Spielerporträt

Ein Ninja-Turtle wird erwachsen

Xherdan Shaqiri, Bayern München und Borussia Mönchengladbach müssten sich eigentlich bei Ottmar Hitzfeld bedanken. Denn ohne den Rat des Schweizer Nationaltrainers wäre der Flügelflitzer wohl wie sein ehemaliger Basler Teamkamerad und Nationalmannschaftskollege Granit Xhaka am Niederrhein gelandet.

Und die Frage ist, ob sich Shaqiri bei den Borussen, die sich am Anfang der Saison in einem fragilen Zustand präsentierten, durchgesetzt hätte. Vielleicht wäre er genauso wie sein Nationalmannschaftskollege Xhaka auf der Gladbacher Ersatzbank gelandet. Und vielleicht hätte sich dann Xhaka ein anderes, größeres Ventil als ein Interview ausgesucht, um seinen Frust am Reservistendasein rauszulassen.

Aber hätte, hätte, Fahrradkette. Xhaka ist in Mönchengladbach gelandet, aber noch nicht angekommen. Shaqiri ist dagegen bei den Bayern beides gelungen, obwohl er beileibe noch kein Stammspieler ist. In seinem ersten Halbjahr beim deutschen Rekordmeister kam der Schweizer in zwanzig Pflichtspielen zum Einsatz, zwölfmal davon wurde er allerdings eingewechselt. Als sogenannter polyvalenter Spieler ist der Neuzugang vom FC Basel auf allen Positionen im offensiven Mittelfeld einsetzbar. „Ich würde mich als Nummer zehn bringen“, sagte Shaqiri vor dem Wechsel nach München. Aber in der bayrischen Landeshauptstadt hat er im zentralen offensiven Mittelfeld mit Toni Kroos und Thomas Müller gleich zwei starke Konkurrenten vor der Brust. Derzeit ist er an der Isar vor allem für die Außenbahnen vorgesehen.

Die Münchner sind zwar immer noch von ihrem Linksaußen Ribery abhängig wie vor Shaqiris Verpflichtung. Aber im Gegensatz zu Takashi Usami, den die Bayern in der Vorsaison als Ribery-Backup ausgemacht hatten, scheint der Sohn kosovo-albanischer Einwanderer tatsächlich in der Lage zu sein, irgendwie in die noch zu etwas großen Fußstapfen des französischen Nationalspielers zu treten.
Und in der Zwischenzeit ist der Schweizer den Bayern als Einwechselspieler wichtig genug. Shaqiri erinnert mit seinen Jokerqualitäten an den späten Mehmet Scholl. Nicht nur deswegen vergleicht Hitzfeld den Flügelflitzer mit dem aktuellen Trainer der Münchner Regionalliga-Mannschaft. „Man sieht schon Parallelen zu Mehmet Scholl, der ja auch ein grandioser Instinktfußballer war“, sagte der 63-Jährige, der mit Bayern München und Borussia Dortmund als Coach die Champions League gewann.

Wie Scholl ist auch Shaqiri nicht auf den Mund gefallen. Sein ehemaliger Basler Trainer Thorsten Fink, der mittlerweile beim Münchner Ligakonkurrenten Hamburger SV an der Seitenlinie stand und immer noch steht, lästerte einmal: „Von seiner Figur her, sieht er aus wie ein Ninja-Hero-Turtle.“ Und nachdem Shaqiris Wechsel zu den Bayern bekanntgegeben worden war, legte Fink nach: „Er hat die Qualität, und er kann sich sicher noch steigern. Aber er muss sich am Riemen reißen. Ich denke, er sollte drei bis vier Kilo abnehmen - und zwar nicht nur an Muskelmasse.“ Auf den Konter des 21-Jährigen musste der HSV-Trainer nicht lange warten. „Thorsten Fink hat andere Sorgen, als mich anzuschauen. Er soll schauen, dass er mit Hamburg da unten rauskommt“, wurde der Nationalspieler zitiert.

In München hat sich Shaqiri bislang zusammenreißen können. „Ich erhoffe mir nun in der Rückrunde noch mehr Einsatzzeiten, aber das wird man sehen“, erzählte er leise nach dem letzten Hinrundenspiel gegen die Gladbacher Borussen (1:1), bei denen er fast gelandet wäre und gegen die er sein erstes Bundesligator für die Bayern erzielte. „Wenn es so bleibt wie bisher und wir Meister werden, dann ist alles in Ordnung. Der Trainer macht das sehr gut mit der Rotation, also kann ich bislang sehr zufrieden sein.“

Senthuran Sivananda