Die ersten Achtelfinalisten

von Günther Jakobsen17:38 Uhr | 24.06.2014

In der Gruppe A hätten sich in der letzten Runde noch entscheidende Veränderungen ergeben können, doch Brasilien hielt Kamerun mehr oder minder ungefährdet im Zaum und Kroatien spielte zu eindimensional, um Mexiko den zweiten Platz streitig zu machen. In der Gruppe B entschied Holland das direkte Duell gegen Chile um den Gruppensieg für sich.

"Wir waren nicht so schlecht, aber der Gegner war heute besser", kommentierte Kroatiens Coach Niko Kovac die 1:3-Niederlage seines Teams gegem Mexiko. Dem zweiten Teil des Satzes war nichts hinzuzufügen, über den ersten sollte man nachdenken. Mit einem Sieg hätte Kroatien aus eigener Kraft den Sprung ins Achtelfinale geschafft - die dafür nötige Entschlossenheit blieben die Kroaten allerdings schuldig. Man war zwar von Beginn an bemüht, doch das sollte man ohnehin voraussetzen. Die Mexikaner, denen ein Unentschieden bereits genügt hätte, waren somit schon in der als untern Strich ausgeglichenen ersten Halbzeit das gefährlichere Team (16., Pfostenschuss von Herrera). Und "El Tri" vermochte sich zu steigern: Ein Kopfballtreffer von Marquez brachte die verdiente 1:0-Führung (72.), nachdem Mexiko knapp zehn Minuten zuvor ein Elfmeter (Handspiel Srna) verweigert wurde. Als Guardado unmittelbar darauf auch noch zum 2:0 traf (75.), war die Vorentscheidung gefallen. Der eingewechselte Hernandez erhöhte noch auf 3:0 (82.), bevor bevor Kroatien mit einem wirklich schönen Spielzug noch auf 1:3 verkürzte (87.). Der Achtelfinalzug war da aber schon längst abgefahren. Brasilien, der erklärte Favorit der Gruppe A, musste keine Bäume ausreißen, um den avisierten Sieg gegen Kamerun einzufahren. Die Afrikaner fielen erneut durch Undiszipliniertheit auf, als Nyom, völlig unmotiviert, Neymar am Spielfeldrand in eine Gruppe von Fotografen schubste. Diese Aktion blieb seltsamerweise seitens des Schiedsrichters folgenlos, die "Strafe" folgte indes umgehend: Nach starker Vorarbeit Gustavos verwertete Neymar eine Flanke des Wolfsburgers direkt zum 1:0 (17.). Brasiliens anschließende Druckphase überstanden die Afrikaner unbeschadet, schalteten dann ihrerseits selbst den Offensivgang ein und wurden belohnt, als Matip eine Vorlage Nyoms zum 1:1-Ausgleich über die Linie drückte (26.). Bis zur Pause gestaltete sich die Partie dann richtig spannend, auch wenn Neymar mit einem nicht unhaltbar erscheinendem Schuss die Gastgeber erneut in Führung brachte (35.). Vielleicht kam der 3:1-Treffer durch Fred (49., abseitsverdächtig) zu früh, um den Spannungsbogen nach dem Seitenwechsel aufrecht zu erhalten. Nun war der WM-Gastgeber nicht mehr zu erschüttern; Fernandinho stellte kurz vor Schluss den 4:1-Erfolg der erneut nicht in Gänze überzeugenden Brasilianer her.

Die wesentlichen Entscheidungen der Gruppe B waren bereits vor der abschließenden Runde geklärt; im bedeutungslosen Spiel zwischen Australien und Spanien setzten sich die Iberer mit 3:0 durch. "Wir haben uns in Würde verabschiedet", erklärte Vicente del Bosque. Villas´ schöner Führungstreffer per Hacke (36.) war Höhepunkt des ersten Spielabschnitts in einer bestenfalls durchschnittlichen Partie, in der die Kicker aus Down Under letztlich zu harmlos agierten. Torres (69.) und Mata (82.) zeigten den Leistungsunterschied der Kontrahenten mittels ihrer nachfolgenden Treffer adäquat auf. Wesentlich mehr Feuer ging vom Spiel um den Gruppensieg aus. Der Ausfall des omnipräsenten Vidal (geschont) machte sich bei den Chilenen deutlich bemerkbar; Alexis Sanchez schien über weite Strecken das Laufpensum seines Teamkollegen zusätzlich übernehmen zu wollen, wurde jedoch von der kompakten niederländischen Defensive in seinem Wirkungsgrad entscheidend beschnitten. Überhaupt blieben Torraumszenen ausgesprochen seltene Ereignisse in diesem intensiven Kampfspiel. Der soeben eingewechselte Fer durchbrach den Bann mit einem perfekten Kopfballtreffer (77.). Chile musste nun schon zwei Tore erzielen, was angesichts des bisherigen Spielverlaufs unwahrscheinlich erschien. Und tatsächlich waren es die Niederländer, die in der Nachspielzeit nochmals trafen. Robben großartige Vorarbeit veredelte Depay aus kurzer Distanz mühelos.



Ich finde die Aussagen ziemlich arrogant. Aber einiges ist auch fachlich de facto falsch. Wenn man jedes Jahr 250 Millionen Euro mehr in der Tasche hat, lässt es sich mit vollen Hosen gut stinken.

— Michael Zorc, Sportdirektor BVB, über Uli Hoeneß.