Anfällige Bayern - Dardai für Luhukay

von Günther Jakobsen14:15 Uhr | 05.02.2015

Gladbach, Augsburg und Bremen holten sich auch im zweiten Rückserienspiel die volle Punktzahl, was die Europapokalränge der Erstgenannten festigte und Bremen binnen zweier Spieltage von Rang 16 auf 11 katapultierte. Paderborn, Hertha und Hoffenheim blieben ohne Rückserienpunkt. Wolfsburg konnte von Bayerns zweitem Ausrutscher nicht profitieren.

Hoffenheim sicherte sich die größeren Spielanteile - Werder die Punkte. Die Bremer zeigten jeweils in den Anfangsphasen beider Halbzeiten offensive Präsenz und erzielten in diesen Phasen ihre beiden Treffer (8., Di Santo/52., Bargfrede mit einem noch abgefälschten Schuss). Zwischenzeitlich glich Bicakcic nach einem Eckstoß aus (34.). "Wir waren sehr effektiv und haben vor allem gut angefangen", analysierte Viktor Skripnik. Mit diesem zweiten Sieg in der Rückserie hatte Werder einen kräftigen Satz, weg von den Abstiegsrängen hingelegt.
Auch die Kicker des benachbarten Stadtstaates Hamburg hatten am 19. Spieltag Anlass zur Zufriedenheit. Da unmittelbar nach dem Spielanpfiff (8 Sekunden später) ein zweiter Signalton des Unparteiischen einen Strafstoß zugunsten der Hanseaten anzeigte (Jansen wurde gefoult), konnte van der Vaart die frühe Führung im Gastspiel beim SC Paderborn vorlegen. Der Aufsteiger kämpfte in der Folge verbissen um den Ausgleich, blieb jedoch im Angriff zu harmlos. Hamburg baute die Führung ausgangs der Partie durch Jansen (72.) und Stieber (90.) auf 3:0, dem höchsten Resultat dieser Runde, aus.
Überhaupt kein Treffer fiel in der Partie 1. FC Köln vs. VfB Stuttgart. So richtig erwärmen konnte sich kein Beteiligter am Kick nebst der Punkteteilung, die Stuttgart immerhin einen Platz klettern ließ (auf 16). "Zum Spiel ist nicht viel zu sagen", meinte Gästecoach Huub Stevens und Peter Stöger fügte hinzu "Mehr haben wir uns heute nicht verdient."
Angesichts der fortgesetzten Probleme im Abschluss musste sich auch der BVB fragen lassen, ob im Spiel gegen den FC Augsburg mehr als die 0:1-Niederlage verdient wäre. Altintops geschickter Vorstoß in Dortmunds Sechzehner hatte den Weg für Bobadillas Siegtreffer geebnet (50.), den die Schwarzgelben trotz Überzahlspiels - Janker sah in der 64. Minute den roten Karton - nicht wettzumachen verstanden. "Wir laufen die ganze Saison nur Rückständen hinterher, das ist das, was uns fehlt: in Führung gehen, mal ein Spiel in Ruhe aufbauen", klagte BVB-Kapitän Mats Hummels.
Hertha BSC fing sich, gegen Bayer Leverkusen, ebenfalls eine 0:1-Heimniederlage ein, mit unangenehmen Folgen: Erstmals rutschten die Berliner auf einen Abstiegsrang (Platz 17.). Pech in der 8. Minute, als Hosogai aus kurzer Distanz nur gegen den Pfosten köpfte. Über die weitesten Strecken hatten die Gäste jedoch mehr vom Spiel und setzten den entscheidenden Vorstoß in der 49 Minute: Wendell flankte von linksaußen auf Kießling, der das Leder mit etwas Glück an Torwart Kraft vorbei schob. Am Donnerstag durfte sich Hertha-Coach Jos Luhukay dann seine Papiere abholen, für ihn übernahm der Ex-Spieler Pal Dardai.

Am Dienstag heimste lediglich Borussia Mönchengladbach drei Zähler ein. Herrmanns 1:0-Siegtreffer (23.) markierte allerdings einen etwas glücklichen Erfolg gegen couragierte Freiburger, die erstaunlich selbstbewusst das Heft in die Hand nahmen. Die gut mögliche Punkteteilung verpassten Christian Strechs Mannen jedoch. "Sie waren heute spielerisch besser als wir", gab Lucien Favre zu.
Die anderen drei Partien wurden jeweils mit einem 1:1-Endstand abgepfiffen. Vorab hätte ein solches Resultat den Schalkern im Auswärtsspiel beim FC Bayern wohl ungeteiltes Lob eingebracht; der Spielablauf hätte den Königsblauen aber mehr ermöglicht. Choupo-Moting scheiterte mit einem schwach getretenen Foulelfmeter an Neuer (18.) und der frühe Platzververweis von Jerome Boateng (17., Rote Karte) verschaffte den Westdeutschen ein gut 70-minütiges Überzahlspiel. Am Ende war Schalke jedoch froh, Robbens Führung (67., Kopfball) durch Höwedes ebenfalls per Kopf noch ausgeglichen zu haben (72.).
Wolfsburg konnte den Rückstand auf die Münchner nicht verkürzen, da man sich in Frankfurt mit einem Punkt begnügen musste. Der VfL war gegenüber der sehr engagiert auftretenden Eintracht das Team, das mehr Torgefahr ausstrahlte, die Chancen allerdings liegen ließ. Frankfurt ging nach Inuis starker Vorarbeit auf halblinks, die Aigner konsequent verwertete (58.), in Führung. De Bruynes später Treffer rettete Wolfsburg einen Zähler.
Das gerechtfertigte 1:1 zwischen Hannover und Mainz ließ sich nahezu Eins-zu-Eins chronologisch zuordnen: Die 96er verdienten sich ihre 1:0-Pausenführung (26., Briand), weil sie anfangs den höheren Druck aufbauten und das Geschehen nach der Führung kontrollierten. Die 05er übernahmen im Lauf der zweiten 45 Minuten die Führungsrolle auf dem Platz und nutzten eine ihrer Chancen schließlich zum Ausgleich, als Soto einen Abpraller ins Netz drückte (77).



Der Druck vor uns wird größer mit jedem Punkt, den wir holen.

— Martin Schmidt, Sportdirektor bei Mainz 05, über die Situation im Bundesliga-Abstiegskampf.