Weltmeisterschaft

Spielbericht & Statistiken

· Zuschauer: 65.000 · Schiedsrichter: Eric Poulat

1:0 Tamada (34.)
1:4
(1:1)
1:1 Ronaldo (45.)
1:2 Juninho (53.)
1:3 Gilberto (59.)
1:4 Ronaldo (81.)

15 Minuten Weltklasse entschieden

Sein wunderbares Tor ärgerte die Brasilianer nur kurzzeitig: Keiji Tamada
Mit einer beeindruckenden Leistung bestätigte Brasilien seinen Anspruch auf den Weltmeistertitel im letzten Gruppenspiel. Eine Viertelstunde mit drei nahezu perfekt heraus gespielten Toren zwischen der 45. und 59. Minute reichte dem Favoriten, um die bis dahin überaus frechen Nippon-Kicker in die Schranken zu weisen. Und Ronaldos Comeback war ebenfalls dabei.

Hauptdarsteller der ersten Toraktion dieser Partie war der viel gescholtene Ronaldo. In der 7. Spielminute hatte er plötzlich Beweglichkeit erkennen lassen, war halblinks im Strafraum frei, doch Torwart Kawaguchi wehrte herzlos ab. Kaka setzte mit seinem Abschluss übers Tor (9.) den Reigen fort und Robinho (11., erneut eine Kawaguchi-Parade) machte die drei ersten guten Tormöglichkeiten voll. Der erwartet schwere Arbeitstag für die Japaner schritt nach gut zehn Minuten Spielzeit längst seinem Höhepunkt entgegen. Nach einem zu hohen Inamoto-Schuss prüfte Wirbelwind Robinho (15.) erneut den Keeper und die Angriffswellen der Selecao schienen nicht enden zu wollen. Unbeeindruckt suchten die flinken Asiaten aber ebenfalls jede Möglichkeit, über die Flügel den Favoriten zu ärgern. Das Duell Ronaldo-Kamaguchi ging nach 20 Minuten in die nächste Runde. Wieder meisterte Kawaguchi den guten Schuss des Real Madrid-Stürmers. Juninho (22., Zentimeter übers Tor), Silva (24., fast ein Eigentor) und Maki (25., weiter rüber) waren an den besseren Angriffen der Folgezeit beteiligt, bis sich die Gegner eine zeitlang neutralisierten und die Tornähe ausgespart wurde. In der 34. Minute dann der Schock für den Favoriten. Über links zauberte sich der gebürtige Brasilianer Alex an zwei ehemaligen Mitbürgern vorbei, setzte Tamada halblinks steil ein, der die Kugel humorlos ins Dreick der kurzen Ecke zimmerte. Wütende Angriffe der Südamerikaner folgten, hatten aber überhastete Abschlüsse. Japan stand gut, spielte seine Laufstärke und Zweikampfgeschicklichkeit aus und war immer für einen flotten, allerdings auch oft zu hastig vorgetragenen Konter gut. Makis Kopfball in der 45. Minute, nicht gefährlich genug, hätte fast das 2:0 gebracht, doch in der Nachspielzeit endete eine Stafette über Ronaldinho und Cicinho bei Ronaldo am langen Pfosten, wo der Torjäger trocken zum 1:1-Halbzeitstand einnickte. Eine hochinteressante erste Halbzeit hatte einen weiteren Höhepunkt produziert.

Eine Traumkombination der Brasilianer in der 51. Minute, mit der Endstation Ronaldo, landete zwar knapp neben dem rechten Pfosten, setzte den flotten Kick höchster Qualität fort. Juninhos exzellenter Strich, der im linken Toreck einschlug, passte punktgenau in die großartige Partie (54.). Das 3:1 verpasste Ronaldo nur einen Angriff später. Die Selecao war in ihrem Element und mittlerweile auf WM-Temperatur. Nur fünf Minuten später ein Zuckerpass von Ronaldinho auf den links außen durchbrechenden Herthaner Gilberto, der wie im Lehrbuch flach ins lange Eck traf. Ein erneuter Zungeschnalzer. Kawaguchi hatte bei keinem Tor eine Chance, musste aber zwischen der 63. und 64. Minute dreimal hintereinander eingreifen. Die Japaner hatten den Löwen geweckt, mussten zudem den gerade eingewechselten Takahara nach wenigen Minuten mit schmerzverzerrtem Gesicht wieder herunternehmen. Der Zwischenspurt der Selecao hatte die Verhältnisse vorerst wieder gerade gerückt. Ronaldinho und Kaka durften sich aber ab der 72. Minute schonen. Die Luft war zwischenzeitig aus dem Spiel, denn die Asiaten spielten nun doch scheinbar respektvoller. Ihre Fehlpässe häuften sich, aber auch die Brasilianer hatten längst einige Gänge zurückgeschaltet. "Auslaufen mit Ball", stellte ZDF-Reporter Bela Rethy zu diesem Zeitpunkt mit Blick auf den Favoriten treffsicher fest. Nur noch fünf Spieler aus der Stammelf Trainer Parreiras waren auf dem Platz, um die derweil handzahmen Japaner weiterhin zu besänftigen. Ein sensationell minimaler Ronaldo machte dann in der 80. Minute mit einem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze seinen 14. WM-Treffer perfekt und schloss zu Gerd Müller in der ewigen Torjägerliste aller World-Cups auf. Nach diesem einsamen Höhepunkt der restlichen Schlussphase wurde eine der besten Partien dieses Turniers abgepfiffen.

Ulrich Merk

4-4-2

 


(3,5) Nelson Dida1

(3)Cicinho13

(3,5)Lucio3

(3)Juan4

(3)  Gilberto16

(2,5) Ronaldinho10

(3,5) Kaka8

(3) Juninho19

(2,5)Gilberto Silva17

(2,5)Robinho23

(1,5)  Ronaldo9

Reservebank


6Koji Nakata  (4)

16Masashi Oguro  (–)

9Naohiro Takahara   (–)

 


(–) Rogerio Ceni12

(–) Ricardinho20

(–) Zé Roberto11

Endrunde
Samstag, 24.06.2006 Deutschland2:0 Schweden
Samstag, 24.06.2006 Argentinien1:1 n.V. Mexiko
Sonntag, 25.06.2006 England1:0 Ecuador
Sonntag, 25.06.2006 Portugal1:0 Niederlande
Montag, 26.06.2006 Italien1:0 Australien
Montag, 26.06.2006 Schweiz0:3 n.E. Ukraine
Dienstag, 27.06.2006 Brasilien3:0 Ghana
Dienstag, 27.06.2006 Spanien1:3 Frankreich

„Telefonieren Sie mit uns oder rufen Sie uns an!”

— Jörg Wontorra