Glaubt man englischen Medien, so wäre Leon Osman nie im Leben einer der ältesten Debütanten der „Three Lions“ geworden, hätte er nicht seine ganze Karriere beim FC Everton unter Vertrag gestanden. Doch seine Vereinstreue und die Tatsache, dass er seine Arbeit ohne viel Tamtam verrichtet, wurden ihm zum Verhängnis, ganz zu schweigen von der großen Konkurrenz im englischen Mittelfeld. So feierte der „Ur-Toffee“ erst im stolzen Alter von 31 Jahren 2012 seine Länderspielpremiere.
Im Arbeiterviertel von Liverpool lieben sie ihren „Ossie“ mit dem „großen blauen Herzen“. Diesem kam es entgegen, dass in Roy Hodgson ein alteingesessener Premier-League-Kenner die Nationalmannschaft übernahm. Er „bewundere ihn seit einigen Jahren“ und fand „es sei Zeit, ihn im Team unterzubringen“, zitiert Osman Hodgson.. Seit 1997 als Jugendspieler bei Everton, begann seine Profikarriere relativ spät mit einem Ausleihgeschäft. Bei Carlisle United mauserte sich Osman zum „Player of the Year 2002“, bei Everton wurde er 2004 Stammspieler auf der rechten Mittelfeldeseite. Er hat mit seinen präzisen Pässen und technischer sowie taktischer Klasse großen Anteil daran, dass Everton sich seit 2004 unter den ersten acht Teams der Premier League hält. Aktuell auf Platz vier liegend, sind die „Toffees“ gar auf Champions-League-Kurs, „Ossie“ steuerte 16 Startelfeinsätze und zwei Tore bei. Meist auf rechts, aber auch zentral eingesetzt, hat der 31-jährige seine Stärken in der Vorwärtsbewegung. Gefährlich wird es für gegnerische Mannschaften dann, wenn er von außen in die Mitte zieht und dann entweder seine Mitspieler bedient oder zu gekonnten Distanzschüssen ansetzt. Seinen Kopf nutzt Osman aber nicht nur in puncto Spielintelligenz, sondern auch als Mittel zum Tore erzielen – zum Beispiel bei seinem ersten Ligator im ersten Startelfeinsatz im Mai 2004 gegen Wolverhampton.
Den Traum von der Nationalmannschaft gab Osman nie auf, auch wenn ihm die Zeit natürlich davonlief. Umso größer war beim zweifachen Familienvater die Freude, als sein Trainer David Moyes vor versammelter Mannschaft verkünden durfte, dass er in den Kader zum Freundschaftsspiel gegen Schweden berufen worden war. Von den (zumeist jüngeren) Teamkollegen mit Kopfwuschlern und Nieren-Boxern gefeiert, setzt er zu Hause seinen siebenjährigen Sohn vor die Sportnachrichten. Mit dem Kommentar „das ist mein Name“ machte es „Klick“ beim Junior, der sich danach wohl genauso freute, wie sein Vater. Einer der ersten Gratulanten außerhalb des Vereins war das international erfolgreichere Pendant zum „Ewig-Blauen“: der „Ewig-Rote“ Steven Gerrard, auf den er seit Kindertagen trifft und der ihn als „schwierigen Gegenspieler“ bezeichnet. Sein großes Kämpferherz bewies Osman kurz vor dem ersten Länderspiel: „Wenn ich im Team bin, will ich ein Länderspiel. Wenn ich eins habe, will ich ein zweites. Und so weiter. Ich glaube nicht, dass ich mich jemals mit etwas zufrieden geben werde, aber wenn es nur ein Spiel sein sollte, werde ich trotzdem hocherfreut sein.“ Gegen Schweden durfte „Ossie“ auf der zentralen defensiven Mittelfeldposition über die volle Spielzeit zeigen, was er kann. Das tat er so gut, dass Nationaltrainer Hodgson nicht ausschließt, dass Osman beim nächsten Länderspiel wieder dabei ist. Dieser wird sich freuen, der Runde der „Grumpy Old Men“, den bei internationalen Einsätzen in Everton verbleibenden Spielern, entkommen zu können. „Da gibt es mich, Phil Neville, Sylvain Distin, Tony Hibbert und Steven Pienaar, […]. Es gibt nicht viel zu tun. Meistens laufen. […] Ich bin sicher, sie vermissen mich.“
Lisa Ramdor
Friedlich miteinander. Mein Freund ist Schwabe.
— Fans des SC Freiburg auf einem Spruchband.