Wie sich die Bilder doch glichen. Vor zwei Wochen war Borussia Mönchengladbach beim Tabellenvorletzten Greuther Fürth zu Gast, geriet schnell in Rückstand, hatte Glück, dass der Aufsteiger ebenso schnell in Unterzahl geriet, und gewann am Ende. Diesmal gastierte Gladbach beim Schlusslicht FC Augsburg, geriet schnell in Rückstand, hatte Glück, dass die gegnerische Abwehr kurz vor Schluss einmal richtig patzte, und kam am Ende zu einem schmeichelhaften Unentschieden.
80 Minuten lang sah es nach einem Sieg der Fuggerstädter aus. Und über einen dreifachen Punktgewinn hätte sich besonders Trainer Weinzierl gefreut, der nach der 2:4-Niederlage bei Eintracht Frankfurt am vergangenen Spieltag vom neuen Manager Rollmann öffentlich angezählt worden war. Schon nach fünf Minuten gingen die Gastgeber in Führung. Nach Vogts Flanke von der rechten Seite köpfte Mölders den Ball von der Strafraumgrenze aufs gegnerische Tor. Und die Bogenlampe senkte sich hinter dem zu weit vor seinem Gehäuse stehenden Borussen-Keeper ter Stegen ins Netz. Nicht nur die Unsicherheit des jungen Gladbacher Nationaltorhüters zog sich wie ein roter Faden durch die bisherige Hinrunde des Europapokalteilnehmers, sondern auch die Schwierigkeit der Elf vom Niederrhein, das Spiel selbst zu gestalten. Nach der frühen Führung zogen sich die Augsburger in die eigene Hälfte zurück und lauerten hinter der Mittellinie, um den Gegner zu attackieren. Doch sie kamen meist nicht dazu. Denn die Gladbacher Innenverteidiger passten sich den Ball oft hin und her, weil die zündende Idee im Spielaufbau fehlte. Zumindest im Ansatz gefährlich wurden die Gäste nur, wenn schnell über die Außen angegriffen oder die hängende Sturmspitze Herrmann mit einem Steilpass auf die Reise geschickt wurde. Allerdings fehlte die Präzision im Spiel der Borussen, und die Hausherren verteidigten leidenschaftlich. In der Offensive sorgten sie jedoch zu selten für Entlastung. Wenn doch, dann liefen die Angriffe meist über die Flügel. Der Führungstreffer war von der rechten Seite vorbereitet worden, Mölders‘ Großchance fast mit dem Halbzeitpfiff von der linken Außenbahn. Nach Ostrzoleks Flanke traf der Seitfallzieher des Augsburger Angreifers die Latte (45.).
Auch nach der Pause änderte sich nichts am Spielverlauf. Bei ihren wenigen Möglichkeiten hatte die Elf vom Niederrhein Pech im Abschluss oder scheiterte am gegnerischen Schlussmann Amsif, der übrigens mit Manninger unter der Woche neue Konkurrenz bekommen hatte. Der ehemalige Keeper von Juventus Turin saß schon gegen Mönchengladbach zumindest auf der Bank. Schon früh holte die Borussia die Brechstange heraus. Nach Flanke Herrmann und Kopfballverlängerung de Camargo flog Arangos Volleyversuch links am Tor vorbei (61.). Nach der ersten Ecke für Gladbach stellte Jantschkes Kopfball kein Problem für Amsif dar (79.). Bis zur 85. Minute schien alles auf einen Sieg der Augsburger hinauszulaufen. Doch dann missglückte nach einem Einwurf für die Gäste Sankoh die Kopfballrückgabe. Stattdessen landete der Ball bei Herrmann, und der hob ihn über Amsif ins Tor. Danach nahmen beide Mannschaften den Sieg ins Visier. Die Fuggerstädter konnten zumindest schnell wieder den Schalter von Abwehr auf Angriff umlegen, aber genauso wenig wie die Niederrheiner einen weiteren Treffer erzielen.
Senthuran Sivananda
Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Schlechte: Der Trainingsplatz stand unter Wasser. Die Gute: Es ist keiner ertrunken.
— Uli Maslo