Der 40-Millionen-Euro-Mann

von Günther Jakobsen15:47 Uhr | 12.01.2013

40 Millionen Euro - so viel wie kein anderer Verein in der Bundesliga zuvor hat Bayern München für den spanischen Nationalspieler Javi Martinez hingelegt. Viele Experten stritten sich darüber, ob der Mittelfeldspieler diesen Preis überhaupt wert ist. Die Münchner selbst wissen, dass die Ablöse deutlich über den Marktwert lag. Aber sie wollten unbedingt den Spieler.

Denn eineinhalb Jahre lang war der deutsche Rekordmeister auf der Suche nach einem passenden Nebenmann im defensiven Mittelfeld für Bastian Schweinsteiger, nachdem der damalige Bayern-Trainer Louis van Gaal ohne Not Kapitän Mark van Bommel vom Hof gejagt hatte. Der immerhin 17 Millionen Euro teure Luiz Gustavo suchte lange Zeit nach seiner Form. Toni Kroos hatte und hat seine Stärken im offensiven Mittelfeld. Schon vor der Saison 2011/12 zeigte der Münchner Coach Jupp Heynckes Interesse an Arturo Vidal von seinem ehemaligen Arbeitgeber Bayer Leverkusen. Doch die Rheinländer wollten den Chilenen nicht an einen direkten Ligakonkurrenten abgeben und veräußerten ihn lieber nach Italien zu Juventus Turin. In diesem Sommer holte sich der Liga-Primus erneut eine Absage vom Werksverein, als er um Sven Bender buhlte.

Die Verpflichtung von Javi Martinez wurde für die Münchner Verhandlungsführer zu einem Langstreckenlauf. Wäre in seinem Vertrag die Ablösesumme von 40 Millionen Euro nicht festgeschrieben worden, dann würde er wohl immer noch bei Athletic Bilbao kicken. Erst am zweiten Spieltag, beim 6:1-Sieg der Bayern gegen den VfB Stuttgart, feierte Martinez sein Debüt. Dass er die Saisonvorbereitung bei seinem neuen Arbeitgeber nicht mitgemacht hatte, war anzumerken. Die Münchner bauten ihn langsam auf, auch weil mit der Verpflichtung von Javi Martinez der Ehrgeiz bei seinem Konkurrenten Luiz Gustavo angestachelt wurde. Der Brasilianer lieferte beim Einstand von Javi Martinez gegen Stuttgart eines seiner besten Spiele im Bayern-Trikot ab und erzielte auch ein Traumtor. Bis zu seiner Verletzung präsentierte sich der ehemalige Hoffenheimer in der besten Verfassung, seitdem er an die Isar gewechselt war.

Der Liga-Primus durfte es sich zunächst leisten, den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte auf der Bank zu lassen. Einige Experten begannen dagegen zu murren. Zumal die Spielweise von Javi Martinez nicht unbedingt spektakulär ist. Er hat zwar ein feines Füßchen und kann gute Pässe spielen, aber seine Stärken liegen vor allem in der Defensive. In den sechs Jahren für Athletic Bilbao sah er 59 Gelbe Karten und flog fünfmal vom Platz. Mit Real Madrids Cristiano Ronaldo geriet er nach einem Spiel sogar aneinander, weil der Spanier, wie er freimütig bekannte, die Mutter des ehemaligen Weltfußballers beleidigt hatte.

In München kam er gegen Ende der Hinrunde immer besser zurecht. Und die Aussichten für die Zukunft stehen gut. In der Winterpause machte der Mittelfeldspieler zum ersten Mal die Vorbereitung bei den Bajuwaren mit. In der zweiten Saisonhälfte werden vor allem seine Qualitäten als polyvalenter Spieler gefragt sein. Denn im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Arsenal muss der Vorjahresfinalist mit dem verletzten Badstuber und dem gesperrten Boateng auf gleich zwei Innenverteidiger verzichten. Und auch in der spanischen Nationalmannschaft, mit der er Welt- und Europameister wurde, allerdings bei beiden Turnieren jeweils nur einen Kurzeinsatz hatte, darf er auf mehr Spiele hoffen. In der Hierarchie der Seleccion im defensiven Mittelfeld stehen nur noch die Starkicker von Real Madrid und vom FC Barcelona, Xavi, Xabi Alonso und Sergio Busquets, vor ihm.

Senthuran Sivananda



Ich habe gesagt: Die Bremer sind fast Amok gelaufen. Wenn wir nicht gewinnen, kann ich mich auch nicht hinstellen und sagen: Wir haben gewonnen!

— Ottmar Hitzfeld nach dem Spitzenspiel Werder Bremen - BVB (3:1)