Weltmeisterschaft

Spielbericht & Statistiken

· Zuschauer: 65.000 · Schiedsrichter: Efthalia Mitsi

1:0 Ronaldo (5.)
2:0 Adriano (45.)
3:0 Zé Roberto (85.)
3:0
(2:0)

Brasilien glanzlos weiter

Mit 15 Treffern neuer WM-Torschützenkönig aller Zeiten: Ronaldo
Nach der frühen Führung bot Brasilien eine kärgliche Vorstellung, ging erst kurz vor der Pause schmeichelhaft mit 2:0 in Front und verwaltete das Ergebnis ohne jeden Esprit. Ghana war einem zwischenzeitigen Remis ganz nah, schoss aber vor allem im zweiten Durchgang sehr ungenau auf das Tor von Torwart Dida.

Die Selceao erwischte gegen den krassen Außenseiter aus Afrika einen Traumstart. Kaka überspielte eine nur zögerlich aufgebaute Abseitsfalle mit einem Steilpass auf Ronaldo, der mit einem Übersteiger Torhüter Kingston vernaschte und anschließend locker einschob (5.). Mit seinem 15. WM-Tor verewigte sich Il Phenomeno vor Gerd Müller in den Annalen der Fußballgeschichte auf der Spitzenposition der ewigen WM-Torjägerliste. Die Ghanaer zeigten sich von dem Rückstand beeindruckt und fanden erst langsam zu geordneten Kombinationen. Brasilien agierte abwartend und suchte bei eigenem Ballbesitz immer wieder das schnelle Zuspiel in die Tiefe. Eines davon nahm Adriano in der 13. Minute auf. Doch statt frei vor Kingston Ronaldo mit einem einfachen Querpass den Doppelpack zu ermöglichen, zog Adriano ein Dribbling gegen den Torhüter vor. Die folgende Schwalbe des bulligen Stürmers ahndete Schiedsrichter Michel mit der Gelben Karte. Eine überraschend defensive Ausrichtung der Mannen vom Zuckerhut brachte den Black Stars optisches Übergewicht. Dadurch fanden die Afrikaner immer besser ihren Rhythmus. Erster Beleg für diese Entwicklung war ein strammer Distanzschuss von Dramani, den Dida allerdings mühelos über die Latte lenkte (18.). Amoah hatte bei seinem "Heimspiel" dann die größte Möglichkeit zum Ausgleich, verzog jedoch von der Strafraumkante mit einem Flachschuss denkbar knapp (24.). Das Team von Carlos Alberto Parreira raffte sich nur mühsam zu mehr Konzentration auf und musste eine weitere Großchance von Gyan Asamoah überstehen, der stark bedrängt vom Fünfereck das Gehäuse letztlich klar verfehlte (35.). Die Brasilianer hatten das Geschehen seit geraumer Zeit nur noch scheinbar im Griff. Offensiv kamen sie kaum über Ansätze hinaus, da ihnen das kämpferische Engagement vollkommen abging. Und in der Abwehr beschworen schwere Schnitzer immer wieder Gefahr hervor. So geschehen, als Mensah aus vier Metern unbedrängt auf den Fuß von Dida köpfte (41.). Ein Remis wäre längst verdient gewesen. Stattdessen folgte auf der Gegenseite in der Nachspielzeit der ersten Hälfte die eiskalte Dusche. Ein Konter über Lucio, Kaka und Cafu fand schließlich den Weg zu Adriano, der aus Abseitsposition mit dem Oberschenkel vollstreckte. Der Spielverlauf war mit diesem Treffer aus heiterem Himmel komplett auf den Kopf gestellt. Trainer Ratomir Dujkovic, der nach eindringlichen Protesten zu Beginn der zweiten Hälfte auf die Tribüne verbannt wurde, musste nun hinter verschlossenen Türen aus einem ernüchternden Resultat neue Motivation für seine Schützlinge generieren.

Der Stachel des späten Gegentreffers saß tief. Dazu hatten die Brasilianer ihre Defensive mit der Hereinnahme von Gilberto Silva für den schwachen Emerson gestärkt. Damit wurden die zunehmend ungenau vollendeten Angriffe der Ghanaer schon weit vor dem eigentlichen Gefahrenfeld unterbunden. Fußballerisch beschränkte sich die Selecao allerdings nur auf das Nötigste. Im Gefühl des sicheren Sieges überließen sie den Afrikanern weitgehend das Spielfeld. Nur in ganz seltenen Fällen ließen Ronaldinho & Co. ihre filigranen Fähigkeiten aufblitzen. Auf Pass des Weltfußballers hatte Roberto Carlos die dicke Gelegenheit zur endgültigen Entscheidung, scheiterte aber aus halblinker Position an Keeper Kingston (58.). Eine dahindümpelnde Partie unterbrach lediglich Gyan Asamoah mit seinen beiden Versuchen aus 15 Metern, die Dida jeweils erst im Nachfassen unter sich begrub (69./79.). In der Schlussphase ließ die Kraft bei Ghana spürbar nach, und auch der Glaube an ein Weiterkommen schwand immer mehr. Brasilien ließ derweil die Zauberkiste ein weiteres Mal verschlossen, obwohl Ze Roberto fünf Minuten vor dem Ende sogar noch der dritte Treffer gelang. Ein viertes Gegentor für die Black Stars verhinderte Kingston gegen Ronaldo (88.), Cafu (90.) und Juan (93.). Das 3:0 für den spielerisch enttäuschenden Weltmeister war ohnehin schon schmeichelhaft genug.

Kai Endres

4-4-2

Startelf


1Nelson Dida (3)

2Cafú (3,5)

6Roberto Carlos (4)

3Lucio (3)

4Juan  (4)

10Ronaldinho (4,5)

8Kaka  (3,5)

5Emerson  (4,5)

11Zé Roberto  (2,5)

7Adriano    (5)

9Ronaldo  (3,5)

 


(2,5)Richard Kingson22

(3,5)  Eric Addo18

(3,5)Haminu Draman23

(4)Sheila Illiasu7

(4,5)John Mensah5

(4,5) John Paintsil15

(4,5)Emmanuel Pappoe6

(3) Stephen Appiah10

(3,5) Sulley Muntari11

(4,5) Matthew Amoah14

(5)  Asamoah Gyan3

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20Ricardinho  (–)

19Juninho  (4)

17Gilberto Silva  (3)

 


(4) Derek Boateng9

(–) Alexander Tachie-Mensah12

Endrunde
Samstag, 24.06.2006 Deutschland2:0 Schweden
Samstag, 24.06.2006 Argentinien1:1 n.V. Mexiko
Sonntag, 25.06.2006 England1:0 Ecuador
Sonntag, 25.06.2006 Portugal1:0 Niederlande
Montag, 26.06.2006 Italien1:0 Australien
Montag, 26.06.2006 Schweiz0:3 n.E. Ukraine
Dienstag, 27.06.2006 Brasilien3:0 Ghana
Dienstag, 27.06.2006 Spanien1:3 Frankreich

„Wir sind nur Underducks.”

— Reiner Calmund