Die Überraschungsmannschaft der Vorrunde kommt zweifellos aus Costa Rica. Nach Uruguay setzten sich die "Ticos" auch gegen Italien durch (Gruppe D). In der Gruppe E nutzte Frankreich einen desolaten Auftritt der Schweizer aus, um einen 5:2-Kantersieg zu landen. Ecuador überholte die Eidgenossen aufgrund der besseren Tordifferenz.
Nach Costa Ricas sensationellem 3:1-Erfolg gegen Uruguay war man gespannt, wie sich die "Ticos" gegen Italien verkaufen würden. Und die vom Kolumbianer Jorge Luis Pinto gecoachten Mittelamerikaner lieferten eine erstaunliche Antwort: Die als abgezockt bekannten Azzurri konnten nicht mit dem laufstarken Einsatz der "Ticos" konkurrieren, waren - nicht nur in der Schlussphase - zu keiner Tempoverschärfung imstande und gingen mit einer 0:1-Niederlage vom Platz. Costa Rica, der krasse Außenseiter, hatte sich als erstes Team der sogenannten "Todesgruppe" D den Achtelfinaleinzug gesichert. Die Mittelamerikaner präsentierten sich von Beginn an auf Augenhöhe und waren zunächst torgefährlicher, bis Balotelli eine Riesentorgelegenheit ausließ (31., lupfte am Tor vorbei). In Turbulenzen geriet die Partie kurz vor dem Pausenpfiff, weil Schiedsrichter Osses ein klares Foul Chiellinis an Campbell im Strafraum nicht mit dem fälligen Elfmeterpfiff ahndete. Zwei Minuten später wurde Costa Ricas Zorn über diese Fehlentscheidung gemildert: Nach einer weiten Flanke von Diaz köpfte Bryan Ruiz am langen Pfosten zum 1:0-Siegtreffer ein (44.). Die Torlinientechnik bewies, dass der von der Querlatte ins Tor prallende Ball in vollem Umfang hinter der Linie war. Italien versuchte nach dem Seitenwechsel den Druck zu erhöhen, konnte sich jedoch nur wenige brauchbare Torabschlüsse erspielen. Costa Rica setzte immer wieder gefährliche Konteransätze dagegen und wirkte frischer, als die zunehmend matt werdenden Europäer. Nebeneffekt dieses Resultats: England war nun definitiv in der Vorrunde ausgeschieden.
Eine unerfreuliche Szene in der Spielereröffnungsphase hatte mutmaßlich größeren Einfluss auf die Partie Schweiz vs. Frankreich: Van Berghen musste verletzt raus, nachdem Giroud ihn mit hohem Bein ins Gesicht traf (9.). Ohne ihren Abwehrchef leisteten sich die Eidgenossen im weiteren Spielverlauf zahlreiche ungewohnte Patzer und Stockfehler, die teilweise das Schützenfest erklären. Für die Zuschauer war es natürlich ein Spektakel, sieben Tore mitzuerleben. Per Doppelschlag (17., Giroud mit klasse Kopfball/ 18., Matuidi ins kurze Eck) überrumpelte Frankreich den Gegner, was aber noch nicht zwangsläufig die Vorentscheidung hätte sein müssen. Denn die Eidgenossen rappelten sich auf, verpassten aber eine gute Möglichkeit zu verkürzen (30., Shaqiri). Djourous ungeschickter Einsatz gegen Benzema bescherte den Franzosen dann die Möglichkeit, auf 3:0 zu erhöhen, doch Benaglio parierte den Elfer. Den Nachschuss setzte Cabaye nur gegen den Querbalken (32.). Per Konter bauten die Franzosen den Vorsprung dann doch noch vor der Pause aus (41., Valbuena). Benzema (67.) und Sissoko (73.) schraubten das Resultat für die spielfreudigen "Les Bleues" schließlich auf 5:0 hoch - bis endlich die immerhin tapfer kämpfenden Schweizer noch etwas Konsolidierung erfuhren. Ein Freistoß Dzemailis aus der Distanz, flach durch eine Dreimann-Abwehrkette hindurch geschossen, führte zum 1:5 (82.) und eine sehenswerte Kombination, von Xhaka abgeschlossen, brachte den 2:5-Endstand (87.). Kurios: Ein sechster Treffer der Franzosen (Benzema) zählte nicht mehr, da Schiedsrichter Kuipers mitten in den laufenden Angriff hinein den Abpfiff platzierte - ein oder zwei Sekunden, bevor der Ball im Schweizer Netz zappelte.
Das zweite Spiel der Gruppe E hatte einen sehr eigenwilligen Charakter; zeitweise fühlte man sich an Bolzplatz-Gekicke erinnert. Ohne erkennbares taktisches Konzept, dafür aber mit hohem Tempo und Einsatz, beackerten die Kontrahenten Honduras und Ecuador das Feld. Unterhaltsam war das Spiel allemal, da es auch einige Torraumszenen bot. Honduras legte durch einen wuchtigen Abschluss von Costly vor (31.), die Führung hielt jedoch nur kurz. Drei Minuten später grätschte Enner Valencia auf der Gegenseite mit langem Bein am langen Pfosten zum 1:1-Ausgleich ein. Derselbe Spieler entschied das Spiel zugunsten der Südamerikaner, als er in der 65. Minute einen Freistoß von Ayovi per Kopfball ins Tor setzte. Honduras´ Schlussoffensive mangelte es an klaren Tormöglichkeiten. Ecuadors Erfolg war nicht unverdient, da man doch kontrollierter zu Werke ging, als die Mittelamerikaner.
Früher habe ich die Panini-Bilder gesammelt, bis ich selbst eines war.
— Mehmet Scholl