Die Liga vor der Rückrunde (Teil 4)

von Günther Jakobsen10:48 Uhr | 17.01.2013

Herbstmeister FC Bayern sollte sich genügend Polster zugelegt haben, um den Titel an die Isar zu holen. Spannender dürfte die Entwicklung des Verfolgertrios werden; speziell die Frage, ob Frankfurts Höhenflug sich fortsetzt.

Eintracht Frankfurt
Platz 4, 30 Punkte
Tabellenplatz vier scheint für die Überraschungsteams der Liga reserviert zu sein. Nach Hannover (Saison 2010/11) und Mönchengladbach (2011/12) belegt Aufsteiger Eintracht Frankfurt am Ende der Hinrunde der aktuellen Spielzeit den vierten Rang. Dabei waren die Hessen nicht nur in der zweiten Reihe, sondern auch in der Innenverteidigung und im Sturm schwach besetzt. Die beiden Stammmanndecker Anderson und Zambrano fanden zwar im Laufe der ersten Halbserie zur Bestform, aber wehe, wenn einer der beiden ausfiel. Im Sturm sucht der Fürther Neuzugang Occean dagegen immer noch nach seiner Form. Dafür erinnerte die restliche Mannschaft an die legendäre Eintracht-Truppe aus den Neunziger Jahren um Stein, Bein, Okocha und Yeboah. Die Youngsters wie Torwart Trapp, die beiden angriffslustigen Außenverteidiger Jung und Oczipka sowie Mittelfeldspieler Rode versprechen einiges für die Zukunft. Aber einen entscheidenden Anteil am Aufschwung der Eintracht haben auch die Oldies im Kader. Mittelfeldspieler Alex Meier ist mit elf Treffern der bisherige Topscorer, und Rode hat seine starken Leistungen auch der defensiven Absicherung durch Kapitän Schwegler auf der Doppelsechs zu verdanken. Mit Rückkehrer Russ, ist schon von Wolfsburg nach Frankfurt gewechselt, und Lakic, soll noch von Wolfsburg kommen, wollen die Hessen ihre Personalprobleme in den Griff bekommen. Irgendwie paradox, dass sich der Tabellenvierte vom Überschusspersonal des Tabellenviertletzten bedient.

Borussia Dortmund
Platz 3, 30 Punkte
Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp kann auch Europa. Im fünften Versuch (einmal mit Mainz, viermal mit dem BVB) überwinterte er zum ersten Mal im Europapokal. In der Champions League ließen die Borussen nicht nur den englischen (Manchester City) und spanischen Meister (Real Madrid) hinter sich, sondern mit ihren Vorstellungen auch die Konkurrenz aufhorchen. Nicht nur José Mourinho vom geschlagenen Real Madrid, sondern auch sein Trainerkollege von Manchester United, Sir Alex Ferguson, halten den BVB für titelwürdig in der Königsklasse. Damit verbunden ist auch ein Reifeprozess in der Mannschaft, der noch nicht abgeschlossen ist. Im Gegensatz zu den vergangenen Spielzeiten, als die Borussen wie Duracellhasen Kilometer abliefen, versuchen sie nun öfter, mit den Kräften sparsam umzugehen und trotzdem zu gewinnen - was nicht immer gelingt, wie das 1:1-Unentschieden im Heimspiel gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf bewies. Auch deswegen beträgt der Rückstand auf Platz eins schon zwölf Punkte. Trainer Klopp hat zumindest offiziell die erneute Verteidigung der Meisterschaft abgehakt. Wie schon in der vergangenen Saison ist der Kader der Borussia gut besetzt, aber birgt gleichzeitig die Gefahr unzufriedener Reservisten. Nach Barrios vor der Saison hat in der Winterpause mit Perisic ein weiterer unzufriedener Ersatzspieler den Verein verlassen. Mit der Rückkehr Nuri Sahins, dem fünften defensiven Mittelfeldspieler im Kader, verschärft sich die Konkurrenzsituation noch weiter. Ein Glück, dass die Westfalen weiterhin auf allen Hochzeiten tanzen dürfen.

Bayer Leverkusen
Platz 2, 33 Punkte
Das Leverkusener Trainerduo Hyypiä/Lewandowski sollte am Ende der vergangenen Saison den Einzug ins internationale Geschäft für die Werkskicker erst einmal sichern. Nach der erfüllten Mission durften die beiden nicht nur bleiben, sondern auch ihre eigenen Vorstellungen vom Fußball umsetzen. Spätestens mit dem 2:1-Erfolg bei Bayern München, dem ersten Leverkusener Sieg beim Rekordmeister seit 23 Jahren, waren Hyypiä und Lewandowski endgültig in der Pharmastadt angekommen. Einen entscheidenden Anteil am Höhenflug unter dem Bayer-Kreuz hat Angreifer Stefan Kießling, der zurzeit mit zwölf Treffern die Torschützenliste anführt, aber im Sturm seit dem Verkauf von Derdiyok im Sommer auch keine ernsthafte Konkurrenz mehr hat. Die Werkself spielt seit dieser Saison in einem unorthodoxen 4-3-2-1-System. Die Außenverteidiger sollen bei eigenem Ballbesitz weit mit nach vorne aufrücken. Eine der wichtigsten Fragen vor der Saison war, ob die Leverkusener mit der neuen taktischen Ausrichtung defensiv stabil sein würden. Die Frage darf bejaht werden. Der Anspruch des gefühlten Rekordvizemeisters ist ähnlich dem des Rekordmeisters aus München: Nur die Champions League ist gut genug. In der Europa League treten die Rheinländer wie schon vor zwei Jahren lediglich mit einer 1B-Elf an.

Bayern München
Platz 1, 42 Punkte
Drei Tage vor dem Rückrundenauftakt ist den Bayern mit der Verpflichtung von Josep „Pep“ Guardiola als Trainer für die neue Saison ein großer Coup gelungen. Der ehemalige Übungsleiter des FC Barcelona schien im internationalen Fußball genauso begehrt zu sein wie die Champions-League-Trophäe. Nach der dramatischen Niederlage im „Finale dahoam“ gegen den FC Chelsea hielten sich die Münchner mit Ambitionen auf den Sieg der Königsklasse zumindest öffentlich zurück. Spätestens mit der Verpflichtung von Guardiola, wenn nicht schon im Sommer mit dem 40-Millionen-Transfer des spanischen Nationalspielers Javi Martinez zeigen die Bayern, dass sie den Gewinn der Champions League in den nächsten Jahren anpeilen. Im letzten halben Jahr unter Trainer Jupp Heynckes will sich der Rekordmeister nach zweijähriger Abstinenz wieder den nationalen Meistertitel sichern. Für die Bajuwaren ist die Situation, dass der Weggang eines verdienten Trainers und sein Nachfolger schon in der Winterpause feststehen, nichts Neues. Vor fünf Jahren hatten sie das schon einmal mit Hitzfeld durchgemacht und wurden am Ende trotzdem deutlich Deutscher Meister. Dabei hatte der Rekordmeister damals unter dem General nur fünf Tore und nicht wie unter Heynckes neun Punkte Vorsprung auf die Verfolger. Und der gebürtige Gladbacher lässt bislang keine Anzeichen von Altersmüdigkeit erkennen, sondern hat stattdessen vor der Saison entscheidend an der Mannschaft gefeilt. Das Spiel gegen den Ball wurde verbessert, und die in der Vorsaison vernachlässigte zweite Reihe durch die Verpflichtungen von Dante, Mandzukic und Shaqiri gestärkt. Reibereien gab es nur mit dem neuen Sportdirektor Matthias Sammer. Der Dresdner Perfektionist sieht immer Verbesserungsmöglichkeiten beim Liga-Primus.

Senthuran Sivananda



Wenn er noch mal erwischt wird, darf er nicht mal mehr mit Huckleberry Finn auf dem Floß fahren.

— Ex-Profi Ansgar Brinkmann über BVB-Star Marco Reus, der jahrelang ohne Führerschein Auto fuhr.