Die Liga vor der Rückrunde (Teil 1)

von Günther Jakobsen11:48 Uhr | 13.01.2013

Nach halber Distanz präsentiert die Liga in der Saison 2012/13 einen Zwischenstand, der, wie so oft in den letzen Jahren, einige Überraschungsmomente enthält. Kurz vor Beginn der Rückserie wird in vier Teilen die Lage der Klubs skizziert, den Anfang macht das Ende des Klassements.

SpVgg Greuther Fürth
Platz 18, 9 Punkte
Als stolzer Zweitligameister erstmals den Sprung in die höchste Spielklasse geschafft zu haben, versetzte die „Kleeblätter“ im April 2012 in eine euphorische Stimmung. Das unvermeidliche „Nie mehr zweite Liga …“ war selbstredend während der Aufstiegsfeier lautstark vernehmbar - vor dem Anpfiff zur Rückrunde ist die Tonlage im Lager der Franken eine ganz andere, auch wenn man sich noch nicht aufgegeben hat. Der Verlust der Schlüsselspieler Schröck (nach Hoffenheim) und Occean (E. Frankfurt) wog weitaus schwerer als erwartet und der in der Aufstiegssaison so starke Sararer blieb noch unter seinen Möglichkeiten. Die traurige Bilanz, vor eigenem Publikum noch keinen Sieg erspielt zu haben, ist eng verbunden mit der fatal schwachen Torchancenverwertung, die Trainer Mike Büskens so manche Schocksekunde des ungläubigen Erstarrens bescherte.
Die Neuverpflichtungen halfen kaum. „Ich wollte eigentlich Eto´o, aber der Präsident hat wohl Edu verstanden“, haute Büskens einen Spruch raus, der im Kern die Problematik widerspiegelt, dass der Kader für die Bundesliga etwas zu schwachbrüstig erscheint. Dem Nachrüsten in der Winterpause sind enge Grenzen gesetzt. „Dazu musst du auch ein bisschen was im Portemonnaie haben“, meint Büskens. Immerhin konnte der serbische Angreifer Nikola Djurdjic (von Helsingborgs IF), der seit dem 1. Januar für die „Kleeblätter“ spielt, in den Vorbereitungsspielen seine Treffsicherheit nachweisen.

FC Augsburg
Platz 17, 9 Punkte
In einer nach sportlicher und statistischer Bilanz ausgerichteten Wahrnehmung kommen der FC Augsburg und die SpVgg Greuther Fürth fast wie Zwillinge daher: Beide stehen punktgleich am Tabellenende, weisen fast identische Treffer/Gegentreffer-Werte aus und haben konsequenterweise auch ähnliche Probleme im Abschluss. Vergleichbar ist ebenfalls, dass mit Hosogai (nach Leverkusen) und Bellinghausen (F. Düsseldorf) zwei wichtige Akteure den Verein verließen, die nicht adäquat ersetzt wurden. Die Ausgangslage vor der Saison war allerdings unterschiedlich. Der FCA wähnte sich für seine zweite Bundesligaspielzeit offensiv verbessert, doch die neu verpflichteten Sio, Musona und Bancé trafen allesamt nicht - so dass schließlich der wegen eines Knöchelbruchs zunächst fehlende Sascha Mölders während seiner sieben Einsätze (4 Tore) noch zum erfolgreichsten Augsburger Stürmer avancierte. Obwohl Stellvertreter Mohamed Amsif seine Sache ordentlich machte, ging dem FCA auch die Präsenz von Schlussmann Simon Jentzsch ab, der aufgrund eines Fingerbruchs nur in fünf Spielen zur Verfügung stand.
Augsburg widerstand dem brachenüblichen Reflex, in prekärer Lage den Trainer auszutauschen. Bundesliganovize Markus Weinzierl soll das Ziel Klassenerhalt, das in unerwartet weite Ferne rückte, verwirklichen. Der managende Begleiter an seiner Seite indes wechselte. Als Nachfolger Manfred Paulas und Jürgen Rollmanns soll Stefan Reuter das schlingernde Schiff auf Kurs bringen. Die kernige Diktion des neuen Sportchefs stimmt schon mal: „An die 2. Liga denken wir nicht. Wir packen das.“

1899 Hoffenheim
Platz 16, 12 Punkte
Es sollte ein neuer Anlauf werden. Mit bewährten Erstligakräften an der Spitze der Neuzugänge (Delpierre, Derdiyok, Ochs, Wiese) versprachen sich die Kraichgauer, endlich aus dem Mittelmaß heraus zu kommen. Für Verstimmung unter den Fans sorgte jedoch schon vor dem ersten Anstoß die Ausbootung des beliebten Keepers Tom Starke (wechselte zum FCB), wofür dessen Nachfolger Tim Wiese nichts konnte. Die deftigen Niederlagen, inklusive des unrühmlichen Pokal-Aus’ gegen den Berliner AK zu Beginn der Saison, trugen dann jedoch nicht dazu bei, die Position des Ex-Bremers, den Coach Markus Babbel zum Kapitän machte, zu stärken. Der schwere Autounfall von Mittelfeldspieler Boris Vukcevic blieb gewiss auch nicht ohne Einfluss auf die Gemütslage der Kraichgauer.
Schon Mitte September versuchte die TSG durch personelle Veränderung in ruhiges Fahrwasser zu kommen: Trainer Markus Babbel bekam mit Andreas Müller einen Manager zur Seite gestellt, zuvor hatte Babbel beide Tätigkeiten übernommen. Die Talfahrt konnte indes nicht gebremst werden - und die Korrekturen setzten sich fort. Babbel musste gehen, wurde kurzzeitig durch Frank Kramer ersetzt, dem aber schon bald Marco Kurz folgte. Der Ex-Lauterer hat immerhin Erfahrung im Abstiegskampf, die angesichts von sechs Niederlagen in den letzten sechs Spielen der Hinserie bitter Not tut. „Wir halten die Augen offen, wollen die Defensive stärken“, hat Kurz vor dem Rückrundenstart einen Schwerpunkt benannt. Ob dies durch neue Akteure realisiert werden soll, ist noch nicht klar. „Es wird sehr schwierig in der Winterpause eine Verstärkung zu bekommen“, weist Andreas Müller auf die dünne Marktlage hin.

André Schulin



Heute hast Du den Eindruck, als würden die Spieler einen Antrag in zweifacher Kopie einreichen wollen, um etwas machen zu dürfen, und bis die Entscheidung da ist, ist das Spiel vorbei.

— Franz Beckenbauer zum Fehlen von Führungspersönlichkeiten in der deutschen Nationalmannschaft