DFB-Team

Defensiv anfällig

von Günther Jakobsen13:00 Uhr | 15.08.2013

Die DFB-Elf kassierte in einer unkonzentrierten ersten Halbzeit zu einfache Gegentore gegen das biedere Paraguay. Ein Sieg wäre nach dem Seitenwechsel zwar noch machbar gewesen, eine Reaktion auf den 3:3-"Warnschuss" wäre indes wichtiger.

Joachim Löw monierte „elementare Fehler“, die er bei seinem Team in der ersten Halbzeit ausgemacht hatte. „Bei einigen Spielern hat man aber auch gesehen, dass sie noch keine Wettkämpfe haben“, versuchte der Bundestrainer zu erklären, warum es gegen Paraguay, einer im internationalen Vergleich bestenfalls durchschnittlichen Mannschaft, die nicht die WM-Endrunde erreichte, gerade noch zu einem 3:3-Unentschieden reichte. Ein guter Freistoß von Reus aus der 4. Minute - Gäste-Keeper Villar klärte per Faustabwehr - stellte die erste sehenswerte Offensivszene der Deutschen dar. Bevor sich in Löws Team jedoch eine Mannschaftsteil übergreifende Festigung des Gefüges bilden konnte, entblößte ein einfacher Pass aus dem Mittelfeld die Abwehr total: Nunez fand ausreichend Raum und Zeit, um Neuer unbedrängt zu überwinden (9.). Klose verpasste nach Khediras guter Vorarbeit den möglichen Ausgleich (11.), stattdessen nutzte Pittoni die Chance, eine eigentlich schon bereinigte Situation aus der Distanz zur 2:0-Führung der Südamerikaner zu verwandeln (13.). Die DFB-Elf reagierte auf die unerwarteten Nackenschläge nunmehr mit verstärktem Angriffsdruck, wirkte in ihrem Defensivverhalten jedoch weiterhin wackelig. Gündogan (18.) und Müller (31.) stellten schließlich den Ausgleich her und die Wende schien geschafft. Ein gut herausgespielter Gegenstoß Paraguays, den der am langen Pfosten völlig freistehende Samudio kurz vor der Halbzeitpause ohne Mühe zur 3:2-Führung nutzte (45.), zeigte dann aber in aller Deutlichkeit die Defensiv-Anfälligkeit der Deutschen wieder auf.

Paraguay hatte nach dem Seitenwechsel offensiv nichts mehr zu bieten. Der für Mertesacker eingewechselte Boateng machte seine Sache in der Innenverteidigung ordentlich und allmählich griffen auch im defensiven Mittelfeld die Rädchen besser ineinander. Man konnte sich also daran machen, den Rückstand aufzuholen, was dank eines Diagonalschusses von Lars Bender (75.) auch gelang. Zu mehr reichte es nicht. Die eingewechselten Gomez (58.) und Jansen (90.) scheiterten bei den besten Möglichkeiten an Fernandes, der in der zweiten Hälfte anstelle Villars im Gästetor stand. Und Schürrle setzte das Leder über den Querbalken. „Wir werden uns gegen Österreich mit Sicherheit steigern“, versprach Löw, im WM-Qualifikationsspiel (6. Sept.) eine kompaktere Mannschaftsleistung anzubieten.

André Schulin



Ich mache kein böses Gesicht, sondern ein enttäuschtes.

— Weltmeister Fritz Walter nach einem BL-Aufstiegsspiel mit dem SV Alsenborn.