Am Aus vorbeigeschrammt

von Günther Jakobsen10:08 Uhr | 14.03.2013

Fast wäre Bayern München im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden und hätte sich dann fragen müssen: Wie konnte das überhaupt zustande kommen? Nach der 0:2-Heimpleite gegen einen offensiv harmlosen FC Arsenal, der ersten Pflichtspielniederlage seit Ende Oktober, erreichte der deutsche Rekordmeister lediglich dank des einen mehr geschossenen Auswärtstreffers das Viertelfinale.

Trotz des 3:1-Hinspielsieges in London wollten die Münchner das Rückspiel gegen den FC Arsenal nicht unterschätzen. Allerdings mussten sie mit Ribery (verletzt) und Schweinsteiger (gesperrt) auf zwei ihrer wichtigsten Leistungsträger verzichten. Immerhin erging es den Gunners personell überhaupt nicht besser. Podolski, Sagna sowie Wilshere fehlten verletzt, und der angezählte Arsenal-Trainer Wenger gönnte zudem Stammkeeper Szczesny eine schöpferische Pause. Die Gäste aus England hatten im Vorfeld angekündigt, ein frühes Tor erzielen zu wollen, und sie ließen ihren Worten Taten folgen. Gleich der erste gelungene Angriff führte zur Führung. Bayerns Linksverteidiger Alaba rutschte im eigenen Strafraum aus, die Kugel kam zu seinem Gegenspieler Walcott, und dessen Querpass jagte Giroud über die Torlinie (3.). Aber auch nach der frühen Führung war Arsenal noch mindestens zwei Treffer vom Viertelfinale entfernt. Doch die Gäste agierten nicht so wie eine Mannschaft, die unter Zugzwang stand. Sie ließen die Bayern das Spiel machen und lauerten selbst auf Konter. Bei den eindeutig feldüberlegenen Münchnern kam der finale Pass gegen eine clever verteidigende Arsenal-Abwehr zu selten an. Allerdings riskierte die Platzelf im Spiel nach vorne nicht so viel wie sonst und legte mehr Wert auf eine stabile Defensive. Die vielen in den Londoner Strafraum geschlagenen Flanken und Hereingaben wurden von Arsenals Defensivkräften meist geklärt. Nach einer halben Stunde landete ein Abwehrversuch des deutschen Innenverteidigers Mertesacker bei Müller, aber dessen Schuss dann nur ans Außennetz.

Ansonsten kamen die Hausherren vor allem aus dem Rückraum zum Abschluss. Die Distanzversuche von Robben (47.) und Kroos (48.) strichen am Tor vorbei. In der Defensive schienen die Münchner das Geschehen im Griff zu haben. Wenn die Gunners mal selbst das Spiel machen mussten, dann waren sie sichtlich einfallslos. Die erhofften Kontermöglichkeiten waren rar gesät. Nach einer knappen Stunde hatte die Platzelf jedoch mächtig Glück, dass der alleine aufs Tor zulaufende Walcott wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung irrtümlicherweise zurückgepfiffen wurde (56.). Danach waren die Bayern wieder am Drücker. Luiz Gustavos Versuch aus der zweiten Reihe verfehlte lediglich knapp den linken Pfosten (64.). Vier Minuten später lief Robben alleine aufs Arsenal-Tor zu, scheiterte jedoch am etatmäßigen Ersatzkeeper Fabianski. Im Laufe der zweiten Halbzeit wagten sich die Engländer nur zaghaft mehr nach vorne. Nach den Einwechslungen von Gervinho und Oxlade-Chamberlain (72.) wurde die bis dahin sattelfeste Bayern-Abwehr immerhin nervös. Gleich drei Gegenspieler konnten Gervinho nicht am Abschluss hindern und hatten Glück, dass der Ivorer mit seinem Abschluss das Münchner Gehäuse verpasste (79.). Ausgerechnet in einer Phase, in der die Gastgeber die Partie wieder unter Kontrolle zu haben schienen und durch Müller eine gute Gelegenheit zum Ausgleich besaßen (82.), fiel das 2:0 für die Wenger-Elf. Nach einer Ecke kam Koscielny gegen Javi Martinez, der zuvor mit der dritten Gelben Karte eine Sperre fürs Viertelfinal-Hinspiel kassiert hatte (82.), zum Kopfball, und die Kugel schlug im rechten unteren Torwinkel ein (85.). Nun war der deutsche Rekordmeister nur noch ein Gegentor vom Ausscheiden im Achtelfinale entfernt. Nach ein paar Minuten Zittern, aber bezeichnenderweise ohne eine weitere Chance für die insgesamt bieder auftretende Gastmannschaft, hatte Bayern München das Viertelfinale der Champions League erreicht.

Senthuran Sivananda



Mir sin noch net im Finale, mir müsset erst Fußball spiele!

— Christian Streich, Trainer des SC Freiburg, vor dem Pokal-Halbfinale beim Hamburger SV (3:1) in der ARD.