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Brasiliens Zitterspiel, James Rodriguez Superstar

von Günther Jakobsen13:41 Uhr | 29.06.2014

Chile verlangte im ersten Viertelfinalspiel Brasilien alles ab, hatte aber wenig Fortune in den entscheidenden Momenten und schied nach dem Elfmeterschießen aus. Etwas später dominierte Kolumbien nicht nur dank eines überragenden Doppeltorschützen James Rodriguez gegen ohne den gesperrten Suarez harmlose Uruguayer und trifft nun auf den zuvor keineswegs überzeugenden Veranstalter.

Chile hatte in Gonzalo Jara den großen Unglücklichen im Team, der nicht nur bei einer Rettungsaktion gegen David Luiz das 0:1 per missglücktem Hackentrick-Eigentor erzielte, sondern beim abschließenden Elfmeterschießen als letzter Ausführender auch noch nur den rechten Innenpfosten traf und Brasilien damit ins Viertelfinale verhalf. Dabei wusste der Favorit lange Zeit nicht, wie er die starke Deckung der Chilenen überwinden sollte. Neymar wirkte mit seinen schnellen Dribblings als einziger Selecao-Kicker gefährlich, wurde zumeist aber rechtzeitig von mehreren Chilenen nicht nur gedoppelt und damit somit in der Regel entscheidend gestoppt. Der Rest der Brasilianer spielte bestenfalls solide, nicht im Ansatz weltmeisterlich. Das Gegentor durch Alexis Sanchez (32.) war zudem völlig verdient, bot der Außenseiter doch oft schnelle, brisante Konter, die allerdings auch zu oft mit dem letzten, entscheidenden Pass ihr Ende fanden. Das vom englischen Schiri Howard Webb glänzend geleitete Spiel bot einen intensiven Schlagabtausch mit vielen Nickeligkeiten, aber teils auch heftigen gegenseitigen Attacken im Mittelfeld. Ab der Strafraumgrenze fielen die Angreifer nach der kleinsten Berührung durch den Gegner viel zu schnell wie Fallobst. Webb ließ sich auf die zumeist schlechten schauspielerischen Leistungen gar nicht erst ein, vergab deswegen allerdings auch kaum Gelbe Karten. Die besseren Möglichkeiten im Verlauf der 120 Minuten hatte Chile, traf aber auf einen glänzend aufgelegten Keeper Julio Cesar oder scheiterte, wie kurz vor dem letzten Abpfiff Pinilla, am Querbalken. Beim Schießen vom Punkt erwies sich Julio Cesar ebenfalls als Garant, hielt die Schüsse von Pinilla und Sanchez und hatte das Glück beim Jara-Elfer auf seiner Seite. Einen Elfer zuvor hatte Neymar Verantwortung übernommen und als fünfter Schütze des Gastgebers, letztlich entscheidend, getroffen. Chiles Schlussmann Bravo hatte zwar davor Hulks Hammer abgewehrt und Willian schoss links vorbei, doch der chilenische Torwart musste die Versuche von David Luiz und Marcelo (da war er etwas dran) passieren lassen. Am Ende jubelte nicht nur Brasilien, sondern auch die FIFA, der ein Ausscheiden des Gastgebers kaum gepasst hätte.

In seinem vierten WM-Spiel fuhr Kolumbien seinen vierten Sieg ein und avancierte spätestens jetzt vom Geheimtipp zum Mitfavoriten. Beim Gegner Uruguay war Wiederholungstäter Suarez wegen seiner Bissattacke gesperrt worden und bereits abgereist. Forlan, zum besten Spieler der letzten WM 2010 gewählt, konnte ihn in dieser Partie des Achtelfinales nie ersetzen. Dafür stieg der Stern eines Spielers dieser WM weiter auf, der die Cafeteros gegen die Celeste, nimmt man das Zählbare, alleine ins Viertelfinale schoss. James Rodriguez erzielte nicht nur in der 28. Minute den wohl bis dahin schönsten Treffer dieser WM, indem er den Ball ca. 20 Meter vor dem gegnerischen Kasten mit dem Rücken zum Tor mit der Brust annahm und in einer Bewegung aus der Drehung mit links unter die Querlatte jagte, sondern er legte auch in der 50. Minute mit seinem zweiten Treffer das 2:0 vor, das letztlich absolut zum Viertelfinaleinzug Kolumbiens ausreichen sollte. Die sichere Defensive des Siegers konnte ebenso überzeugen, wie das schnelle Umschaltspiel bei den oft gut initiierten Kontern. In Sachen Ballbesitz herrschte dagegen nahezu Ausgeglichenheit, in Sachen Effektivität blieb Kolumbien indes aktueller Marktführer dieses Turniers. Vergleicht man die Leistungen der Viertelfinalgegner Brasilien und Kolumbien nach dem Achtelfinale, muss man schlicht festhalten, dass die Gastmannschaft derzeit zwar den besseren Fußball spielt, aktuell aber von James Rodriguez genau so abhängig scheint wie Brasilien von seinem Irrwisch Neymar.

Ulrich Merk



Ich finde die Aussagen ziemlich arrogant. Aber einiges ist auch fachlich de facto falsch. Wenn man jedes Jahr 250 Millionen Euro mehr in der Tasche hat, lässt es sich mit vollen Hosen gut stinken.

— Michael Zorc, Sportdirektor BVB, über Uli Hoeneß.