Die Liga vor der Rückrunde (Teil 3)

von Günther Jakobsen13:59 Uhr | 16.01.2013

Die Klubs aus dem oberen Mittelfeld sind punktmäßig und auch leistungstechnisch eng beieinander. Für sie ist auch das Erreichen von CL-Qualifikationsrang vier ein realistischer Anreiz.

VfB Stuttgart
Platz 9, 25 Punkte
Berg- und Talfahrten sind für den VfB, den Vierten in der „Ewigen Tabelle“, nichts Ungewöhnliches. In der Hinserie rappelten sich die Schwaben nach verkorkstem Start - den ersten Dreier fuhr man am sechsten Spieltag ein - wieder auf und verpassten nur durch die Niederlage in Mainz eine Europa-League-Platzierung. Dieser Mangel an Beständigkeit dürfte Bruno Labbadia bestätigen, der sich eine Verstärkung des Kaders wünscht, was seitens des Aufsichtsrats aus Kostengründen (Dieter Hundt: „Wir haben den fünft- oder sechstteuersten Kader“) negiert wird. Von den wenigen Neuzugängen gelang es keinem einzigen, sich für den Stamm zu empfehlen. Die größte Hoffnung, der vom 1. FC Nürnberg zurückgekehrte Didavi, fiel aufgrund einer Knieverletzung quasi die komplette Hinrunde aus. Auch Torun (Muskelfaserriss) konnte in seiner ersten Saison beim VfB nur äußerst eingeschränkt mitwirken und die Verletzungen von Cacau (Kreuzbandriss) und Okazaki (Knie- und Fußverletzung) beraubten den VfB einiger Offensivoptionen. Gut für die Stuttgarter, dass Knipser Vedad Ibisevic seiner Bestform nahe kommt und den sportlichen Erfolg, man tanzt schließlich noch auf drei Hochzeiten (neben der Liga noch DFB-Pokal und Europa-League), mit seiner Treffsicherheit untermauert. Als weniger angenehm wird in Stuttgart empfunden, dass Labbadia mit einer Vertragsverlängerung zögert.

Borussia Mönchengladbach
Platz 8, 25 Punkte
Wenige Klubs waren schwieriger einzuschätzen als die „Fohlen“. Sportdirektor Max Eberl siedelte seine Erwartungen mit einem Mittelfeldplatz an: „Platz elf müssen wir mit diesem Kader erreichen. Platz acht wäre ein sehr gutes Ergebnis“ Dass der Verlust von Dante (zum FCB), Neustädter (Schalke) und Reus (BVB) einem Aderlass gleichkommen würde, war allgemein klar und Grundlage von Eberls vorsichtiger Prognose. Die Frage war, wie gut und zügig die hoch dotierten Neuverpflichtungen Xhaka, de Jong und Dominguez integriert werden könnten. „Wir haben eine extrem schwierige Saison vor uns“, warnte Lucien Favre vor der Saison und wurde in der Anfangsphase bestätigt. In den Champions-League-Play-offs gegen Dynamo Kiew stand man auf verlorenem Posten, auch die ersten Europa-League-Gruppenspiele gingen verloren. In der zweiten Runde des DFB-Pokals kam das Aus in Düsseldorf und in der Bundesliga fing sich Gladbach in der Hinserie 26 Gegentreffer - gegenüber 24 in der kompletten vorigen Saison. Es gelang dem VfL jedoch zunehmend, mehr Stabilität abzurufen, auch wenn man speziell in der Offensive noch keine Ideallösung fand. Der Einbau der Neuzugänge lässt ebenfalls noch Luft nach oben, Eberls Vorgabe aber erscheint absolut machbar, auch weil Arango verstärkt seine Qualitäten einzusetzen versteht.

FC Schalke 04
Platz 7, 25 Punkte
Gut gestartet, grandios gestürzt. Zumindest auf das Abschneiden in den nationalen Wettbewerben trifft diese Halbzeitbilanz zu. Das erfreuliche Auftreten der „Königsblauen“ in der Champions League, wo man als Gruppensieger überzeugte, steht außerhalb der Kritik. Unverständlich bleibt jedoch, warum Schalke in der zweiten Hälfte der Hinrunde den Faden derart verlor, dass man aus den letzten sechs Bundesligaspielen lediglich zwei Punkte zu generieren vermochte und aus der Spitzengruppe ausschied. Die Verletzung des auf Anhieb gut eingeschlagenen Neuzugangs Ibrahim Afellay sollte angesichts des gut besetzten Kaders nicht als Vorwand ausreichend sein. Der Leistungsabfall kostete Huub Stevens jedenfalls den Job, womit vor der Saison schwerlich gerechnet werden konnte. Sein Nachfolger Jens Keller konnte die Lage ad hoc nicht verbessern. Holtby sollte, so der Stand der Dinge, bis zum Saisonende bleiben; weitere Offensivverstärkungen strebt Horst Heldt jedoch noch in der Winterpause an. Zunächst wurde Raffael (von Dynamo Kiew) bis Saisonende ausgeliehen.

1. FSV Mainz 05
Platz 6, 26 Punkte
Signifikante personelle Veränderungen nahm der FSV zur neuen Saison nicht vor. Der Kader wurde etwas verschlankt, blieb im Kern aber erhalten. Dies nutzte Thomas Tuchel eindrucksvoll dazu, die Wertigkeit eines eingespielten Teams zu demonstrieren. Zu Beginn fehlten noch die Resultate, erst am vierten Spieltag verbuchten die 05er den ersten Dreier auf ihr Ligakonto. Dann jedoch zahlte sich die Homogenität des „Karnevalsklubs“ aus, der sich, mit Ausnahme vielleicht des Bayern-Spiels, auch mit den Topteams auf Augenhöhe präsentierte. „Acht Siege sind ein Wahnsinnwert. Sieben Niederlagen sind bei unseren Leistungen aber viel zu viel“, resümiert Tuchel seine Sicht auf die Hinrunde. Die zweite Hälfte der Spielzeit wird der FSV höchstwahrscheinlich in unveränderter Formation angehen; gleichwohl wird noch über einen Ersatz für den verletzten Choupo-Moting nachgedacht. Die Suche nach einem Nachfolger für den zum Saisonende wechselnden Kirchhoff (FCB) dürfte ebenfalls im Blickfeld von Manager Christian Heidel sein.

SC Freiburg
Platz 5, 26 Punkte
Schon bevor die Ergebnisse stimmten wies der Sportklub eine Kompaktheit aus, die nahtlos an die starke Rückserie der vorherigen Spielzeit anknüpfte. Auch in Freiburg, ähnlich wie in Mainz, ist es im Wesentlichen die auf hohem Niveau angesiedelte Mannschaftsleistung, mit der man den Erfolg sucht. Die Transfers spielen daher eine eher untergeordnete Rolle, allerdings gewann der SCF durch die Verpflichtung Max Kruses einen Offensivakteur hinzu, der sofort eine Verstärkung bedeutete. Das torgefährliche Mittelfeld, in dem mit Kruse, Caligiuri, Schmid und Rosenthal gleich vier Vierfach-Torschützen versammelt sind, gleicht die Stürmerschwäche sozusagen spielend aus, und die vor dem starken Baumann postierte Abwehrkette ist ebenfalls äußerst konkurrenzfähig in der Liga. Der zurecht für sein Wirken gelobte Trainer Christian Streich, der die Breisgauer vom Abstiegskandidaten zum Europa-League-Anwärter antrieb, registriert seine gewachsene Popularität wohlüberlegt: „Ich genieße diese Anerkennung, es gefällt mir, wenn die Leute sagen: ‚Herr Streich, was Ihr macht, das gefällt uns!’ Andererseits spüre ich, dass ich einer riesigen Erwartungshaltung gerecht werden muss. Das ist Druck, und zwar kein geringer.“

André Schulin



Ich habe auf dem Platz potenzielle Unfähigkeit gesehen. Mit wem Sie das in Zusammenhang bringen, bleibt Ihnen überlassen.

— Martin Luppen, Trainer Fortuna Köln, mit seiner Art der Schiedsrichterkritik...