Europa League

Glücksritter in blau

Über die Gesamtdistanz betrachtet, hatte Benfica mehr vom Spiel. Ihre mangelhaften Abschlussqualitäten kosteten die Portugiesen allerdings einen möglichen Erfolg. In der Nachspielzeit köpfte Ivanovic die „Blues“ zum Titel.

In sechs Finals auf europäischer Ebene hatte Benfica zuvor den kürzeren gezogen - und stockte diese traurige Bilanz in Amsterdam noch auf. An der Spielanlage der Portugiesen hätte es nicht scheitern müssen. Nach etwa zehn Minuten nahm die Elf von Trainer Jorge Jesus die Fäden in die Hand und schnürte den britischen Kontrahenten zeitweilig am eigenen Sechzehner ein. Dann jedoch fehlte der konsequente und auch gekonnte Abschluss. Gaitan (13./34.) und Rodrigo (16.) patzten bei besten Einschussmöglichkeiten; an anderer Stelle zauderte man zu lange, so dass Chelseas Abwehr Gelegenheit fand, die Lücken zu schließen. Lampards 20-Meter-Schuss, den Benfica-Keeper Artur mit Mühe parierte, markierte die einzige überzeugende Torchance der Engländer, die in den ersten 45 Minuten klar enttäuschten.

Benficas Überlegenheit hielt vorerst an. Nach wie vor schienen die Portugiesen der Führung wesentlich näher als Chelsea, ebenso unvollkommen agierten sie jedoch im Abschluss. Urplötzlich dann der Schock für Benfica: Über einen Abwurf Cechs zu Mata, der direkt weiterleitete, kam der Ball zu Torres. Der spanische Goalgetter behauptete sich robust gegen zwei Gegenspieler, versetzte auch noch Artur und schob überraschend zum 1:0 für die „Blues“ ein (60.). Ein überflüssiges Handspiel Azpilicuetas eröffnete Lissabon eine Elfmeterchance zum Ausgleich, die Cardozo mit einem harten Linksschuss nutzte (67.). Der Ausgleich stabilisierte die kurzzeitig angeknockten Portugiesen, die sich wieder Feldvorteile verschafften und in der 82. Minute an Cech scheiterten, der Cardozos gefährlichen Schuss parierte. Nach einem Schreckmoment für die Portugiesen, als Lampard das Leder aus der Distanz an den Querbalken hämmerte (88.), bereitete sich Benfica allmählich auf eine Verlängerung vor. Es sollte jedoch nicht soweit kommen. Chelsea raffte sich ausgangs der Partie zu einigen Gegenstößen auf und bekam in der dritten Minute der Verlängerung einen Eckstoß. Benfica überließ dabei Ivanovic zu viel Freiraum, der per Kopf relativ unbedrängt das lange Eck anvisierte und zum 2:1 traf. Chelsea hielt als noch amtierender Champions League-Sieger nun auch die Europa League-Trophäe in Händen und stieg in die exklusive Riege jener Klubs auf, die alle europäischen Cups gewinnen konnten (FC Bayern, Ajax, Barca und Juve). „Wir hatten Glück, aber man muss sich sein Glück auch verdienen …“, meinte Frank Lampard anschließend. Chelseas Beharrlichkeit hatte sich durchgesetzt.
André Schulin