Bundesliga

Vorschau Teil 6

Der FC Bayern muss nicht befürchten, dass seine Favoritenstellung hinterfragt wird. Vom VfL Wolfsburg wird aber genau das erwartet. Borussia Mönchengladbach kann sich ganz auf sich selbst und seine Champions League-Saison konzentrieren.

Borussia Mönchengladbach ließ nur 26 Gegentreffer zu, die Basis zum Erfolg. Lediglich der FC Bayern kassierte weniger (18). Lucien Favres Elf sicherte sich den dritten Rang aber nicht nur wegen der starken Defensive. Die Vielzahl versierter und torgefährlicher Offensivspieler im Mittelfeld ermöglichte den Borussen an hohes Maß an Flexibilität, die Spitzen wirkungsvoll in Szene zu setzen, was überaus gut auch auf fremden Plätzen funktionierte (27 Auswärtspunkte). Gladbachs erfolgreiche Personalpolitik war zudem ein Faktor der vergangenen Saison. Das hervoragende Abschneiden mit der direkten CL-Qualifikation will Sportdirektor Max Eberl jedoch differenziert betrachten: "Wir haben uns qualifiziert, weil wir eine fantastische Saison gespielt, andere es aber auch nicht so gut gemacht haben."
Durch die Transfers von Kruse (nach Wolfsburg) und Kramer (zurück nach Leverkusen) müssen nun zwei Schlüsselspieler ersetzt werden. Die langjährigen Gladbacher Marx (Karriereende) und Daems (KVC Westerloo) spielten wegen Verletzungen bereits im vergangenen Jahr keine Rolle mehr. Als Back-up für Torwart Sommer wurde Sippel (K´Lautern) verpflichtet, als Option für die Innenverteidigung der junge Schweizer Elvedi. Für den gleichen Mannschaftsteil lieh man auch den Dänen Christensen (Chelsea). Die entstandenen Vakanzen in Angriff und Mittelfeld sollen Drmic (Bayer) und Stindl (Hannover) füllen. Der Ex-96er deutete beim Pokalerfolg auf St. Pauli bereits an, welchen Stellenwert er bei der Borussia einnehmen könnte. Lucien Favre lässt Ehrgeiz durchblicken: "Wir wollen nicht Champions League spielen, nur um zu spielen. Aber die Meisterschaft ist das Wichtigste."

Der strukturierte Aufbau des VfL Wolfsburg unter der Doppelspitze Allofs/Hecking machte die Niedersachsen zum mehr oder minder souveränen Vizemeister. Am zehnten Spieltag übernahmen die "Wölfe" den zweiten Rang und gaben ihn nicht wieder her. Im DFB-Pokal glückte gar der Titelerfolg, zum ersten Mal in der Wolfsburger Geschichte. Spätestens mit dem 4:1-Erfolg über den FC Bayern zu Beginn der Rückserie, sowie dem Sieg im Supercup (6:5, n.E.) im August muss der VfL damit klarkommen, als härtester Rivale der Münchner wahrgenommen zu werden - sowie mit Abwerbungsversuchen seitens internationaler Topklubs betreffs Kevin De Bruyne.
Zur kommenden Saison wird sich der Kader nicht wesentlich verändern. Alle Leistungsträger wurden gehalten - bei De Bruyne werden die Gerüchte vermutlich erst nach Abschluss der Transferperiode enden - und drückende Baustellen in einzelnen Mannschaftteilen hatte man nicht. Mit der Verpflichtung Kruses (von Gladbach) holte man sich einen spielstarken Stürmer, was wohl das Angriffsportfolio komplettierte. Außerdem stehen Dieter Hecking (zum "Trainer des Jahres" gewählt) seit Juli die Neuzugänge F. Rodriguez (Rechtsaußen) und Ascues (Def. Mittelfeld) zur Verfügung. Klaus Allofs, Wolfsburger Geschäftsführer Sport, sieht im Kampf um die Meisterschaft die Münchner vorn: "Im direkten Aufeinandertreffen der fünf Top-Teams waren wir spitze, da haben die Bayern gar keine so starke Bilanz hingelegt. Was die Bayern in Perfektion beherrschen, ist diese Mega-Konstanz gerade gegen Gegner aus dem unteren Tabellendrittel."
Die Tabellenspitze eroberten die Münchner erst am fünften Spieltag, dann aber spielten sie ihre Überlegenheit in einer Form aus, die die Spannung im Meisterschaftsrennen frühzeitig austrieb. Die sehr hohe Verletzungsquote zahlreicher potenzieller Startelfspieler (Ribery, Robben, Lahm, Alaba ...) mag beim Verfehlen anderer Saisonziele eine Rolle gespielt haben - im Titelkampf nicht.
Der Wechsel Schweinsteigers zu Manchester United markiert den prominentesten FCB-Abgang dieser Transferphase. Außerdem gingen Pizarro, Weiser (Hertha) und Reina (SSC Neapel). An fußballerischer Potenz dürfte der Rekordmeister jedoch nicht verloren haben. Neben der Rückkehr ausgeliehener Akteure wie Kirchhoff, Green und Höjbjerg stoßen die Neuverpflichtungen Vidal (Juve), Costa (Schachtjor Donezk), Perspektivspieler Kimmich und Torhüter Ulreich (beide VfB Stuttgart) zum Kader. In den Vorbereitungsspielen beeindruckte besonders der Brasilianer Costa. "Er hat eine Qualität, die sehr schwer zu finden ist: Er kann dribbeln", meint Pep Guardiola. Die schon in der abgelaufenen Spielzeit überragende Offensive (80 Treffer, wobei sich die Bayern noch beim Auslassen guter Torchancen hervortaten) dürfte der Konkurrenz erneut viel Kopfzerbrechen bereiten. Der schon seit Jahren propagierte Spruch, dass die Bayern nur sich selbst schlagen können, steht, zumindest auf nationaler Ebene, wie in Stein gemeißelt. "Natürlich möchte ich gerne die Meisterschaft gewinnen. Niemand bisher hat vier Meisterschaften gewonnen in Folge, das wäre ein großer Schritt. Aber wir haben starke Konkurrenten. Außerdem will ich mit diesem Kader das Halbfinale der Champions League erreichen, mit allen Spielern, gesund", formuliert Guardiola seinen Anspruch.