DFB-Team

Durchwachsener Zwischenstand

von Günther Jakobsen14:45 Uhr | 02.06.2014

Zwischen Trainingslager, ein paar Tagen Freizeit, einem letzten Test gegen Armenien und der nachfolgenden Abreise nach Brasilien hatte das DFB-Team mit Kamerun einen bissigen Probelauf mit der etwas dezimierten, mutmaßlichen Stammelf zu absolvieren. Das 2:2 ging soweit in Ordnung, einige flotte Spielzüge ließen auf Besserung hoffen, doch es wurden auch mehrere Baustellen sichtbar. Am Montagmittag strich Bundestrainer Löw zudem die Spieler Schmelzer, Mustafi und Volland aus dem vorläufigen Kader.

Bereits mit dem ersten Angriff erhielt Özil nach Zuspiel von Boateng eine riesige Torchance, zielte aber um Zentimeter am linken Pfosten vorbei (1.). Schwungvoll ging´s gegen die unsortierten Gäste weiter, doch auch Mertesackers Kopfball landete nur auf der Querlatte (4.). Der für Klose als „hängende“ Sturmspitze aufgestellte Götze folgte mit einem Schuss, den Schlussmann Itandje aber noch an den Pfosten lenken konnte (11.). Doch die vom Ex-Freiburger Coach Volker Finke formierten Afrikaner verschafften sich in der Folgezeit mit äußerst rustikalen Einsätzen im Mittelfeld Respekt und unterbanden so den Schwung der DFB-Elf. Die erste Möglichkeit der Gäste ergab sich für Eto´o, doch auch der Weltklasse-Angreifer scheiterte (18.). In den kommenden 20 Minuten neutralisierten sich die Kontrahenten im Mittelfeld, die Fehlpässe hatten sich gehäuft, immer wieder unterbrachen Fouls den Spielfluss. In der 38. Minute aber schickte Eto´o Mitspieler Moukandjo zentral in die Gasse, doch Weidenfeller klärte stark per Fußabwehr. Auch einen Kopfball von Matip hielt der Neuer-Ersatz sicher (41.).

Trotz wieder mehr Engagement tat sich die Löw-Truppe gegen das nach der Pause noch tiefer stehende Abwehrbollwerk Kameruns sehr schwer und kam vorerst nicht zu weiteren Torchancen. Dafür setzte sich Eto´o nach einer Hereingabe des Mainzers Choupo-Moting gegen Hummels durch und spitzelte die Kugel unhaltbar ins rechte Toreck (62.). Mit Podolski für den zumeist völlig abgetauchten Özil brachte Löw wieder Bewegung ins deutsche Spiel und prompt gelang Boateng über rechts ein erster guter Durchbruch mit optimaler Flanke, Müller rauschte in den Ball und köpfte zum Ausgleich ein (66.). Wenig später schickte der Torschütze Podolski (leicht im Abseits) über links lang, der Arsenal-Angreifer zog den Ball flach auf den Torraum, Schürrle (seit der 58. Minute für den zaghaften Götze im Team) bedankte sich mit einem satten Abstauber zum 2:1 (71.). Zwar sah es nun von der ganzen Spielanlage her nach weiterhin guten Spielzügen für die Nationalelf aus, doch plötzlich stach Choupo-Moting unbedrängt über halblinks aus dem Mittelfeld vor den deutschen 16er und schloss mit einem trockenen Scharfschuss ins rechte Eck zum eiskalten 2:2 ab (78.). Zwei Minuten später hätte Müller per Lupfer zwar fast nochmals getroffen, doch letztlich landete der Ball auf dem Tordach (80.). Mehr ließen die weiterhin kompakt verteidigenden Gäste nicht mehr zu.

Gefallen konnten vor allem Weidenfeller, Müller, Reus und Neuling Durm, der auf dem linken Außenverteidigerposten einen frischen, selbstsicheren Eindruck hinterließ. Nachvollziehbar war somit der Verzicht von Löw auf den nominellen Platzhalter Schmelzer, dessen Verletzung ein weiteres Hindernis darstellte. Zudem war mit Mustafi beim guten Innenverteidigerangebot im Kader ebenfalls als Streichkandidat zu rechnen. Löw strich auch den neben Klose einzigen nominellen Angreifer mit Kevin Volland. Allerdings hat der Coach mit Müller, Reus, Götze, Podolski und auch Draxler weitere bewährte Offensivkräfte im Aufgebot. Die Streichliste erscheint auf dem ersten Blick somit nachvollziehbar.

Ulrich Merk



Wir kriegen keine fertigen Spieler, sondern wir wollen die Spieler fertig machen

— Steffen Baumgart als Trainer des SC Paderborn, zur Kaderplanung.