Charaktertest bestanden, aber Befreiungsschlag verpasst: Bayer Leverkusen hat auf die jüngsten zwei Klatschen nicht mit einem Sieg geantwortet. Die Mannschaft von Trainer Xabi Alonso kam gegen den überaus biederen VfL Wolfsburg in einem Spiel mit irren Wendungen trotz deutlicher Überlegenheit nicht über ein 2:2 (1:1) hinaus.Moussa Diaby, der zunächst einen Handelfmeter kläglich vergeben hatte (10.), brachte Bayer in der 17. Minute in Führung. Wolfsburg kam in der 28. Minute durch das Eigentor von
Robert Andrich zum schmeichelhaften Ausgleich und ging durch Kapitän
Maximilian Arnold (54., Foulelfmeter) gar in Führung.
Jeremie Frimpong (76.) rettete Bayer wenigstens einen Punkt. Die Wölfe bauten ihre Mini-Serie auf fünf Pflichtspiele ohne Niederlage aus. Leverkusen verließ zumindest bis Sonntag die Abstiegszone.
"Wir müssen es lieben zu verteidigen", hatte Alonso nach dem 1:5 bei Eintracht Frankfurt gefordert - und gegen die Wölfe sieben Akteure aufgeboten, deren Stärken eher im Spiel gegen den Ball liegen. Der glücklose Torjäger
Patrik Schick musste wegen Adduktorenprobleme kurzfristig passen.
Früh im Spiel erhielt Bayer die Mega-Chance zur Führung. Diaby dribbelte bis zur Grundlinie, seine Hereingabe wehrte
Micky van de Ven mit der Hand ab. Der Bayer-Angreifer trat selbst an - und schoss deutlich am Tor vorbei. Leverkusen blieb vor 26.294 Zuschauenden, darunter Bundestrainer Hansi Flick, aber dran.
Wolfsburg war zunächst nur in der Defensive gebunden. Es war nicht das einzige Negative: Die Gäste hatten sich bei der Anreise einen Ignoranz- und Arroganz-Anfall geleistet. Mehrere VfL-Teammitglieder hatten im ICE keine Mund- und Nasenbedeckung getragen, zudem sollen sich Spieler despektierlich gegenüber dem Bahnpersonal verhalten haben. In einer Stellungnahme sprach der VfL von "nicht zu tolerierendem Fehlverhalten". Der Klub bat um Entschuldigung und kündigte eine Aufarbeitung an.
Dem Leverkusener Zug zum Tor war die Wolfsburger Hintermannschaft in der 17. Minute nicht mehr gewachsen: Diaby spielte mit Schick-Vertreter Adam Hlozek einen simplen Doppelpass, lief allein auf
Casteels zu und tunnelte den Belgier.
In der 28. Minute wurde das frische Selbstvertrauen der Werkself allerdings auf eine Probe gestellt: Wolfsburg kombinierte sich erstmals halbwegs gefährlich nach vorn, die Hereingabe von
Ridle Baku hätte aber wohl nichts eingebracht - wenn Andrich den Ball nicht ins eigene Tor geklärt hätte.
Wolfsburg nutzte humorlos die Verunsicherung des Gegners.
Edmond Tapsoba foulte kurz nach der Pause
Felix Nmecha im Strafraum, Arnold verwandelte trocken. Alonso wurde in seiner Coaching Zone immer emotionaler. Beim verdienten Ausgleich durch Frimpong jubelte er ausgelassen.
(sid)