Donezk dezimiert und deprimiert

von Günther Jakobsen14:21 Uhr | 12.03.2015

Dass langes Unterzahlspiel nicht grundsätzlich in eine Niederlage münden muss, bewies Paris St. Germain in London. Schachtar Donezk indes lieferte das Gegenbeispiel ab. Die Ukrainer waren in München vollkommen chancenlos.

Bayerns Auftritt vor eigenem Publikum hatte nichts mehr gemeinsam mit dem unergiebigen Ballgeschiebe, das vier Wochen zuvor in Lwiw ablief. "Es war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich mit fünf Angreifern habe spielen lassen. Im Hinspiel hatten wir viele Probleme mit ihren Außenverteidigern", begründete Pep Guardiola seine höchst offensive Startformation. Wie sich diese taktische Variante bei normalem Spielverlauf bewährt hätte bleibt unbeantwortet, da sich die Bedingungen nach drei Minuten gründlich veränderten: Schachtar-Verteidiger Kucher sah nach einem Foul an Götze die Rote Karte (die früheste in der CL-Historie) - und Müller verwandelte den fälligen Elfer sicher zum 1:0 (4.). Ein Abstaubertreffer Boatengs (36.) stellte den 2:0-Halbzeitstand zugunsten der Münchner her, die während des einseitigen Kicks zahlreiche Torchancen liegen ließen. Das änderte sich schnell nach dem Seitenwechsel: Ribery (49.) und Müller (52.) trafen kurz nacheinander gegen die löchrige Gästeabwehr; Donezk hing komplett überfordert in den Seilen. "Wir haben zu zehnt gespielt und diese Partie verloren. Sehr viel mehr kann ich nicht dazu sagen", wusste Schachtar-Coach Mircea Lucescu auch nach dem Schlusspfiff nicht, wie er das 0:7-Debakel - Badstuber (63.), Lewandowski (75.) und Götze (87.) reihten sich ebenfalls in die Torschützenliste ein - bewerten sollte. Die angeschlagenen Robben (19.) und Ribery (59.) wechselte Guardiola vorzeitig aus.

Auch Paris St. Germain musste im Auswärtsspiel bei Chelsea FC mit einem langen Unterzahlspiel klarkommen. Und bei den Franzosen traf es mit Ibrahimovic ausgerechnet jenen Akteur, der erwiesenermaßen den Unterschied ausmachen kann. Der Schwede sah nach 30 Minuten den roten Karton für einen Zweikampf mit Oscar. Eine fragwürdige Entscheidung; in der englischen Presse wurde zudem das Verhalten der Chelsea-Profis stark kritisiert, die in Mannschaftsstärke den Schiedsrichter bedrängten, um einen Platzverweis zu fordern. Die Hausherren ließen es trotz Überzahl in der Folgezeit recht gemächlich angehen, ihnen hätte nach dem 1:1-Hinspielremis ein torloses Unentschieden gereicht. Per Dropkick brachte Cahill die Blues sogar in Führung (81.), doch ein knallharter Kopfballtreffer von Ex-Chelseaspieler Luiz glich die Partie wieder aus (86.): Es ging in die Verlängerung, die wiederum mit einem Vorteil der Gastgeber begann, als Hazard einen Strafstoß (Handspiel von Silva) abgebrüht ins Netz setzte (96.). PSG resignierte nicht, besonders "Sündenbock" Silva fühlte sich offensichtlich in der Pflicht. Einen guten Kopfballversuch des Brasilianers konnte Blues-Keeper Courtois meistern, beim zweiten Versuch, in der 114. Minute, war er machtlos. Paris erreichte mit dem 2:2-Unentschieden verdient die nächste Runde.



Den Vertrag von Hennes Weisweiler verlängern wir seit Jahren immer nur mit Handschlag. Das ist ein netter Gag, auf den wir nicht mehr verzichten wollen.

— Gladbachs Manager Helmut Grashoff.