Die beiden letzten Achtelfinals gewannen die Favoriten, denen jedoch alles abverlangt wurde. Der Schweiz fehlten nur wenige Minuten, um Argentinien ins Elfmeterschießen zu zwingen und die US-Amerikaner, mit einem überragenden Tim Howard im Tor, waren nahe dran, in der Verlängerung einen Zweitore-Rückstand gegen Belgien zu egalisieren.
Torchancen waren rar. Argentinien hatte die Zügel in der Hand und verlagerte das Spielgeschehen zumeist in die Hälfte der Schweizer, blieb in der Spitze allerdings trotz namhafter Angriffsreihe - Lavezzi, Messi, Higuain, dahinter der umtriebige Di Maria - ziemlich stumpf. Die allerbeste Torgelegenheit eröffnete sich im ersten Spielabschnitt den Eidgenossen, als Drmic frei durch war, sein schlapper Versuch eines Hebers jedoch zur sicheren Beute von Argentiniens Schlussmann Romero wurde (39.). Auf der Gegenseite bestand Benaglio seine härteste Bewährungsprobe, als er einen Schuss Lavezzis aus spitzem Winkel parierte (30.). Zunächst konnte die Schweiz ihr souveränes Defensivspiel auch nach dem Seitenwechsel fortsetzen; ausgangs der zweiten Hälfte allerdings zogen die Südamerikaner das Tempo an und kamen häufiger in gute Schusspositionen. Messi indes gelangen nur zwei Schüsse (Benaglio parierte und einmal knapp drüber), der Topstar wurde gut geblockt. Der erste Teil der Verlängerung offerierte zwei Teams auf Augenhöhe - die Schweizer hielten die Partie völlig offen, was sich erst nach dem erneuten Seitenwechsel änderte. Dieser letzte Teil der Begegnung wurde eindeutig von Di Maria geprägt, der mit Abstand zum gefährlichsten Offensivspieler der Argentinier mutierte. Scheinbar unbeeindruckt von jedwedem Kräfteverschleiss zog er Sprints an, schoss mehrfach aufs Tor und wurde schließlich belohnt, als Messi, in seiner effektivsten Aktion, dem Teamkollegen die Vorlage zum späten 1:0-Siegtreffer herüberschob (118.). Es spricht für die Eidgenossen, dass sie diesen Schock schnellstmöglich wegsteckten und noch eine hochprozentige Ausgleichschance erarbeiteten - diese jedoch durch Dzemaili nicht nutzen konnte (köpfte aus kurzer Distanz an den Pfosten).
Das letzte Achtelfinalspiel, zwischen Belgien und der US-Auswahl, hatte bereits in der ersten Minute eine Szene zu bieten, die beispielhaft für diese dramatische Auseinandersetzung werden sollte: Ein Belgier, in diesem Fall der sehr stark auftrumpfende Origi, kam aus guter Position zum Abschluss und US-Keeper Howard rettete für sein Team. Die Vorbereitung ging von de Bruyne aus, der ebenfalls eine überzeugende Vorstellung ablieferte. Die Amerikaner benötigten eine gewisse Zeit, um sich auf die druckvollen Attacken einzustellen. Ein 16-Meterschuss von Demsey (21., Courtois auf dem Posten) markierte ihre noch beste Torchance vor der Pause; Belgien hatte die Sache weitgehend im Griff. Jürgen Klinsmanns Pläne wurden sicherlich durch den zeitigen Ausfall Johnsons (31., Oberschenkelverletzung) beeinflusst, allerdings enttäuschte der ins Spiel gebrachte Yedlin keinesfalls. Über seine rechte Seite bereiteten die Amerikaner vielversprechende Konterattacken vor - allein am finalen Zuspiel in die Spitze krankte ihr Spiel.
Belgien brauchte nach dem Seitenwechsel nicht lange, um eine Fülle gut- bis hochklassiger Torchancen herauszuspielen. Es fing an in der 54. Minute, als de Bruyne und Origi im Zentrum eine flache Hereingabe Vertonghens verpassten. Zwei Minuten später setzte Origi einen Kopfball auf den Querbalken und dann brach die große Zeit des Tim Howard an. Ob Origi, Mirallas, Hazard, Fellaini oder Kompany - alle scheiterten mit ihren gar nicht mal schlecht ausgeführten Abschlüssen reihenweise am amerikanischen Schlussmann. Das Können ihres Keepers rettete die US-Boys in die Verlängerung.
Ein Konter der Belgier brach schließlich den Bann. Vom eingewechselten Lukaku angespielt, traf de Bruyne aus spitzem Winkel zum 1:0 - Howard war wegen der kurzen Torentfernung machtlos (93.). Dies war Belgiens 33. Torschuss! Als Lukaku dann nach Vorarbeit de Bruynes zum 2:0 traf (105.), wieder war Howard chancenlos, schien alles entschieden, zumal die Kräfte aller Beteiligten doch arg strapaziert waren. Der von Klinsmann überraschend für die WM nominierte Youngster Green war jedoch kaum auf dem Platz, als sein etwas verrutschter, nichtsdestotrotz aber erfolgreicher Volleyschuss das 1:2 markierte (107.) und neue Kräfte freimachte. Im hoch spannenden Endspurt verpassten die Amerikaner einen möglichen Ausgleich nur knapp, gleichwohl hätte auch Belgien noch nachlegen können, doch Howard meisterte selbst eine 1:1-Situation gegen Lukaku (111.).
André Schulin
Solange uns die Hosen nicht die Knie runterrutschen, bin ich davon überzeugt, dass wir Weltmeister werden.
— Jürgen Kohler mit einer Prognose zu den Titelambitionen der deutschen Mannschaft vor dem Spiel gegen Schweden.