Noch weniger als in den beiden höheren Spielklassen kristallisiert sich im Vorhinein in der 3. Liga ein klares Bild für einen möglichen Saisonablauf heraus. Die Zweitligaabsteiger aus Aalen und Aue sind personell derart verändert, dass sie keineswegs automatisch für einen direkten Wiederaufstieg in Frage kommen.
Ulf Kirstens Formulierung, die 3. Liga sei die "Bundesliga des Ostens" trifft zu. Mit acht Mannschaften ist der Osten der Republik äußerst stark repräsentiert - auch bezüglich des zu erwartenden Kampfes um die Aufstiegsplätze. Dynamo Dresden und der Chemnitzer FC sollten oben ein Wort mitsprechen, der Hallesche FC und Hansa Rostock in der Verfolgergruppe mitmischen. Die umfangreichen personellen Veränderungen bei Energie Cottbus, Rot-Weiss Erfurt sowie Zweitligaabsteiger Erzgebirge Aue erlauben keine belastbaren Prognosen - genauso wenig, wie für Aufsteiger FC Magdeburg, der zumindest einen erfolgreichen Saisonstart feierte (2:1 gegen Erfurt).
Einer der Saisonmitfavoriten kommt aus dem hohen Norden: Holstein Kiel, erst in der Relegation an 1860 München gescheitert, sieht sich auf einem vielversprechenden Weg. "Ich glaube, wir haben einen ausgewogenere Mannschaft als im letzten Jahr", sagt Trainer Karsten Neitzel. "Der Kader ist nicht größer geworden, ich denke aber qualitativ besser." Die Stuttgarter Kickers sollte man ebenfalls auf der Rechnung haben. Überraschend wäre es hingegen, wenn Absteiger VfR Aalen sich im Vorderfeld platzieren würde. Viel zu groß erscheint der Umbruch (21 Abgänge), als dass höhere Ziele angepeilt werden könnten. Coach Peter Vollmann strebt dementsprechend auch lediglich den Klassenerhalt an. Ganz andere Ziele verfolgt man beim SV Wehen-Wiesbaden: "Wir haben die Jungs bekommen, die wir haben wollten. Was die Vorbereitung betrifft, bin ich mit allen Spielern des Kaders extrem zufrieden", glaubt sich Trainer Sven Demandt gerüstet, um den Aufstieg mitzuspielen. "Womöglich gibt es acht, neun oder sogar zehn Teams, die für einen Spitzenplatz infrage kommen", erwartet er eine kompakte Spitzengruppe.
Drei Bundesligisten haben "Filialen" in der 3. Liga: Der FSV Mainz, der VfB Stuttgart und neuerdings Werder Bremen. Werder II-Coach Alexander Nouri freut sich auf die gesteigerte Herausforderung: "Mit dem Spiel in Rostock erleben wir gleich die komplette Bandbreite dieser Liga. Ein starker Gegner, ein schönes Stadion und eine große Kulisse." Die Südklubs SG Sonnenhof Großaspach und Aufsteiger Würzburger Kickers dürften, gleich den Bremern, zuvorderst um den Klassenverbleib kämpfen. Fragezeichen stehen hinter den Chancen der Traditionsklubs Preußen Münster, VfL Osnabrück und Fortuna Köln. "Münster hatte in den vergangenen Jahren die älteste Mannschaft der 3. Liga, davon wollten wir weg", erklärt Trainer Ralf Loose, warum nach dem Umbruch (12 Abgänge) die Ziele noch nicht zu hoch gesteckt werden sollten. Osnabrück muss den Dämpfer der schlechten letzten Saison verdauen und die Fortuna sieht sich nicht in der Lage, dauerhaft mit den Besten der Liga mitzuhalten: "Wir müssen immer an unsere Grenzen gehen, um konkurrenzfähig zu bleiben", sagt Übungsleiter Uwe Koschinat. Der Klassenerhalt ist deshalb die Vorgabe.
Zum ersten Mal wird ein Europameister auch Weltmeister, das hat zuletzt Deutschland geschafft.
— Béla Réhty