sich unter die besten Acht der Welt.

Maik Großmann
Achtelfinale
Samstag, 24.06.2006 Deutschland2:0 Schweden
Samstag, 24.06.2006 Argentinien2:1 n.V. Mexiko
Sonntag, 25.06.2006 England1:0 Ecuador
Sonntag, 25.06.2006 Portugal1:0 Niederlande
Montag, 26.06.2006 Italien1:0 Australien
Montag, 26.06.2006 Schweiz0:3 n.E. Ukraine
Dienstag, 27.06.2006 Brasilien3:0 Ghana
Dienstag, 27.06.2006 Spanien1:3 Frankreich

Teamvergleich

16
Siege
15
Siege
8
Remis
Spiele: 39Tore: 75:69
11
Siege
4
Siege
4
Remis
Spiele: 19Tore: 46:31
5
Siege
11
Siege
4
Remis
Spiele: 20Tore: 29:38

Ich würde am liebsten zu Hause die Rollläden runterlassen, aus der Konservendose essen und mit einem Sack über dem Kopf Feldwege laufen.

— Leverkusens Manager Reiner Calmund nach einem 1:3 gegen Cottbus