EM-Qualifikation

Erstmals von Polen geschlagen

Das Chancenverhältnis im Spitzenspiel der Qualifikations-Gruppe D zur Fußball-Europameisterschaft 2016 pendelte zwar mehr als nur deutlich in Richtung der Deutschen aus, doch am Ende siegten glückliche Polen über den Weltmeister, der sich selbst um den Erfolg brachte.

Mit einem stark ersatzgeschwächten, aber mit einem immer noch mit international bewährten Klassespielern besetztem Konglomerat antretend, wollte Bundestrainer Löw die von ihm so angekündigte "höchste Hürde" in der EM-Qualifikation meistern. Sein Team legte im Warschauer Nationalstadion auch dominierend los. Die Polen zogen sich von Beginn an tief in die eigene Hälfte zurück und suchten ihr Heil in gelegentlichen Gegenstößen. Obwohl Kroos & Co. geduldig an dem ein oder anderen Durchschlupf in der Deckung der Gastgeber arbeiteten, kam es anfangs nur vereinzelt zu Torszenen (10., Müller). Diese häuften sich, als Debütant Bellarabi, dessen vielfältige Aktivitäten in Sachen Ballgewinn und offensiver Einleitungen nun öfter herausstachen, immer mehr das deutsche Angriffsspiel prägten. Der Leverkusener hatte, allerdings waren bereits 38 Minuten gespielt, die beste Möglichkeit mit einer Direktabnahme am linken Torraumrand nach einer Götze-Flanke von rechts, schoss aber mit links Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Zuvor hätten Hummels (18.) und Müller (32.) auch etwas mehr aus ihren Möglichkeiten machen können, trafen aber ebenso wenig. Vor der Pause hatten der Debütant (44.) sowie nochmals Müller (39., 43.) und Hummels (45.) weitere gute Einschussgelegenheiten, doch das Tor der Polen blieb aus unerfindlichen Gründen von konkreten Einschlägen verschont.

Die Überlegenheit der Löw-Truppe setzte sich nach der Halbzeit ohne Pause fort. Während Deutschland aber anfangs kaum zu einer Torchance kam, konterten die Hausherren erstmals effektiv und trafen zudem völlig überraschend zum 1:0. Durm hatte einen weiten Schlag auf den rechten Flügel der Polen mit dem Kopf nur in die Füße von BVB-Kamerad Piszczek klären können, dessen Flanke erreichte Milik vor dem herauslaufenden Neuer mit dem Schädel und vollendete mit seiner Weiterleitung ins linke Toreck zum Führungstreffer (51.). Danach schnürten die Deutschen ihren Gegner wieder intensiv in dessen Hälfte ein und erspielten sich auch Möglichkeiten am laufenden Band. Allerdings fanden weder Schürrle (dreimal), noch Götze, Durm und Bellarabi das nötige Glück und Zielwasser im Abschluss. Mit Draxler und Podolski (später noch Kruse) wechselte Löw weitere Offensivkräfte ein, holte auch noch ca. zehn weitere Hochkaräter heraus, wobei vor allem ein Lattenknaller von Podolski herausstach (81.), doch der Ausgleich gelang den starken Deutschen partout nicht. Im Gegenteil: einer der wenigen Konter Polens führte gar zum 2:0 durch Mila, der vom durchgebrochenen Lewandowski bestens bedient worden war (88.). Trotz über vier Minuten Nachspielzeit wollte den Deutschen auch in der Nachspielzeit nichts Zählbares glücken, so dass der historische Sieg für die feiernden Polen Realität wurde.
Ulrich Merk