Frankreich war spielerisch überlegen, wurde jedoch dafür bestraft, das Chancenübergewicht nicht in Tore umgesetzt zu haben. Das DFB-Team kämpfte sich in die Partie hinein und gewann im Elfmeterschießen.
Angekündigt war, die französische Mannschaft derart unter Druck zu sezten, dass deren spielerisches Potenzial nicht zum Tragen kommt. Das Gegenteil jedoch passierte: Die Equipe Tricolore überrannte die DFB-Auswahl förmlich in der Anfangsphase. Necib (1.) und Georges (4.) verpassten gute Abschlusschancen gleich zu Beginn, auch in der Folgezeit blieb Frankreich am Drücker und brach vor allem über rechts (Thomis) immer wieder gefährlich durch. Silvia Neids Team konnte vor der Pause lediglich einmal verheißungsvoll durchstoßen - Sasics Kopfball, nach Laudehrs Flanke von rechts, flog jedoch weit über den Querbalken (15.). Ansätze zur Entlastung versandeten früh, da die Fehlpassquote enorm hoch war. Eine starke Parade Angerers gegen Necibs Schuss aus der Drehung verhinderte einen Rückstand zur Pause (38.). Das 0:0 nach der ersten Halbzeit war äußerst schmeichelhaft.
Nach Wiederanpfiff präsentierten sich Neids Kickerinnen besser eingestellt. Marozsans Hereinnahme verstärkte die Präsenz im Mittelfeld; generell kam man nun erfolgreicher in die Zweikämpfe. Das Spiel wurde offener. Frankreichs Torhüterin Bouhaddi wurde zweimal ernsthaft geprüft, als Sasic nach guter Kombination abzog (50.) und Maroszans Freistoß auf das linke Eck zusteuerte (58.). In dieser Phase schlug es aber dann im deutschen Tor ein: Eine Kopfball-Abwehraktion von Peter landete bei Necib, gegen deren von Krahn (stärkste deutsche Feldspielerin) noch abgefälschten Schuss Angerer machtlos war (64.). Die Lage begann sich zuzuspitzen, da half ein Handspiel von Majris, bei einem Schuss der aufgerückten Maier, den Deutschen aus der Klemme. Sasic verwandelte den fälligen Elfer eiskalt (84.).
Es kam zur Verlängerung, deren erste Hälfte eine leichte Überlegenheit der DFB-Elf widerspiegelte, jedoch ohne hochkarätige Torchancen. Frankreich bestimmte dann die zweiten 15 Minuten Extrazeit, konnte das Spielgerät aber ebenfalls nicht im gegnerischen Kasten unterbringen. Das Elfmeterschießen musste entscheiden, erstmals bei einem WM-Auftritt der DFB-Frauen. Die vier ersten Schützen jedes Teams trafen souverän, auch Sasic, als fünfte Deutsche, war sehr sicher. Beim Versuch der letzten französischen Schützin, Lavogez, wartete Angerer sehr lange - um dann ins richtige Eck zu springen und den Schuss abzuwehren. "Glücklicherweise ist es uns nach der Pause gelungen, das Blatt zu wenden und das Elfmeterschießen zu erzwingen", gab Silvia Neid zu, dass es lange Zeit nicht nach einem deutschen Erfolg aussah. Halbfinalgegner wurden die US-Girls, deren Dominanz gegenüber China nur zu einem knappen 1:0-Sieg (51., Lloyd) reichte.
Wenn konsequent, dann konsequent konsequent.
— Thomas Tuchel