Blamage

von Günther Jakobsen11:24 Uhr | 03.10.2012

Die bislang heile Bayern-Welt bekam in Weißrussland erste Risse. Nicht nur, dass Bayern München bei BATE Baryssau eine überraschende, allerdings gleichzeitig verdiente erste Saisonniederlage kassierte. Vor dem Spiel hatte zudem Trainer Heynckes Sportdirektor Sammer für dessen Kritik an die Mannschaft nach dem letzten Ligaspiel in Bremen gerügt.

Dabei erwies sich Sammers Rüffel an das Team im Nachhinein als richtig. Denn in Weißrussland machten die Münchner einen enttäuschenden Eindruck. Bereits in den ersten Minuten waren die Hausherren überraschend oft am Ball - und das gegen die Bayern, deren Ballbesitzwerte ansonsten nur von Wahlergebnissen in Weißrussland übertroffen wurden. BATE kam nach fünf Minuten zur ersten Chance. Den Schuss von Olekhnovich konnte Bayerns Schlussmann Neuer parieren. Anschließend schien das Spiel seinen erwarteten Verlauf zu nehmen. Die Gäste übernahmen das Kommando. Wie wäre die Partie verlaufen, wenn Kroos in der 13. Minute seine Riesenchance zur Führung genutzt hätte? Der Nationalspieler hatte sich im Mittelfeld den Ball von Likhtarovich erobert, lief alleine aufs gegnerische Tor zu, umkurvte den gegnerischen Schlussmann Gorbunov und traf dann - aber nicht das leere Tor, sondern nur den linken Pfosten (13.). Der Treffer fiel zehn Zeigerumdrehungen später auf der Gegenseite, weil die Bayern-Abwehr pennte. Auf der rechten Seite war Olekhnovich unbedrängt, und er passte in die Mitte zum ebenso freien Volodko. Doch der Mittelfeldspieler trat über den Ball. Weil mit Pavlov ein dritter BATE-Profi unbehelligt sich im Münchner Strafraum aufhalten durfte und dieser an die Kugel kam, fiel doch der überraschende Führungstreffer für den Außenseiter aus Weißrussland. Danach erhöhten die Gäste aus Deutschland zwar schlagartig das Tempo, aber der Außenseiter zog sich mit allen Mann hinter den Ball zurück und machte die Räume für die Münchner eng. Im direkten Gegenzug an das 0:1 scheiterte Müller mit seinem Kopfball an Gorbunov (25.). Ansonsten tat sich der deutsche Rekordmeister schwer, Lücken im gegnerischen Abwehrbollwerk zu finden. Der Gast versuchte es oft über die Flügel, aber die Hereingaben von den Außenbahnen in den Strafraum wurden bis auf wenige Ausnahmen von den gegnerischen Verteidigern geklärt.

Die Halbzeitpause tat dem Münchner Spiel überhaupt nicht gut. Die Bajuwaren wirkten mit zunehmender Spieldauer ratlos und müde. Die Gastgeber merkten das und wurden nach vorne mutiger. Der ehemalige Bundesligaprofi Hleb war der Initiator der gefährlichen Konterangriffe des Außenseiters. Der frühere Stuttgarter legte die Kugel mit der Hacke auf Rodionov ab, dessen Schuss drehte Neuer um den Pfosten (55.). Zehn Minuten später tauchte Führungstorschütze Pavlov nach einem Pass des Spielmachers frei vor dem gegnerischen Tor auf, aber er drosch den Ball auf die Tribüne des noch aus Sowjetzeiten stammenden Stadions in Minsk (die Spielstätte in Baryssau war zu klein für die Champions League). Bayern-Trainer Heynckes reagierte, hatte schon nach einer knappen Stunde Shaqiri eingewechselt (58.) und brachte auch Pizarro (75.) sowie den wegen einer Knöchelblessur zunächst geschonten Schweinsteiger (77.). Eine Minute nach der Einwechslung des angeschlagenen Vizekapitäns fiel das 2:0 für die Platzelf. Ein einfacher Doppelpass genügte, um die bayrische Innenverteidigung auszuhebeln, und dann schoss Rodionov die Kugel unter die Latte. Erst nach dem zweiten Gegentreffer kamen auch die Süddeutschen in der zweiten Halbzeit zu Torchancen. Die Schüsse von Ribery wurden von Gorbunov noch vor der Torlinie abgefangen (82.) respektive an die Latte gelenkt (83.). Der dritte Versuch des Franzosen in der Nachspielzeit, nach einem schönen Steilpass von Shaqiri, fand den Weg ins Tor. Nach dem Anschlusstreffer witterte der deutsche Rekordmeister wieder Morgenluft. In der letzten Minute der vierminütigen Nachspielzeit konterte jedoch BATE den Champions-League-Finalisten der Vorsaison aus und erzielte durch den eingewechselten Bressan sogar das 3:1.

Senthuran Sivananda



Ich muss wohl dringend zum Nagelsmann.

— Thomas Müller, FC Bayern, zu einem Foto bei Instagram mit seinen ramponierten Füßen.