Zwei Kopfballtore von Innenverteidiger Sergio Ramos warfen bereits nach 20 Spielminuten alle Planungen des FC Bayern im Rückspiel des Champions-League-Halbfinales gegen Real Madrid in der Münchener Allianz-Arena über den Haufen. Zwei weitere Treffer von Cristiano Ronaldo machten ein historisches Debakel für die Guardiola-Elf perfekt.
Ungewohnt offensiv begann der FC Bayern, wurde allerdings genauso schnell von den früh angreifenden Königlichen durch intensives Forechecking ausgebremst. Nicht aber die vorab gefürchteten Konter der Ancelotti-Truppe wurden dem amtierenden Titelträger zum Verhängnis sondern zwei Standardsituationen. Nach einem Modric-Eckball von rechts stieß Innenverteidiger Sergio Ramos mit Wucht in die Flanke und köpfte unhaltbar zum 1:0 für Real ein (16.). Die Verunsicherung des FCB zeigte sich auch vier Minuten später. Di Maria flankte einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld in den 16er auf Pepe, dessen Weiterleitung erneut bei Sergio Ramos landete, der diesmal per Flugkopfball erfolgreich war (20.). Fehlende Zuordnungen hatten die Gastgeber damit bereits fast hoffnungslos zurückgeworfen. Hoffnungslos, weil die Bayern auch im weiteren Spielverlauf, neben dem verständlichen Schock, keine taktischen und spielerischen Mittel offenbarten, die die Real-Defensive, exzellent von einer Weltklasse-Viererkette hinten und einer nicht minder starken Viererkette davor organisiert, in Gefahr hätten bringen können. Nach gut 25 Minuten schoss Ribery erstmals für den FCB in Richtung Real-Tor, verfehlte sein Ziel aber um zwei Meter. Als der Franzose am gegnerischen 16er einen Fehlpass fabrizierte, lief ein Konter der Gäste wie aus dem Lehrbuch bis auf den völlig freien Cristiano Ronaldo, der Neuer keine Chance ließ (34.). Die Bajuwaren hätten nun fünf Tore erzielen müssen, um das Finale noch zu erreichen. An diesem Tag schlichtweg eine Unmöglichkeit.
Im zweiten Durchgang änderte sich, neben dem Wechsel Martinez für den Totalausfall Mandzukic, nur, dass die Hausherren Weitschüsse in ihr Programm übernahmen, die allerdings meist zu hoch angesetzt waren, abgeblockt oder eine sichere Beute von Torwart Cassilas wurden. Punktuell tauchten die sich vorwiegend um ihre Defensivarbeit kümmernden Madrilenen aber weiterhin vor dem FCB-Tor auf und waren wesentlich gefährlicher als die uneffektiven Bayern (z.B. Coentrao, 65.). Da sich mit dem Fortschreiten der Zeit und dem völlig unergiebigen Ballgeschiebe der Bayern das Spiel in einen Freundschaftskick verwandelt hatte, feierten die FCB-Fans mit ihren Gesängen eher die vergangenen Erfolge ihres Teams. In der Schlussminute bekam Real jedoch noch einen Freistoß zwei Meter halblinks vor dem Strafraum des FCB zugesprochen. Cristiano Ronaldo schoss die Kugel flach unter der hochspringenden Mauer trocken zum 4:0 in die linke Torecke und machte ein Debakel perfekt, das auf Seiten der Gastgeber unprofessionelle Kommentare (Sammer), treffsichere Analysen (Lahm), Oberflächlichkeiten (Rummenigge) und Eingeständnisse von Fehlern (Guardilola) in den ersten Stellungnahmen auslöste. Real hatte mit seinem durchdachten Auftritt, seinen großartigen Einzelspielern (besonders herausragend: Pepe und Sergio Ramos im Abwehrzentrum und als Unruheposten bei Standards im Angriff), die Ancelotti vorzüglich zu organisieren wusste, das gesamte aktuelle Spielsystem des FC Bayern infrage gestellt.
Ulrich Merk
Das wundert mich nicht, dass der Franck das macht. Das ist so ein netter Kerl, das ist mir klar, dass er dem Jonny gratuliert.
— Freiburgs Trainer Christian Streich über eine Video-Botschaft für Jonathan Schmid von Ex-Bayernspieler Franck Ribéry (Monsieur Le Ribéry).