Die Treffer waren sehenswert, der Unterhaltungswert der zweiten 45 Minuten hoch und Schalke in die Champions League-Gruppenphase eingezogen. Dennoch mussten sich die Königsblauen nach dem 3:2 im Play-off bei PAOK Saloniki eingestehen, dass der Erfolg an einem seidenen Faden hing.
Die etwa 120 Schalker Fans, denen im ‚Geisterspiel’ von Saloniki Stadionzugang gewährt worden war, hatten lediglich in den Anfangsminuten Tormöglichkeiten der Gelsenkirchener gesehen, bevor Szalai in der 43. Minute zur 1:0-Führung abschloss. Szalai (2.) und Jones (3., PAOK-Keeper Jacobo parierte) verpassten zu Beginn jeweils gute Kopfballchancen. Der viel versprechende Auftakt versandete dann aber schnell, da die Gastgeber aufgrund ihres Hinspielvorteils (1:1) eine defensive Grundhaltung bevorzugten und Schalke Tempo und Genauigkeit im Spielaufbau fehlten, dieses Geflecht aufzureißen. Farfans Einzelaktion aus der 41. Minute - sein Schuss war unplatziert, doch Jacobo musste nachfassen - erfüllte die Funktion eines Wachmachers, denn kurz darauf schalteten die Königsblauen einen Gang hoch: Jones’ langen Ball nahm Uchida mit der Brust mit (Salonikis Spieler reklamierten in dieser Szene ein Handspiel), spitzelte das Leder quer zu Szalai und der Ungar traf per Volleyabnahme. Das Spiel hatte bis dahin kein gutes Niveau, Schalkes leichte Feld- und Chancenvorteile rechtfertigten indes die knappe Halbzeitführung.
Der Treffer hatte natürlich auch die Lage grundlegend verändert: Nun war Huub Stevens’ Klub unter Zugzwang. Der Niederländer hatte nach dem Seitenwechsel auf der Tribüne Platz nehmen müssen, weil er, eigenen Angaben zufolge, das Pech hatte, dass sein Landsmann Björn Kuipers - Referee dieser Partie - Stevens’ niederländisches Fluchen mitbekommen hatte. Die Laune des früheren Schalker Coaches dürfte sich in der 53. Minute kurzzeitig gebessert haben, als die Griechen mit einem einfachen Spielzug den 1:1-Ausgleich herstellten. Nachdem Lucas das Leder unbedrängt in den freien Raum geschoben hatte, ließ Athanasiadis Hildebrand keine Abwehrchance. Unmittelbar zuvor hatte Salpingidis bereits eine gute Möglichkeit für die Gastgeber ausgelassen. Schalkes Situation wurde noch ungemütlicher, als Jones aufgrund eines Fouls im Mittelfeld die Gelb-Rote Karte sah (64.). Ein Traumpass des in der 61. Minute eingewechselten Youngsters Max Meyer, sowie Draxlers starker Umgang mit dieser Vorlage, kehrten die Sachlage nur wenig später komplett um: Das 2:1 (67.) verbesserte die CL-Chancen der Deutschen wieder enorm; derweil Passgeber Meyer aufgrund der Unterzahl in der 70. Minute das Feld wieder verlassen musste (Neustädter kam). Das emotionale Wechselbad war damit aber längst noch nicht beendet. Ein schwerlich vermeidbarer Treffer der Griechen, Katsouranis verlängerte einen Freistoß Stochs per Kopf in den Winkel (79.), ließ die Gastgeber wieder hoffen. Schalke wankte und zitterte - bis ein exzellenter Konter in der Schlussminute den 3:2-Siegtreffer brachte. Draxler trieb das Leder über links nach vorn, drang in den Sechzehner ein und bediente Szalai, der aus kurzer Distanz traf.
André Schulin
Die einen gehen zu den Deutschen, ich gehe lieber zum Fußball.
— Campino