Ein Fehlstart in die Saison veranlasste die Verantwortlichen des VfB Stuttgart, Trainer Bruno Labbadia bereits im August durch Thomas Schneider zu ersetzen. Die Gruppenphase in der Europa League wurde dennoch verpasst und auch in der Bundesliga reichte es nur zu einem Mittelfeldplatz bei völlig unterschiedlichen Leistungen. Weitere Rückschläge sind auch zu Beginn der Rückrunde bei dem schweren Programm möglich, selbst wenn einige vermeintliche Leistungsträger wieder verfügbar sind.
Ein dürftiges 2:0 im DFB-Pokal bei Dynamo Dresden blieb die einzige Ausbeute Labbadias zum Saisonstart. In der Bundesliga unterlag das Team zudem in Mainz (2:3), gegen Leverkusen (0:1) und auch in Augsburg (1:2). Weil in der EL in Rijeka auch nur eine 1:2-Schlappe eingesteckt wurde, war das Jobende für Labbadia besiegelt. Nachfolger Schneider, aus dem eigenen Stab aufgestiegen, erreichte gegen Rijeka allerdings auch nur ein 2:2 und musste sich aus dem Wettbewerb verabschieden, doch dann explodierte das Team beim imposanten 6:2 gegen Hoffenheim. Diesem Befreiungsschlag folgten eine Reihe Ligaspiele ohne Niederlage inkl. Aufstieg auf Rang sechs, allerdings auch das Pokal-Aus beim Südwest-Nachbarn Freiburg (1:2). Die heftige Haue in Dortmund (1:6) bremste den VfB stärker aus, als befürchtet, denn in den kommenden Spielen gefiel nur die 3:1-Revanche in Freiburg. Dafür gab es in Gladbach (0:2) und auf Schalke (0:3) sowie abschließend in Wolfsburg (1:3) Niederlagen, die deutlich die Grenzen zu den eigentlich angestrebten internationalen Plätzen aufzeigten. Das Dezember-4:2 gegen Hannover wurde deshalb auch nicht überbewertet. Deshalb waren die Verantwortlichen, einschließlich neuem Trainer, zur Winterpause aus vielfachen Gründen keinesfalls zufrieden.
Mit Sven Ulreich (Durchschnittsnote 2,79) im Tor durften die Schwaben im Verlauf der Hinserie absolut zufrieden sein. Aber auch sein Ersatzmann Kirschbaum (3,00), dreimal eingesprungen, machte seine Sache nicht schlecht. Bei den Vorderleuten der beiden Schlussmänner mussten allerdings bereits Abstriche gemacht werden. Die Innenverteidiger Schwaab (3,68) und Rüdiger (3,50) erwiesen sich nicht immer als Stabilisatoren. Der teils verletzte, teils verdrängte Niedermeyer (3,80) wäre in der Form der letzten Saison vielleicht eine Alternative gewesen. Sakai (3,88), Rausch (3,61) oder Boka (3,55), der allerdings öfter im Mittelfeld eingesetzt wurde, brachten auf den defensiven Außenbahnen ebenfalls keine auffällige Konstanz. Weil auch Kvist (3,75) als Sechser längst nicht an seine guten Tage in Stuttgart heran kam, war die gute Arbeit von Kapitän Gentner (3,21) wichtig und gefragt. Besser schnitt insgesamt die Mittelfeldoffensive ab. Besonders Maxim (3,05) sowie der flinke Traore (3,23) stachen hervor, aber auch Harnik (3,56) und teilweise der oft überschätzte Leitner (3,80) hatten ihre guten Tage. Boka erwies sich im Mittelfeld zudem wertvoller als auf der defensiven Außenbahn. Verlässlichster Goalgetter blieb Ibisevic (3,43) mit seinen bislang neun Treffern, doch in einigen Spielen ward er fast gar nicht gesehen. Als große positive Überraschung erwies sich in Stuttgart der 17-jährige Timo Werner (3,18), der sich als das wohl größtes Talent der letzten Jahre herausschälte. In seinen 14 Einsätzen kam er auf vier Treffer und vier Assists, erspielte aber vor allem in Eigeninitiative viele Tormöglichkeiten und gilt bereits jetzt, selbst mit dem Ball am Fuß, als einer der schnellsten Spieler der Liga.
Cacau, Niedermeyer und Boka, alle zuletzt eher nicht einsatzfähig, erhöhen das Angebot für Trainer Schneider, der vor allem über die ersten Hürden der Rückserie (Mainz, Bayern, Leverkusen) kommen muss, um sich nicht gleich in der Nähe des Tabellenkellers wiederzufinden. Das rätselhafte Auf und Ab der Schwaben dürfte aber auch in der Restspielzeit dieser Saison ein Thema bleiben. Von den internationalen Plätzen träumt man in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs zu Recht im Moment nicht.
Ulrich Merk
Entweder haben wir einen Auswärtskomplex oder Höhenangst, ich weiß aber auch nicht, wie hoch der Betzenberg ist.
— Klaus Augenthaler nach einem 0:0 mit Bayer Leverkusen beim 1. FC Kaiserslautern.