Denkwürdige Schützenfeste

von Günther Jakobsen14:29 Uhr | 22.10.2014

Bayern München vermöbelte den AS Rom in dessen eigenem Stadion und ist nach der Hälfte der Gruppenspiele schon fast sicherer Gruppensieger. Schalke hatte Grund zum Jubeln nach der Partie gegen Benfica Lissabon - aber auch Grund zum Grübeln.

Irgendwie 4:3 gewonnen - der FC Schalke duselte sich zu seinem ersten Sieg in der Gruppe G. "Als Trainer wird man wahnsinnig, wenn man das analysieren muss", sagte Roberto Di Matteo nach den ereignisreichen 90 Minuten. Der Schalker Coach dürfte vor allem nervlich stark beansprucht worden sein, als die Königsblauen - in Überzahl (33., Gelb-Rot für Mauricio) - sich eine 3:1-Führung noch entreißen ließen. Erstaunlich, wieviel Platz Sportings Mittelfeldakteur Silva, der zuvor schon per Strafstoß getroffen hatte (64.) in der 78. Minute vorfand, um zum 3:3-Ausgleich einzuköpfen. Glück für die Gastgeber, dass Schiedsrichter Karasev seinen Job ebenfalls nicht fehlerfrei ausführte. In der Nachspielzeit entschied der Referee irrtümlich auf Handelfmeter, obwohl Silva von Huntelaars Kopfball nur am Kopf getroffen wurde. Choupo-Moting versenkte das Elfmetergeschenk zum 4:3-Siegtreffer. "Manchmal hat man Glück, manchmal hat man Pech in solchen Spielen. Wir hatten heute Glück", meinte Di Matteo dazu lakonisch.

Alles andere als Glückssache war Bayerns Münchens 7:1-Gala in Rom. Bereits zur Halbzeitpause hatten die Münchner, die ihren höchsten CL-Auswärtserfolg feierten, die Roma mit 5:0 demontiert. Der einmal mehr überragende Robben leitete mit einem für ihn typischen mit links ins lange Eck gezwirbelten Ball das Schützenfest früh ein (9.). Klasse herausgespielte Tore durch Götze (23.), Lewandowski (25.) und erneut Robben (30.) folgten; Müller traf per Strafstoß zum 5:0 (36.). Der Spielverlauf erweckte Erinnerungen an Deutschlands 7:1-WM-Halbfinalsieg gegen Brasilien. "Heute war es wie ein Unfall. Das Ergebnis spiegelt den Qualitätsunterschied der beiden Mannschaften nicht wider", versuchte Pep Guardiola das drastische Resultat zu relativieren. Roms Trainer Rudi Garcia nahm die Verantwortung auf seine Kappe: "Es war ein taktisches Desaster. Wir haben Bayern spielen lassen. Es war mein Fehler, nicht der Fehler meiner Spieler. Man kann gegen Bayern immer verlieren, weil sie fast jedes Spiel gewinnen, aber die Art und Weise heute tat weh." Ribery mit einem feinen Heber (78.) und der nachsetzende Shaqiri (80.) trafen nach der Pause, zwischenzeitlich köpfte Gervinho (66.) Roms Ehrentreffer ein. Im anderen Spiel der Gruppe E hatte ZSKA Moskau 2:2 unentschieden gegen Manchester City gespielt.



Es ist nicht wie bei einer Mathearbeit, sondern wie bei einem Deutschaufsatz.

— Schalkes Coach Domenico Tedesco zum großen Ermessensspielraum beim Einsatz des Videobeweises