Cristiano Ronaldo schießt Tore am Fließband, hat eine herausragende Technik und ist ohne Zweifel einer der besten Fußballer der Welt. Aber er hat das Pech, dass es einen Fußballer ähnlichen Typs gibt, der noch viel besser ist als er. Lionel Messi ist für den Portugiesen das, was im Zehnkampf Daley Thompson für Jürgen Hingsen war. Nur mit dem Unterschied, dass der deutsche Leichtathlet auf seiner Oberlippe mehr Haare hat als Ronaldo am gesamten Körper.
Kein Scherz - der Profi von Real Madrid rasiert sich überall am Körper. „Es kommt auf Kleinigkeiten an, um noch schneller zu werden. Da ist jede Körperbehaarung, auch am Po, störend“, ließ er sich zitieren. Aber es würde auch zu seiner ausgeprägten Eitelkeit passen. Genauso wie der Sixpack, für den sich der Starkicker täglich stundenlang an den Fitnessgeräten quält, oder der „Django“-Schritt vor einem Freistoß. Wegen dieser Attitüden ist er in der Fußballwelt unbeliebt. „Ronaldo? Da hätte früher der Jens Jeremies gesagt: Dass mir den ja niemand anfasst! Der gehört mir“, sagt Fernsehexperte und Bayern-Legende Mehmet Scholl. Und die gegnerischen Fans verhöhnen den Portugiesen immer wieder mit „Messi, Messi“-Rufen. Und nachdem er bei einem Champions-League-Spiel in Zagreb von den kroatischen Verteidigern etwas härter in die Mangel genommen worden war, ätzte er: „Ich denke, weil ich reich, gut aussehend und ein großartiger Spieler bin. Sie beneiden mich, eine andere Erklärung habe ich nicht.“
Auch in seiner Heimat Portugal ist er nicht unumstritten. Seine Landsleute werfen ihm vor, dass er im Nationaltrikot nicht an die Leistungen im Verein anknüpfen würde. Als „Kuckuckskind“ der Goldenen Generation um Luis Figo, Rui Costa und Nuno Gomes wurde er 2004 Vizeeuropameister und zwei Jahre später Vierter bei der Weltmeisterschaft in Deutschland. Ohne Unterstützung der erfahrenen Haudegen schied er mit seiner Nationalelf sowohl bei der EM 2008 als auch bei der WM 2010 jeweils in der ersten K.o.-Runde aus. Mit dem Einzug ins EM-Halbfinale 2012 konnte sich Ronaldo zumindest etwas mit den Iberern versöhnen. Auch wenn der amtierende Vize-Weltfußballer fast schon getröstet werden musste, nachdem nicht ihm, der zuvor einige Großchancen ausgelassen hatte, sondern dem eingewechselten Stürmer Silvestre Varela der wichtige 3:2-Siegtreffer im zweiten Gruppenspiel gegen Dänemark gelungen war. In seinem ersten Jahr bei Real Madrid soll er angeblich seinen Sturmpartner Gonzalo Higuain nicht angespielt haben, weil er sich mit dem Argentinier einen Wettstreit um den ersten Platz in der vereinsinternen Torschützenliste lieferte.
Es gibt den allbekannten egozentrischen Cristiano Ronaldo, aber es soll auch den Teamplayer Cristiano Ronaldo geben. Seine deutschen Mannschaftskameraden bei Real Madrid, Sami Khedira und Mesut Özil, schwärmen vom portugiesischen Nationalspieler. Auch bei seinem ehemaligen Verein Manchester United erwarb er sich mit einer mannschaftsdienlicheren Spielweise den Respekt seiner Mitspieler und Fans. Dabei schien seine Karriere an der Insel schon 2006, nach nur drei Jahren, vorbei. Nachdem er im WM-Viertelfinale gegen England (3:1 n.E.) ausgerechnet für seinen Vereinskameraden Wayne Rooney erfolgreich eine Rote Karte wegen einer Tätlichkeit gefordert hatte, wurde er zu Beginn der Saison 2006/07 nicht nur von den gegnerischen, sondern auch von den eigenen Anhängern ausgepfiffen. Jedoch versöhnte Ronaldo die Fans mit seiner Leistung und gewann 2008 mit United die Champions League. Im Endspiel gegen den FC Chelsea (7:6 n.E.) brachte er seine Mannschaft in der regulären Spielzeit in Führung, versagte allerdings im Elfmeterschießen als einziger United-Profi vom Punkt.
Immer wieder gibt es Gerüchte über eine Rückkehr Ronaldos zu Manchester United. Real Madrid, das für ihn 2009 94 Millionen Euro hinlegte und damit einen immer noch gültigen Transferrekord aufstellte, hat jedoch eine astronomische Ablösesumme von einer Milliarde Euro in seinen Vertrag festgeschrieben. Im Frühjahr wird es dennoch ein Wiedersehen von Ronaldo mit seinen ehemaligen Teamkameraden geben. Denn im Champions-League-Achtelfinale treffen Real Madrid und Manchester United aufeinander.
Warum es immer dem HSV passiert, kann ich auch nicht sagen.
— Markus Gisdol nach der dritten Erstrundenaus des HSV beim VfL Osnabrück